BUCHBESPRECHUNGEN

»Bewusstsein und Erkenntnis im Tibetischen Buddhismus« Lati Rinpoche & Elisabeth Napper

Für den Einsteiger mag das Thema „Bewusstsein und Erkenntnis“ oder „Lo-Rig“ in tibetischer Sprache einem Minenfeld der Begrifflichkeiten gleichen. In der westlichen Philosophie ist das Phänomen „Geist“ einfach nicht auf dieselbe detailreiche Weise untersucht worden wie das im indischen bzw. tibetischen Denken und meditationsbasierten Erforschen geschehen ist. Geist wird hier u.a. in verschiedene Wahrnehmungsprozesse unterteilt, die einander ablösen noch bevor ein Objekt dem „Objekt-Besitzer“ zu Bewusstsein kommt. Diese Landkarte des Geistes ist über Generationen hinweg in der Meditation erfahren und überprüft worden und ihr theoretisches Studium soll nun dem Adepten die Arbeit erleichtern, indem er schon entdeckte Wege abzugehen lernt. Weiß man erst einmal, was man sucht, findet man es auch leichter.
Das vorliegende Buch behandelt das Thema anhand eines Textes, den auch Mönche an den Klosteruniversitäten der Gelug-Tradition des Tibetischen Buddhismus studieren. Dieser neuzeitliche Text aus der Mitte des letzten Jahrhunderts wird durch einen ausführlichen, ursprünglich mündlichen Kommentar von Lati Rinpoche ergänzt. Elizabeth Napper, Tutorin für religiöse Studien an der Universität von Virginia, verschriftlichte diesen und versuchte außerdem, den Leser durch eine Einführung vorzubereiten. Diese hilfreiche Übersicht über die grundlegende Gliederung der Thematik erleichtert den Einstieg erheblich. Auch das vier-sprachige Glossar, das neben deutschen und tibetischen auch die englischen und die Sanskrit-Termini auflistet, ist ein nützliches Werkzeug bei der Arbeit mit dem Buch. Selbige bleibt dem Leser allerdings nicht erspart. Er muss durchaus bereit sein, sich über einen längeren Zeitraum vor allem mit den Begrifflichkeiten vertraut zu machen. Häufig bleibt dabei auch das Vorwärts- und Rückwärtsblättern nicht aus. Hier weist der Index in seltenen Fällen Schwächen auf. Zentrale Begriffe wie das „Erscheinungsobjekt“ findet man zwar im Glossar, jedoch nicht im Index. So muss man sich für die Erklärung manchmal ein wenig gedulden. Letzlich ist die Information im Werk enthalten, will aber erarbeitet sein. Die „Liste der Definitionen“, die erst der deutschen Übersetzung hinzugefügt wurde, ist dabei eine äußerst sinnvolle Ergänzung. Sie listet die dem Text entnommenen originalen Definitionen und hätte umfangreicher ausfallen dürfen. Erleichtert wird das Verständnis durch die gut gewählten und stabil verwendeten Übersetzungen für die jeweiligen Originalbegriffe die gut gewählten und stabil verwendeten Originalbegriffe.

Elisabeth Steinbrücknerin

 

Bewusstsein und Erkenntnis im Tibetischen Buddhismus

Lati Rinpoche, Elisabeth Napper

Diamant Verlag, 2011, 180 S., 16,00€ 

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