BUCHBESPRECHUNGEN

»Den Geist von Gift befreien« Cornelia Weishaar-Günter

In der sehr ansprechenden Edition Tibethaus in Frankfurt ist ein zweisprachiges Grundlagenwerk erschienen: Den Geist von Gift befreien. Das Buch ist einerseits in Tibetisch, anderseits in der deutschen Übersetzung geschrieben und wunderbar von der Übersetzerin Dr. Cornelia WeishaarGünter eingeführt. Allein die ersten fünfzehn Seiten der Einführung in das Lojong-Training sind den bescheidenen Preis des Buches wert. Neben einem Vorwort und der Einführung enthält das Buch vier Quellentexte und einen kurzen Kommentar.
Das Geisttraining (tibetisch: Lojong) entstand aus dem Mahayana-Buddhismus und richtet sich bewusst an Menschen, welche in den gewöhnlichen Alltag eingebunden sind- ja, es soll sogar ein Vorteil sein, da hier die Geistesgifte ununterbrochen angeregt werden. Beim Lesen erfüllt das Buch die Funktion eines Spiegels, der einem die verborgene Wurzel der Selbstsucht in vielfältigen Varianten vor Augen führt. Es braucht schon Mut, sich in dieser direkten und unverblümten Weise zu betrachten!
Die vier Quellentexte wurden direkt aus dem klassischen Tibetisch direkt in die deutsche Sprache übersetzt. Während die Texte bisher erst in der englischen Ausgabe von Geshe Tupten Jinpa im „Mind Training“ erhältlich waren, ist es ein umso größeres Geschenk, dass nun diese vorzüglich übersetzt erhältlich sind. In enger Zusammenarbeit mit S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche wird in der Übersetzung auf textliche Unstimmigkeiten, Mehrdeutigkeiten oder alternative Erläuterungen aufmerksam gemacht.
Lojong ist ein in sich vollständiger Weg zum Erlangen der Buddhaschaft. Die radikal formulierten Gedanken lassen sich häufig nur durch weitere Erläuterungen und eine jahrelange Auseinandersetzung in ihrer ganzen Tiefe in der eigenen Lebenseinstellung umsetzen. „Im Lojong wird nichts unterdrückt. Trotz der scharfen Worte, die sich gegen die Ichbezogenheit richten, ist es ein heiteres Thema, da ich zu verstehen lerne, was sich wirklich abspielt.“ (Dagyab Rinpoche). Der längste Text „Der Pfau überwindet Gifte“ stammt von Dharmarakshita und ist besonders auch für Yamantaka-Praktizierende eine wahre Fundgrube an Anregungen, wie man sich selbst vielleicht unbewusst hinters Licht führt. Der Text „Melodische Vajra-Lieder“ von Maitriyogi ist relativ kurz und erzählt von seiner Begegnung mit Maitreya. Die zwei abschließenden Texte sind von Serlingpa und einem dazugehörenden, sehr alten Kommentar (vermutlich aus Atishas Zeit). Alle Texte illustrieren wunderbar die vier Unterweisungen für Personen, die Heilsames üben: „1. wenn wir beschimpft werden, sollten wir nicht zurückschimpfend; 2.wenn jemand auf uns zornig ist, sollten wir nicht mit Zorn reagieren; 3. wenn uns jemand schlägt, sollten wir ihn nicht schlagen; und 4. wenn jemand unsere Fehler zur Schau stellt, sollten wir nicht im Gegenzug nach seinen Fehlern suchen.“
Es ist zu hoffen, dass der schnell vergriffenen Erstauflage von diesem authentischen Quellentext noch viele weitere folgen werden.

John Krebs

 

Den Geist vom Gift befreien

Cornelia Weishaar-Günter

Tibethaus Verlag, Frankfurt 2017, 218 Seiten, 10,90€

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