BUCHBESPRECHUNGEN

Hans-Günter Wagner/ Sutrengeschichten

Die insgesamt 105 Textstellen entsprechen in ihrem Erziehungswert unseren Märchen. Stets siegt das Gute über das Böse und viele Motive kommen uns bekannt vor: Etwa geschieht es mehrfach, dass jemand von einem Fisch verschlungen wird und überlebt; Tiere können sprechen und Heilige sein.
Die gesammelten und frei wiedergegebenen Geschichten und Legenden sind ein wichtiger Bestandteil der buddhistisch-kulturellen Überlieferung Chinas, auch wenn viele von ihnen bereits in früheren Versionen in Indien bekannt waren. Die jeweiligen Quellen werden am Ende des Buches nur auf Chinesisch aufgelistet, was ein wenig schade ist, da für den Nicht-Sinologen unklar bleibt, wie alt das angegebene Werk ist, ob es sich um eine Übersetzung handelt oder ob es auf ursprünglich chinesischem Kulturgut beruht.
Der Buddha und seine Jünger erscheinen häufig als Wesen mit übernatürlichen Kräften, deren bloßer Anblick jemanden zum Umdenken bringen kann. Speziell buddhistisch ist die Einbeziehung vergangener und zukünftiger Existenzen, wobei mit wenigen Ausnahmen die Motivation nicht über die himmlischen Bereiche hinausreicht. Zum philosophischen Hintergrund schreibt Wagner in seinem textkritischen Nachwort, das insgesamt 13 Seiten umfasst: “Das zugrunde liegende Kausalitäts-Modell begreift die Existenz als Zusammenspiel von Herausforderung und menschlicher Reaktion darauf, als erlebte und zugleich geschaffene Realität.” (S. 237)
Für den Leser liegt der Wert hier nicht in der intellektuellen Auseinandersetzung mit der buddhistischen Lehre, sondern in der Atmosphäre grundlegender menschlicher Werte wie Barmherzigkeit, die etwas tief in unserem Herzen ansprechen können. Fachbegriffe fehlen fast ganz, sodass die oft sehr phantasievollen und sprachlich schönen Geschichten auch gut zum Vorlesen für Kinder geeignet sind.

Cornelia Weishaar-Günter

Sutrengeschichten

aus dem Chinesischen von Hans-Günter Wagner

Reichert Verlag, Wiesbaden 2016, 259 S., 24,90 €

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