Dalai Lama

Artikel zum Thema Dalai Lama aus der Zeitschrift "Tibet und Buddhismus".

Tantrische Ritualgegenstände und ihre Bedeutung

Vajra und Glocke

Weisheit und Methode bilden die Grundpfeiler in allen buddhistischen Übungswegen. Der oder auch das Vajra, auf Tibetisch Dordsche, symbolisiert die Seite der Methode, also das Große Mitgefühl oder die Große Glückseligkeit. In den tantrischen Lehren wird Mitgefühl als Glückseligkeit bezeichnet. Die Weisheit wird durch den hohlen Klangkörper der Glocke symbolisiert. Man sagt, dass sie den natürlichen Ton der Leerheit widerhallen lässt. Vajra und Glocke sind Symbole für Methode und Weisheit.

Der Vajra am Griff der Glocke hat fünf Spitzen, vier in den vier Richtungen und eine in der Mitte. Diese stehen für die fünf Weisheiten, die zu "einem Geschmack" mit der Leerheit geworden sind. Der Vajra an der Glocke steht für den Vajra-Geist. Die Glocke symbolisiert Vajra-Körper, Vajra-Rede und Vajra-Geist. In der Mitte der Glocke befindet sich das Antlitz einer Gottheit; dieses ist der Vajra-Körper. Der Hohlraum der Glocke repräsentiert die Vajra-Rede. Die Glocke wird als heilig betrachtet, weil Körper, Rede und Geist des Buddha in ihr gegenwärtig sind.

Damaru

Der Damaru, zu Deutsch Hand- oder Ritual-Trommel, ist ein Ritualgegenstand, durch dessen Klang eine Dakini herbeigerufen wird bzw. durch den man sich ihr "annähert". Dakini heißt "Himmelsgeherin". Es gibt verschiedene Arten von Dakinis, weltliche und überweltliche. Sie können also voll erleuchtete Buddhas sein. Die Dakinis helfen den Übenden, Fortschritte auf dem Pfad zu machen. Der Damaru ist ein Mittel, um die Dakinis herbeizurufen und sie für sich zu interessieren. Auch besteht eine Beziehung zur inneren Hitze (gtum mo), dem Entfachen des inneren Feuers [im Cakra in Höhe des Bauchnabels], wie es im Höchsten Yoga- Tantra erklärt wird.

Kapala mit Innerem Opfer

Das Kapala war ursprünglich eine rituelle [Ton]-Schale, die heute hauptsächlich als Knochenschädel-Schale bekannt und häufig aus Metall oder Silber nachgebildet ist. Sie ist gefüllt mit dem sog. Inneren Opfer, einer geheimen Opfersubstanz, und wird nur im Höchsten Yoga-Tantra verwendet. Außen ist die Schale weiß und innen rot. Weiß steht für den Illusionskörper und Rot für Klares Licht; beide zusammen symbolisieren die Erleuchtung. Um den Inhalt, das Innere Opfer zu segnen, bedarf es verschiedener Substanzen [in der Regel Teesud und/oder Alkohol und spezielle, vom Lama gesegnete Kräuterpillen]. Die Übenden stellen sich zuerst bestimmte unreine Substanzen vor, die eine schlechte Energie, eine unschöne Farbe usw. haben, und wandeln diese durch Meditation und Rezitation der Keimsilben Om Ah Hum in etwas Reines um, das eine große und gute Kraft hat. Die Schale mit ihrem Inhalt steht auf einem Ständer, der aus einem übereinander gestapelten, dreieckigen Windmandala (unten), einem Feuermandala (darüber) und einem Erdmandala (quadratisch in der Mitte) besteht. Dieser Ständer repräsentiert die Wahrheit oder Wirklichkeit. Auf dem Kapala befindet sich ein Deckel mit Vajragriff, der die Natur der fünf Arten ursprünglicher Weisheit darstellt. Sinn und Zweck des Inneren Opfers ist ähnlich dem des geweihten Wassers einer Ritualvase (siehe unten); vor allem geht es um die Beseitigung von Hindernissen. Da im Mantra rituelle Handlungen ausgeführt werden sollen, müssen zuvor etwaige Hindernisse beseitigt werden. Zu diesem Zweck wird Inneres Opfer versprengt.

