Tibet-Buddhismus 53 Gewaltlosigkeit

Tibet & Buddhismus: Heft 53 2/2000 Schwerpunkt-Thema: Gewaltlosigkeit

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

 

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

ich begrüße Sie herzlich zum ersten Frühling im neuen Jahrtausend. Die Natur erwacht zu neuem Leben.
Eine Meldung aus der tibetischen Zeitung Schedscha, die in Verbindung mit der tibetischen Exilregierung in Dharamsala steht, möchte ich mit Ihnen teilen: Der 17. Karmapa ist mit seiner 24-jährigen Schwester und drei Begleitern aus Tibet geflüchtet und in Indien angekommen. Sein neuer Tutor in Indien wird Kenchen Trangu Rinpoche sein, so haben S.H. der 14. Dalai Lama und ältere Lamas der Karma Kagyü-Tradition gemeinsam entschieden.

Wie in einem Brief an die Mitglieder des Tibetischen Zentrums angekündigt, findet Anfang April eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, um neue Vorstandsmitglieder zu wählen, da einige vom alten Vorstand zurückgetreten sind. Ich hoffe, daß die neuen und alten Vorstandsmitglieder harmonisch zusammen arbeiten werden und das Wohl der Gemeinschaft im Vordergrund stehen wird.

Jampa Thubten, einer meiner engsten Mönchsschüler aus Sera, konnte vor einigen Monaten zu uns kommen. Er steht mir bei verschiedenen Aufgaben zur Seite, wie z. B. bei der Vorbereitung von Pýjås, und lernt auch fleißig Deutsch. Als ich 1986 mein Heimat-Kloster, Dargye, in Kham (Osttibet) besuchte, lebten dort noch seine Eltern. Inzwischen sind beide gestorben.

Wie Sie dem Programmteil entnehmen können, laufen zur Zeit drei Studiengänge der buddhistischen Philosophie. Der jüngste, der fünfte Lehrgang, kommt ins dritte Semester und wird demnächst keine neuen Teilnehmer mehr aufnehmen. Wenn jedoch weiterhin starkes Interesse besteht, werden wir in naher Zukunft einen neuen Lehrgang starten. Der anderthalbjährige Lamrim-Kurs geht im August zu Ende. Wer sich weiter mit den Themen des Stufenwegs zur Erleuchtung beschäftigen möchte, kann zur Dienstags-Meditation ins Tibetische Zentrum kommen und im August zur Sommerklausur in unser Klausurhaus Semkye Ling.

Im Herbst wird ein neuer zweijähriger Kurs beginnen: „Praxis und Theorie des Mahåyåna-Buddhismus“ nach dem Text des indischen Bodhisattva Candrakïrti: „Eintritt in den Mittleren Weg“ (Einzelheiten im Programmteil). Das sechste Kapitel, das von der Leerheit handelt, ist sehr lang. Würde ich jedes Wort erklären, reichten zwei Jahre nicht aus, deshalb werde ich die essentielle Bedeutung erläutern. Den größten Nutzen aus diesem Kurs können die Absolventen der ersten beiden Studiengänge des Systematischen Studiums des Buddhismus ziehen (Lehrgang I und II) sowie diejenigen, die das vierte und fünfte Jahr des philosophischen Studiums abgeschlossen haben (Lehrgang III). Der Inhalt ist dem Stoff dieser beiden Jahre sehr ähnlich. Auch diejenigen, die OEåntidevas „Lebensweise eines Bodhisattva“ studiert haben, werden von dem neuen Kurs besonders profitieren können. Wer „Die Lebensweise eines Bodhisattva“ noch nicht kennt, aber an dem neuen Kurs teilnehmen möchte, dem empfehle ich, die Schrift von OEåntideva und Kommentare dazu zu lesen. Ein gutes Verständnis vom Lamrim ist als Grundlage ebenfalls hilfreich.

Es ist meine Hoffnung, daß die Absolventen der ersten beiden Studiengänge und die Teilnehmer des jetzigen dritten und vierten Lehrgangs das Gelernte mit ihrem Geist vermischen, so daß sie selber davon profitieren. Wenn sie die Inhalte gut verstehen, werden sie in Zukunft anderen nutzen können.

Ich bedanke mich bei allen Sponsoren der Mönche in Sera und der Nonnen in Mundgod. Dank der Freigebigkeit vieler Spender konnten wir vor kurzem größere Summen nach Sera schicken, um den Bau einer großen Versammlungshalle zu unterstützen und eine Stelle für den Sekretär von Sera-Je zu finanzieren. Durch die Spenden der letzten Jahre für das Computer-Projekt in Sera-Je und die Bibliothek konnten vor kurzem auch eine Bibliothek für die Mönche eingerichtet und der Druck von Büchern finanziert werden. Unser Dank geht besonders an Paul Syska und seine Freunde und Kollegen in Offenburg. Allen unter Ihnen, die durch große oder kleine Spenden bei diesen einmaligen Projekten helfen oder durch regelmäßige Spenden unsere Projekte in Indien unterstützen, sei noch einmal von Herzen gedankt. Im Namen aller Tibeter möchte ich auch meinen Dank aussprechen an die Deutsche Tibethilfe, besonders an Irmtraut Wäger und Heide Meyer für ihre langjährige, stetige Unterstützung der Tibeter in Indien. Bald werden wir wieder die Gelegenheit haben, Frau Wäger bei ihrem Dia- Vortrag zu erleben.

Dank auch allen Spendern und Mitgliedern, die das Tibetische Zentrum finanziell unterstützen, und den ehrenamtlichen Helfern, die mit ihren Händen anpacken. Ihre Hände sind Gold wert! Nicht zuletzt: Für meine Klausur- Vorbereitung werde ich 100.000 kleine Buddha-Figuren herstellen. Es ist mein Wunsch, dafür später einen Stýpa zu bauen, der in Verbindung mit Semkye Ling steht.

Heft 53 - 2/2000

Schwerpunkt-Thema: Gewaltlosigkeit

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Gewaltlosigkeit – das Leiden der Wesen nicht ertragen (PDF)
  • Lambert Schmithausen: Buddhismus und Gewalt (PDF)
  • Birgit Stratmann: Der Engagierte Buddhismus und seine Vertreter (PDF)
  • Oliver Petersen: Die Meditation der liebenden Güte (PDF)
  • Dalai Lama: "Gewaltlosigkeit ist Ausdruck von Mitgefühl" (PDF)
  • Oliver Petersen: Gewaltlosigkeit und Politik - Standpunkt (PDF)
  • Christine Rackuff: Schritte der Heilung – buddhistische Pilgerwanderung zu deutschen KZs (PDF)
  • Interview mit Claude Anshin Thomas: „Alles, was ich wahrnehme, ist mein eigenes Leiden” (PDF)
  • Karin Anderten: Buddhismus und Psychotherapie (PDF)
  • Dalai Lama: Märzbotschaft (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Rezensionen (PDF)