Reinigung / Vorbereitende Übungen

Artikel zum Thema Reinigung / Vorbereitende Übungen der Zeitschrift "Tibet und Buddhismus".

Den chronisch kranken Geist heilen

Will man den eigentlichen Sinn des kostbaren Menschenlebens erkennen, ist die beste Hilfe der Dharma, die Religion. Es ist jedoch töricht zu erwarten, dass schon die Teilnahme an einigen Kursen in wenigen Monaten oder Jahren große Veränderungen bringt. Auch eine chronische Krankheit, mit der man sich über Jahre plagt, ist nicht einfach auf die Schnelle zu beseitigen. Das erfordert eine bewusste kontinuierliche Behandlung über längere Zeit. Falsche Erkenntnis, die uns innewohnende Unwissenheit des Geistes, wirkt wie ein Krankheitsherd. Auf Grund dieser Unwissenheit, die über lange Zeit gewissermaßen chronisch in uns wurde, ist das gesamte eigene Bewusstsein fehlerhaft geworden. Wir haben uns schlechte Denkweisen angewöhnt und dadurch eine Art schlechte, ungesunde Veranlagung entwickelt.

Wie wirkt sich diese Unwissenheit aus? Sie hindert uns in erster Linie am Sehen und Erkennen der Realität. Durch die Unwissenheit ist unser Blick getrübt, wir erkennen nicht, was uns auf lange Sicht hilft und dauerhaftes Wohlergehen bringt. Statt dessen hängen wir an Dingen, die uns kurzweilige Annehmlichkeiten verschaffen. Gewiss, sie bringen nette Formen und Farben in unser Leben, aber sie absorbieren unsere ganze Aufmerksamkeit. Unser Interesse kreist darum, Wohlgefälliges zu sehen und zu hören, wir sind an einflussreichen Positionen und materiellen Annehmlichkeiten interessiert. Das sind die Auswirkungen der grundlegenden Unwissenheit und des daraus entstehenden Verlangens.

Wäre es nur ein einziger Mensch, der so dächte und handelte, könnten wir es leicht ertragen. Tatsächlich gibt es aber Milliarden Menschen, die ihr Leben und Streben auf kurzfristige Annehmlichkeiten ausrichten. Das bringt unheilsame Eigennützigkeit und Selbstsucht ins Spiel. Und die wiederum führen zu Konflikten zwischen Menschen, Ländern und schließlich zu Gewalt und Kriegen. Diese Spirale ist unaufhaltsam. Zwischendurch mögen wir viele freundliche Worte in Bücher schreiben, Worte über Altruismus, also anderen zu helfen, über Nächstenliebe und darüber, wie wichtig es ist, Frieden in der Welt zu erreichen. Das mag alles sehr schön klingen, solange es jedoch nur die Bücherregale füllt und nicht unsere Herzen, hat es keinen großen Einfluss. Die Wurzel aller Probleme dieser Welt ist in unserem Geist zu finden, im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen.

Wir gehen nicht gern daran, unser Bewusstsein zu ändern, den eigenen Geist zu wandeln, die Fehler in unserem Geist zu beseitigen. Statt dessen machen wir lieber schöne Worte über Mitgefühl, Altruismus und über den Frieden in der Welt. Sie allein haben keinerlei Wirkung. Oft gehen Menschen auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren, dafür, dass die Menschen sich besser verstehen. Betrachtet man kritisch den eigenen Geist, stellt man oft fest, dass man auch in solchen Momenten nur an sich selbst denkt und seine eigenen Ziele verfolgt.

Tatsächlich gibt es im Dharma hervorragende Mittel, um die grundlegenden Fehler des Geistes zu beseitigen und das eigene Bewusstsein positiv zu verändern. Ich denke, auch das Christentum anerkennt die Bedeutung von Nächstenliebe, Mitgefühl, liebevoller Zuneigung und vor allem Geduld. Da heißt es zum Beispiel, wenn einem einer auf die eine Wange schlägt, solle man ihm auch die andere hinhalten. Das ist eine äußerst segensreiche und gute Anweisung. Allerdings dürfen wir uns fragen, wie viele Menschen es gibt, die diese Form von Mitgefühl in ihrem Alltag wirklich leben, und wenn sie auf die eine Wange geschlagen werden, sogar noch die andere hinhalten.