Die Mala, zu Deutsch Rosenkranz oder Gebetskette, hat folgende Bedeutung: Allgemein üben wir uns im Buddhismus in der heilsamen Rede. Wenn man z.B. den Namen einer Gottheit rezitiert wie z.B. das Mani von Avalokiteshvara, also om mani padme hum, ist der Nutzen um so größer, je mehr Mantras man spricht. Die Mala ist dazu da, eine bestimmte Zahl von Mantras zu zählen. Sie ist also eine Zählhilfe, indem man für jedes Mantra eine Kugel der Mala durch die Finger gleiten lässt.

Ritualvasen

Bei der Ritualvase ist es ähnlich wie bei dem Kapala. Man gibt sauberes Wasser und eine Vasensubstanz in die Ritualvase. Dann wird das Wasser durch Meditation und Mantras gesegnet. Diese rituelle Handlung der Beseitigung von Hindernissen wird mit dem Wasser aus einer sog. Handlungsvase durchgeführt. Dieser Name rührt daher, dass es sich um eine Vase handelt, in die Wasser zur rituellen Handlung der Beseitigung von Hindernissen gefüllt wird. Es gibt noch eine andere Ritualvase, ohne Ausgussröhrchen, die sog. Siegesvase. Darin meditiert man ein Mandala zusammen mit der Gottheit. Man füllt Wasser in die Vase und bringt kraft der Vorstellung dieses Wasser als Gottheit hervor. Die Siegesvase wird so zum Palast dieser Gottheit. Beide Ritualvasen werden mit einem hübschen Gewand eingekleidet. Manchmal wird auch Fransenband aus Fäden verwendet. In die Öffnung der Vase wird meistens eine Gebinde aus Pfauenfeder und Kusha-Gras gestellt. Von der Pfauenfeder sagt man, dass sie die Kraft hat, Gift zu beseitigen. Auch das Kusha-Gras ist zur Beseitigung von Befleckungen und Unreinheiten da.

Attribute Zornvoller Gottheiten

Im Geheimen Mantra gibt es viele Gottheiten von blauer Körperfarbe. Diese symbolisiert, dass die Gottheit in dem "einen Geschmack" der Methode des Großen Mitgefühls und der Weisheit der Leerheit verweilt oder, mit anderen Worten, untrennbar von Glückseligkeit und Leerheit ist. Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass die Leerheit von blauer Farbe ist, aber der Himmel bzw. Raum ist blau, und die blaue Farbe symbolisiert die Leerheit. Im Mahakala-Ritual heißt es, dass der Dharmakaya unveränderlich stets in meditativem Gleichgewicht - also in tiefer Konzentration - in der Leerheit verweilt und von tiefblauer Körperfarbe ist. Die Gottheiten halten überdies Gegenstände in ihren Händen, z.B. ein Schwert, einen Ritualdolch oder ein Sichelmesser mit Vajragriff. Diese Waffen sind dazu da, die Leidenschaften "abzuschneiden" oder "aufzuspießen". Es wird z.B. gesagt, dass man den Feind - das Greifen nach einem [inhärenten] Selbst - "töten" soll. Wenn hier das Wort Töten gebraucht wird, so ist damit gemeint, dass man dem Fortbestand dieses Greifens nach einem Selbst ein Ende bereitet. All die verschiedenen Waffen symbolisieren ein und dasselbe Gegenmittel: die Weisheit, die die Leerheit erkennt.

Drei Keimsilben

Die drei Keimsilben sind der Vajra-Körper OM, die Vajra- Rede AH und der Vajra-Geist HUM. Sie stehen für Körper, Rede und Geist des Buddha. Alle Yidam-Gottheiten bzw. Meditations-Gottheiten sind Buddhas und werden somit durch diese drei Keimsilben repräsentiert.

