BUCHBESPRECHUNGEN

Zwei empfehlenswerte Bücher zur Tara-Praxis

Diese beiden Bändchen sind wahre Juwelen für alle, die Tara in ihrer wundervollen Buddhaform verehren. Und welcher Buddhist tibetischer Prägung könnte hier widerstehen? Lobpreisungen und Bittgebete berühren uns im tiefsten Inneren, erwecken unsere Buddhanatur und richten uns aus auf all die heilsamen Qualitäten und Aktivitäten, für die Tara steht. Beide Wurzeltexte können, falls gewünscht, als kurze tägliche Praxis ihre eigene Wirkung entfalten. Dabei betonen die hundertacht Namen vor allem den umfassenden Aspekt Taras, während die Bitten sich hier an den tiefgründigen Aspekt wenden. Somit verbinden sich die Arbeiten, wenn auch unabhängig voneinander von verschiedenen Stiftungen herausgegeben, indirekt zu einer Einheit.
Lodrö Rinpoche, ein Meister, der in der Schweiz lebt und u.a. besonders für seine Verbindung zu Tara bekannt ist, bezieht sich in seinem sehr lebendigen Kommentar auf einen Text von Pänchen Tenpä Nima, der seiner privaten Tara-Textsammlung entstammt. Nach einer festlich-poetischen Einleitung, die uns geistig in die Reinen Buddhabereiche entführt, zählt Avalokiteshvara die 108 Namen der Tara auf und preist die Vorteile ihrer Rezitation. Lodrö Rinpoche erzählt zu jedem der Namen, in tibetischer Umschrift aufgeschlüsselt, etwas über die Bedeutung, zuweilen verbunden mit Geschichten und Einblicken in verschiedene Erscheinungsformen Taras. Nach Beantwortung einiger Fragen gibt er uns noch ausführliche Erklärungen zur üblichen Ikonographie der Grünen Tara. Somit sind wir bestens gerüstet, um die 108 Namen sinnerfüllt rezitieren zu können. Und wer das in besonders ansprechender Weise tun möchte, für den hat Claudia Webinger eine Nachdichtung verfasst, die Lodrö Rinpoches Erklärungen sowie Martin Willsons Übersetzung des Sanskrit-Textes mit einbezieht. So wird aus “in der Luft kreisend” z.B. “fliegende Göttin”. Wir spüren, dass Tara in sich tatsächlich alle Funktionen vereinigt, sie ist, wie Lodrö Rinpoche sagt, zugleich Beschützerin, Lehrerin und Yidam.

Die Sieben Bitten an Tara wurden von Drigung Jigten Sumgön im Jahr 1174 spontan verfasst, als ihm am Ende einer zutiefst lebensverändernden Mahamudra-Zurückziehung eine Vision von sieben Taras zuteilwurde. Die Sieben Bitten umkreisen aus verschiedenen Perspektiven vor allem die Sorge, die Natur des Geistes nicht direkt erkennen zu können. Sie sprechen die damit verbundenen Tücken, Hindernisse und Konsequenzen an. Tara wird gebeten, uns selbst und alle Lebewesen vor den verschiedenen Formen mangelnden Gewahrseins zu beschützen. Bei der Rezitation sollte uns bewusst sein, dass “beschütze mich/uns/sie” im Original nicht unterschieden ist. Somit sollten wir Strophe für Strophe immer unsere eigene Situation genauso miteinbeziehen wie die aller anderen Lebewesen. Unser eigener Wunsch nach Befreiung verbindet sich dann untrennbar mit unserer natürlichen Fähigkeit zu Mitgefühl. Der Wurzeltext selbst ist leicht verständlich und äußerst inspirierend für jeden, der sich zur letztendlichen Sichtweise des Mahamudra hingezogen fühlt. Der vorliegende Kommentar von Könchog Norzang (geb. 1865) ist der einzige, der noch aus dem alten Tibet bekannt ist. Er ergänzt knapp und präzise weiterführende Quellen und Philosophien und ist deshalb vor allem als hervorragende Grundlage für die Unterweisungen heutiger Linienhalter geeignet. Hoffentlich wird diese Veröffentlichung zu vielen Kursen Anlass geben. Zur Freude aller Tibetischschüler sind die Originaltexte vollständig beigefügt.

Cornelia Weishaar-Günter

 

Die hundertacht Namen der verehrungswürdigen edlen Tara

Lodrö Tulku Rinpoche

Bhiksu Mati Stiftung, Churwalden Schweiz 2016, 106 Seiten, 23,00 CHF

 

Tara-Weisheit, Ein Strauß blauer Lotosblumen

Könchog Norzang, der Kyobpa Jigten Sumgöns Sieben Bitten an die Edle Befreierin erhellt.

Edition Garchen Stiftung, München 2017, 85 Seiten, 16,90 €

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