Es sind wenige Menschen, die so denken und handeln. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Worte aus den alten Büchern wie der Bibel, einen langen Weg bis zu unserem Geist haben, der ganz unter dem Einfluss negativer Faktoren steht. Dies sind die Ursachen dafür, dass wir in unserem Leben immer wieder auf Schwierigkeiten treffen. Wir müssen nicht einmal von zukünftigen Existenzen sprechen oder darüber, wie sich unsere jetzigen Handlungen nach dem Tode auswirken. Es reicht, wenn wir dieses Leben mit seinen täglichen Problemen betrachten. Wir befinden uns in einem ständigen Kreislauf von Problemen, die wir zu lösen haben. Wieso das so ist? Weil falsche Denkweisen in unserem Bewusstsein zu viel Macht haben.

Bei sich selbst anfangen

Wer Frieden erreichen will, dem es wirklich am Herzen liegt, Harmonie unter den Menschen zu stiften, sollte sich zuerst darum bemühen, seinen eigenen Geist zu reinigen. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten, die guten Eigenschaften, die in der Religion erklärt werden, in sich selbst zu wecken und zu pflegen. Dabei ist es entscheidend, den Geist in kleinen Schritten zu schulen. Man beginnt zunächst damit, weniger dramatische Schwierigkeiten anzunehmen. Wenn man darin etwas Übung hat, wird es Schritt für Schritt gelingen, größere Nöte auf sich zu nehmen.

Das gilt besonders für den Umgang mit anderen Menschen. Wie oft kritisieren wir jemanden, setzen ihn vor anderen herab, weil uns sein Auftreten, sein Handeln ärgert oder weil er uns etwas antut, was wir als ungerecht empfinden. Diese Kleinigkeiten sollten wir lernen, geduldig hinzunehmen, ohne sie dem anderen heimzahlen zu wollen. Wir können denken, dass der andere eigentlich auch nur glücklich sein will. Er möchte, genau wie wir selbst, kein Leid erleben. Dies lenkt unseren Geist auf Toleranz und Verständnis für andere Menschen. Gute Beispiele sind in diesen Zeiten die vielen Hilfsaktionen für Notleidende in fernen Ländern; sie beruhen auf der Einsicht, dass die anderen kein Leiden wünschen, sondern Glück, genau wie wir selbst.

Gewöhnliche Handlungen können einen Nutzen haben

Eine starke geistige Kraft hatte eine Frau, die in der Lebensgeschichte des tibetischen Heiligen Milarepa erwähnt wird. Ihre innere Kraft hat Sale-Ö dazu veranlasst, Milarepa immer wieder zu bitten, sie den Dharma zu lehren. Es genügte ihr nicht, sich nur um ihr Vieh zu kümmern, um die Kinder, den Ehegatten und es dabei bewenden zu lassen. Allerdings sah sie auch den Nutzen dieser weltlichen Handlungen. Wird der Wunsch nach eigener Vervollkommnung aus der tiefen Sehnsucht genährt, anderen auf ihrem Weg zur Befreiung zu helfen, sind auch die simpelsten Dinge des Alltags verdienstvoll.

Die altruistische Einstellung, zum Nutzen der anderen die Erleuchtung anzustreben, hat einen echten Gleichmut als Wurzel. Das bedeutet, dass man nicht unterscheidet zwischen Menschen, die einem nahe sind, und solchen, die man nicht mag. Es kommt darauf an, diese ungleiche Betrachtung abzulegen. Sale-Ö erkannte, wenn man diesen Gleichmut nicht hat, betrachtet man das Vieh als eine Art materiellen Besitz, als Reichtum für eigene Zwecke.

