BUCHBESPRECHUNGEN

»Buddha und Freud - Über buddhistisches und psychoanalytisches Denken« Ralf Zwiebel & Gerald Weischede

Zwiebel und Weischede gehen von der These aus, der Buddhismus zeichne sich durch eine „Kultur der Präsenz“ aus, während die Psychoanalyse eine „Kultur der Reflexion“ pflege. Wie beide „Kulturen“ in einen fruchtbaren Dialog treten könnten, ist das Thema ihres Buches.

Zunächst fassen die Autoren die jeweiligen „Arbeitsmodelle“ zusammen. Für den Buddhismus greifen sie auf die bekannten Vier Edlen Wahrheiten zurück, die sie in Anlehnung an Stephen Batchelor interpretieren. Ihre Darstellung der Psychoanalyse folgt den klassischen Schriften Freuds.

Spannend wird es in Kapitel 5, wenn die Autoren fragen, was Buddhisten und Psychoanalytiker voneinander lernen könnten. Beide Wege gehen vom Leiden aus und wollen das getäuschte Bewusstsein ent-täuschen; dies kann von Seiten des Analytikers nur gelingen, wenn er eine „seine Wünsche vergesse und eine Haltung der Absichtslosigkeit zu entwickeln habe“ (S. 157), einen „Anfänger-Geist“ (S. 162). Der meditierende Buddhist könnte mithilfe der Psychoanalyse eine größere „Frustrationstoleranz gegenüber Langeweile, Gefühlen der Leere, Verzweiflung, unerfüllten Wünschen, negativen Lebensbilanzen und (...) Angstfreiheit gegenüber den regressiven Tendenzen“ (S. 172) entwickeln und eventuell die „Gefahr einer Re-Traumatisierung auf dem Kissen“ (177) erkennen.

Im dritten Teil des Buches finden sich vertiefende Ausführungen zum Verhältnis von Traum, Trauma und Meditation. Abschließend resümieren die Autoren: „Ob der Buddhismus wirklich dort beginnt, wo die Psychoanalyse endet, bleibt nach unseren Ausführungen eine offene Frage (...) Vielleicht könnte man sagen, dass die Psychoanalyse die unterschiedlichen Faktoren der individuellen Persönlichkeitsentwicklung untersucht und fördert, die diese ‘akzeptierende Grundhaltung’ ermöglichen. Der Buddhismus hat eine umfassende Übungspraxis entwickelt, die diese ‘akzeptierende Grundhaltung’ mit einer weitgehend veränderten Lebenspraxis realisiert.“ (S. 269)

Die Arbeit bewegt sich auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau und ist hauptsächlich für akademisch Gebildete zu empfehlen. Da beide Autoren Zen praktizieren, ist ihre Sicht auf den Buddhismus naturgemäß sehr „zennig“.

Thomas Lautwein

 

Buddha und Freud – Über buddhistisches und psychoanalytisches Denken

Ralf Zwiebel/Gerald Weischede

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, 280 Seiten, 30,00 €

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