BUCHBESPRECHUNGEN

Dzongsar Khyentse Rinpoche/ Buddha-Natur

 

"Ihr seid alle Buddhas" - das, so erklärte Dzongsar Khyentse Rinpoche im Jahre 1999 in einer Belehrung in Kassel, sei alles, was Buddha Shakyamuni sagen wollte. "Aber," so fuhr Rinpoche fort, "Buddha erkannte, dass dies niemand verstehen würde. Und da unsere Unwissenheit ihm quasi eine Pistole an den Kopf hielt, musste Buddha daher sagen, 'Okay, eigentlich seid Ihr alle Buddhas, aber dieses Euch allen innewohnende, wahre Wesen ist verschleiert.' So musste Buddha den ganzen komplizierten Pfad lehren, damit wir eben genau dieses wahre Wesen erkennen."

In diesem uns vorliegendem Buch, das so schön ins Deutsche übersetzt wurde, erklärt Rinpoche genau jenen Sachverhalt. Wir sind von Natur her alle Buddhas, dies gilt es zu erkennen. Dafür müssen wir nach und nach all die verschleiernden Schichten abtragen. Und das ist möglich. Für Jeden von uns - immer und überall, denn die Natur unseres Geistes ist unzerstörbar und immer da. Diese Unzerstörbarkeit wird in diesem Werk anhand von sieben Vajrapunkten erklärt - Buddha, Dharma, Sangha, Element, Erleuchtung, Eigenschaften und Handlung - so wie es Asanga in seinem grossen Klassiker Uttaratantrashastra, dem Grundlagenwerk in Bezug auf die Buddhanatur, erklärt. Asanga erhielt diese Belehrungen im 4.Jh. dank günstiger Umstände im Raum-Zeit-Kontinuum direkt und höchstpersönlich vom zukünftigen Buddha Maitreya. Rinpoche erklärt dieses Werk in seiner brillanten, humorvollen und tiefgründigen Art und Weise, in dem er sich auf den leider bei uns nicht sehr bekannten Kommentar eines der größten Gelehrten der Nyingma-Tradition, Ju Mipham Rinpoche (1846-1912), stützt. Auch wenn die 404 Wurzelverse nun vom Sanskrit übers Tibetische ins Deutsche übertragen wurden, ist die Schönheit und Poesie der indischen Weisheit und "Mythologie" sehr fühl- und erlebbar geblieben.

Besonders inspirierend finde ich Dzongsar Khyentse Rinpoches Erklärungen über die oft zitierten neun Beispiele des vierten Vajrapunktes, die unser wahres Wesen (die Buddhanatur) im Verhältnis zu unseren Verschleierungen veranschaulichen, und eben diese unzerstörbaren Qualitäten unseres wahren Wesens bejahen. Rinpoche sagte einmal auf einem Sandparkplatz in Südfrankreich, an einem alten, verbeulten Peugeot lehnend, dass Chandrakirti in seinem Kommentar "Einführung in den mittleren Weg" immer "Nein! Nein! Nein!" sagt - "Nein!" zur inhärenten Existenz aller Phänomene, wohingegen Maitreya in seiner Uttaratantrashastra immer "Ja! Ja! Ja!" sagt - "Ja" zur Buddha Natur. So möchte auch ich in die zukünftigen Fußstapfen treten und "Ja" sagen - "Ja" zu diesem wunderbaren und zeitlosem Werk.

Arne Schelling

 

Buddha-Natur

Mahayana-Uttaratantra-Shastra von Arya Maitreya mit einem Kommentar von Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche

Manjughosha Edition, 2015, 362 S., 37,90€

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