Sie gestand Milarepa die Nachteile, die sich aus der Sicht ergeben, sich nur zum eigenen Nutzen um das Vieh zu kümmern. Und sie sprach über die Kehrseiten, die sich daraus ergeben. Zuerst entsteht im eigenen Geist viel Begierde und Verlangen. Wenn man als Nomade mit einer großen Herde von Tieren umherzieht, entwickeln sich Stolz und Überheblichkeit. Sieht man, dass andere noch mehr haben, entstehen Neid, Eifersucht und der Wunsch, den anderen zu übertrumpfen. Am Ende stellt sich vielleicht Streit mit den Feinden ein, weil man seinen großen Besitz schützen muss vor Dieben oder Räubern oder wilden Tieren.

Sale-Ö sagte, wenn sie sich diese Seiten vor Augen halte, verspüre sie keinen Wunsch mehr nach einem solchen Leben. Stattdessen wolle sie sich lieber um den Dharma bemühen. Man könnte sich jetzt fragen, ob sie vielleicht nur die Absicht hatte, sich aus allen Verpflichtungen zu lösen, um es sich gut gehen zu lassen. Vielleicht dachte sieÇ sich nur um wenige Wesen zu kümmern, lohnt den Aufwand nicht. Lieber etwas tun, was gleich allen Wesen in den sechs Daseinsbereichen dient. Bei aller Achtung für diese Haltung darf man jedoch die große Bürde nicht übersehen, die in der Verantwortung für das Wohl sämtlicher Lebewesen steckt. Es erfordert außerordentlich großes Mitgefühl, sich um all die Wesen in den sechs Bereichen zu kümmern -- ohne Parteilichkeit, ohne Voreingenommenheit, allein mit tief verwurzeltem Erleuchtungsgeist (Bodhicitta), wie es im Bodhisattva-Fahrzeug (Mahayana) heißt.

Milarepa gab Sale-Ö den Rat, mit ihren Nachbarn und anderen Menschen friedlich ohne Streitigkeiten und Neid zusammenzuleben. "Ja", antwortete sie, "die meisten Menschen sehen die Fehler der anderen sehr klar, für die eigenen sind sie blind." Damit drückt sie das aus, was ich schon zu Anfang gesagt habe: Wir beklagen uns über andere, treten für eine Verbesserung der Welt ein, aber für unseren eigenen Geist tun wir herzlich wenig. Wir wissen nicht einmal, wie sehr unsere Unwissenheit uns gefangen hält. Dadurch erwachsen Gier, Hass und Verblendung. Fast möchte man sagen, wir können nichts dafür, da die Fehler des Geistes, unsere schlechten Eigenschaften, oft gut getarnt daherkommen und gar nicht so einfach zu erkennen sind.

Wir sehen selten die Fehler bei uns selbst, aber bei anderen sehen wir die Fehler ganz klar. Aus diesem Grunde ist es für die Menschen schwer, in Harmonie miteinander zu leben. Solange die Geistesgifte Gier, Hass, Verblendung usw. in uns aktiv bleiben und wir nicht ernsthaft dagegen vorgehen, ist es schwer, Harmonie mit den Nachbarn und allen anderen zu erreichen. Es gibt Menschen, die selbst bei einem Buddha, der makellos und in jeder Hinsicht vollkommen ist, noch Fehler sehen. Sie sind verblendet und nehmen ihre eigenen Untugenden nicht wahr. Unter diesen Vorzeichen ist es äußerst schwierig, in diesem Leben mit weltlichen Mitteln Harmonie unter den Menschen zu schaffen. Wer seine geistigen Tugenden und Erkenntnisse weiterentwickelt, braucht sich keine Sorgen zu machen, wenn diese Entwicklung im jetzigen Leben noch nicht abgeschlossen sein wird.

Bewusstsein setzt sich endlos fort

Bewusstsein setzt sich endlos fort. So kann man in sich selbst diese Fähigkeiten mit der Zeit weiterentwickeln. Sale-Ö sagt sinngemäß, dass sie noch nicht fähig ist, unter allen anderen Harmonie zu schaffen, weil sie nicht mit allen Menschen gut auskommt. Und dass sie erst in ihrem eigenen Geist genügend Tugenden entwickeln muss, um später effektiv helfen zu können.