Zornvolle Gottheiten

Zornvolle Meditationsgottheiten wie Mahakala tragen Kopfschmuck aus Totenschädeln, einen Schurz aus Tigerfell oder eine Halskette aus Menschenköpfen usw. Diese Attribute symbolisieren die Nachteile des Daseinskreislaufs wie die Vergänglichkeit usw. Sie sollen den Meditierenden daran erinnern, dass, egal wie oft die Lebewesen im Daseinskreislauf Geburt annehmen mögen, am Ende jeden Lebens nichts als der Tod auf sie wartet. Somit sind die Attribute eine Ermahnung oder ein Ansporn dafür, Mitgefühl und den Wunsch nach Befreiung von Geburt, Alter, Krankheit und Tod zu entwickeln.

Männliche Und Weibliche Gottheit In Vereinigung

In vielen Anuttarayogatantras werden männliche Gottheit (yab - wörtlich "Vater") und weibliche Gottheit (yum - wörtlich "Mutter") in Vereinigung dargestellt. Dies symbolisiert den mitfühlenden Geist, der untrennbar von der Leerheit ist. Der Geist tritt in den "einen Geschmack" mit der Leerheit ein bzw. verschmilzt mit ihr, ohne das Große Mitgefühl aufzugeben. Man kann auch sagen, dass die Vereinigung von Yab und Yum die Einheit von Geistiger Ruhe und Besonderer Einsicht oder die Einheit von Methode und Weisheit symbolisiert. Methode und Weisheit sind untrennbar.

Opfergaben

Eine der Opfergaben-Substanzen, die man auf dem Altar aufstellt, ist Wasser (argha, padhya). Ein Ozean von Wasser symbolisiert die Tugend des Hörens bzw. Lernens innerhalb der Dreiheit von Hören, Nachdenken und Meditieren. Des Weiteren gibt es die sogenannten fünf Genussobjekte; in einem Gebetstext heißt es dazu, dass die Tugenden durch Blumen (puspa) symbolisiert werden, eine reine ethische Disziplin durch Wolken von Räucherwerk (dhupa), Weisheit durch Lampen (pradipa, mitunter auch aloka: Licht) Vertrauen durch einen See von Duftwasser (gandha) und Konzentration durch den Nektar von Opferkuchen (naivedya). Letztere stehen also sozusagen für die Nahrung der Konzentration, was bedeutet, dass man keine grobe Nahrung benötigt, sondern sich von der Konzentration ernährt. Darüber hinaus gibt es das Musizieren wohl klingender Lobpreisungen (shabda, Klänge). Die insgesamt sieben Opfergaben werden vorwiegend im Vollkommenheitsfahrzeug erklärt. Man verbindet mit dem Heilsamen, das man durch ihre Darbringung im eigenen Geist ansammelt, verschiedene Wunsch- oder Zielsetzungsgebete.

Mandala als Opfergabe

Eine weit verbreitete "Opfergaben-Substanz" ist das Mandala. Wenn wir den Mahayana-Dharma praktizieren, wollen wir Körper, Rede und Geist von uns selbst in Körper, Rede und Geist eines Buddha umwandeln und den Zustand eines Buddha erreichen. Dafür ist es nötig, dass wir nicht nur innerlich einen Wandel von Körper, Rede und Geist durchlaufen, sondern auch äußerlich. Es gilt, die derzeit unreine Umgebung in eine reine Umgebung umzuwandeln. Ein Reines Land muss hervorgebracht werden. Das Mandala versammelt in sich die Ursachen für die Hervorbringung eines solchen Reinen Landes. Wir stellen uns den Berg Meru, die vier Kontinente, Sonne, Mond usw. mit vielen Juwelen und kostbaren Substanzen vor und bringen diese immer wieder dem Zufluchtsobjekt dar. Diese Praxis bezeichnet man als die "Reinigung der äußeren Umgebung", und wir sammeln dadurch Heilsames an. So wird es zumindest in den buddhistischen Schriften erklärt. Darin wird der Sachverhalt nicht so exakt untersucht, wie wir es heute aus der Wissenschaft gewöhnt sind. Es geht mehr darum, die Tugendwurzeln für die Beweglichkeit des Geistes anzusammeln, den Geist zu trainieren. Man stellt sich das Mandala so schön vor, wie man nur irgend kann.

 

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