Milarepa sprach auch von einem Mönch, der sich 12 Jahre in der Nähe des Buddha aufhielt. Sein tibetischer Name war Legpä Karma. Obwohl er den Buddha ständig begleitete, entdeckte er keinerlei Vorzüge an ihm. Wann immer er Unterweisungen des Buddha hörte, meinte der Mönch, sie seien nichts als Lügen, die der Buddha vorbringt, um Essen oder andere Vorteile zu erhalten. Welche Tragik, den Buddha auf Grund eigener Verblendungen und schlechten Karmas nicht zu erkennen!

Sale-Ö sagte dazu: "Wenn ich dies höre, stimmt es mich traurig. Ich sehe keinen Sinn mehr darin, mich mit weltlichen Angelegenheiten zu beschäftigen. Stattdessen wähle ich den Dharma. Ich will mich darum bemühen, die Natur des Geistes zu erkennen. Buddha sagt, dass man die Dinge weggeben sollte, an denen man sehr hängt." In der Tat ist Reichtum wie ein Trugbild, eine Illusion. Schmuck, der von außen sehr schön und kostbar aussieht, hat keine wirkliche Essenz, keine Substanz, die echtes Glück hervorbringen kann.

Zuflucht macht uns stark

Die Zufluchtnahme ist die Eingangspforte zum Buddha-Dharma. Wir entscheiden uns klar, den Anweisungen und Lehren des Buddha zu folgen, um die Freiheit vom Leiden zu erreichen. Wir vertrauen darauf, dass diese Entscheidung zu dauerhafter Glückseligkeit führt. Diese Klarheit des Denkens hilft uns, die Lehren des unübertroffenen Lehrers als das Beste anzuerkennen, was das Leben für uns bereithält. Das stärkt uns, das Ziel der Befreiung wirklich zu erreichen.

Einer solchen Lehre kann man nicht im Alleingang folgen. Vorbilder sind wichtig; sie unterstützen uns. Deshalb sollten wir die Gemeinschaft derjenigen suchen, die den Pfad des Buddha einwandfrei ausüben. Ihre Anwesenheit ist für uns sehr kostbar. Das sollten wir schon früh erkennen. Sale-Ö wollte sich nicht mehr in der weltlichen Gesellschaft aufhalten, stattdessen suchte sie die geistige Gemeinschaft.

Die eigentliche Zuflucht, die mit einer Art Zeremonie verbunden ist, besteht darin, dass wir diese Gedanken - Zuflucht zu Buddha, zur Lehre und der geistigen Gemeinschaft - in uns entwickeln. Wir gehen zu unserem Lehrer und legen vor ihm das "Gelübde der Zuflucht" ab. Damit fällen wir die Entscheidung, uns ganz auf Buddha, seine Lehre und die geistige Gemeinschaft zu verlassen, um die Befreiung zu erreichen. Wenn wir das tun und diese Zeremonie durchführen, entsteht eine besondere geistige Verbindung zu den Drei Juwelen. Dieses Potenzial, das im eigenen Geist entsteht, nennt man Zufluchtsgelübde.

Nach der Zufluchtnahme ist es wichtig, die verschiedenen Anweisungen, die damit verbunden sind, einzuhalten. Wir bemühen uns um ethisches Verhalten und vermeiden nach besten Kräften die zehn untugendhaften Handlungen.

Milarepa sagte zu Sale-Ö: "Du bist jemand, der ein sehr großes Ziel vor Augen hat, der den Willen hat, die vollkommene Buddhaschaft zu erreichen; damit bist Du in den Pfad des Großen Fahrzeugs eingetreten. Wenn jemand ein so hohes Ziel vor Augen hat, darf er sich nicht durch angenehme oder unangenehme Situationen aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Man muss eine Entschlossenheit haben, sämtliche Situationen des Lebens ertragen, erdulden, annehmen zu wollen, egal wie schwer sie sind."

Diese Anweisung scheint uns auf den ersten Blick nicht so tiefgründig zu sein; näher betrachtet erkennen wir sie vielleicht als sehr bedeutsam an. Wenn wir den Dharma ausüben wollen, taucht durchaus die Gefahr auf, Gelesenes oder Gehörtes als uns schon bekannt abzutun. Wenn wir dann in Situationen kommen, die neu für uns sind oder besonders angenehm, die uns für kurze Zeit Vergnügen bereiten, könnten wir den Dharma als etwas uns schon Bekanntes schnell vergessen. Dann sitzen wir in der Falle. Lassen wir uns auf diese Weise durch kurzzeitige Annehmlichkeiten vom Dharma wegtragen, legen ihn sogar beiseite, bedeutet das, dass wir "die angenehmen Bedingungen nicht ertragen konnten". In unserer Verblendung denken wir vielleicht, dass wir durchaus die Kontrolle über sie haben. Doch es ist genau umgekehrt. Wir sind ganz unter ihren Einfluss geraten. Das ist die Falle.

Auf der anderen Seite sollten wir uns auch nicht in unangenehme Situationen verstricken. Die innere Festigkeit darf besonders in schwierigen Momenten nicht verlorengehen. Es gilt, sie zu ertragen, das heißt, geduldig anzunehmen, was peinlich, dramatisch oder gefährlich ist, ganz gleich, wie es ist. Geduld entsteht durch Vertrauen in das Gesetz der eigenen Handlung und ihrer Resultate. Wer überzeugt davon ist, dass das, was er erlebt, die Resultate seiner vergangenen Handlungen sind, hat keinen Grund, sich zu beklagen. Wir könnten denken: "Probleme sind nur die natürlichen Resultate meiner eigenen Handlungen in der Vergangenheit. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Schwierigkeiten auf mich zu nehmen und damit fertig zu werden."

Wenn man das Wesen des Begriffes Karma versteht, wird das sehr helfen, in schwierigen Situationen nicht seinen inneren Halt zu verlieren. Im Bodhicaryavatara des indischen Meisters Shantideva heißt es sinngemäß: Wenn man an einer Situation nichts ändern kann, warum sollte man sich dann Sorgen machen? Wenn man sie aber ändern kann, gibt es ebenfalls keinen Grund, verzweifelt zu sein.

Sorgen nützen nichts. Allein zu denken: "Gut, es ist so, ich kann im Moment an meinem Leiden nichts ändern", hilft, das geistige oder körperliche Leid zu ertragen. Wir erschöpfen uns dann nicht in negativen Gedanken, die unsere Lage nur noch verschlimmern. Meistens ist unser Denken nur auf uns selbst bezogen. Wenn wir leiden, erscheint es uns, als wären wir die einzigen leidenden Wesen auf der ganzen Welt. Das ist ganz und gar falsch. Ein einziger Blick ins Fernsehen zeigt uns, wie viele Menschen auf der Welt Not und Qualen zu ertragen haben. Wenn wir positive Denkweisen wie das Ertragen immer wieder anwenden und für schwierige Zeiten sozusagen in uns programmieren, werden wir viel besser klar kommen. Wir bleiben im Gleichgewicht und denken gar nicht erst, dass alles so unerträglich ist und wir nicht länger leben wollen.

Es gibt immer einen Ausweg

Lassen wir die Menschen einmal beiseite und schauen auf die Tiere, seien es Schafe oder Schweine, die wir vielleicht für dumm halten. Sie würden niemals freiwillig in einen Abgrund springen. Alle Kraft werden sie aufbieten, um nicht sterben zu müssen. Würde man sie mit Gewalt hinunterwerfen, hätten sie sicher keine Chance. Aber von sich aus tun sie alles, um ihr Leben so lange wie möglich zu erhalten.

Wir haben in vielerlei Hinsicht bessere Lebensvoraussetzungen. Das menschliche Leben ist etwas Besonderes. Unser Verstand ist weitreichend, wir können Vernunft aufbringen und hoch gesteckte Ziele erreichen. Ein Wesen mit solchen Möglichkeiten sollte nicht an Sinn und Wert des Lebens zweifeln. Sein Leben leichtfertig wegzuwerfen ist das Schlimmste, was ein Mensch sich antun kann. Selbst den bloßen Gedanken daran sollte er verbannen. Aus jeder noch so verfahrenen Situation gibt es einen Ausweg; das muss erkannt werden. Haben wir es erkannt, können wir unserem Leben einen neuen, heilsamen Verlauf geben. Im positiven Tun lösen sich Lebensangst und Verzweiflung auf.


Aus dem Tibetischen übersetzt von Christof Spitz

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