BUCHBESPRECHUNGEN

The Princeton Dictionary of Buddhism

Im Jahr 2004 hatte Robert Buswell, einer der beiden Bearbeiter des neuen Lexikons, bereits ein ähnliches Nachschlagewerk herausgegeben, die zweibändige Encyclopedia of Buddhism. Auf 981 Seiten hatte er damals den Versuch unternommen, eine als grundlegend angesehene Auswahl von mehr als 400 Stichwörtern durch angesehene Fachwissenschaftler be­­­­­­­ar­­beiten zu lassen; einzelne Artikel, etwa zu „China“, „Dharma“ oder „Women“, konnten dabei mehrere Seiten umfassen. Das Werk war an den einschlägig vorgebildeten Laien gerichtet, sollte aber auch die Fachleute zufriedenstellen. Dass man eine Weltreligion wie den Buddhismus mit einem komplexen Lehrgebäude, einer rund 2500jährigen Geschichte und einer zeitweisen Verbreitung über den größeren Teil Asiens im Rahmen von gut vierhundert Stichwörtern nicht erschöpfend behandeln kann, liegt auf der Hand; dennoch greift man nicht ungern zu jener Enzyklopädie. Sie ist immerhin aktuell, aber relativ oft sucht man dann doch vergeblich nach dem gewünschten Stichwort.
Hier will das neue Lexikon in mindestens einer Hinsicht Abhilfe schaffen. Es wirbt damit, mehr als eine Million Wörter zu enthalten und damit das umfangreichste Lexikon des Buddhismus zu sein, das jemals auf Englisch verfasst worden ist. Die Zahl der Stichwörter ist auf über 5.000 angestiegen, und der Gesamtumfang hat sich im Verhältnis zu der Enzyklopädie ungefähr verdoppelt. Dabei sind allerdings zwei grundlegende Unterschiede im Aufbau zu beobachten. Erstens sind die Artikel wesentlich kürzer gehalten. Zweitens verzichtet das neue Lexikon vollständig auf englische Stichwörter. Während man in der Encyclopedia auch unter Begriffen wie beispielsweise „Esoteric Art“, „Kingship“,  „Philosophy“ oder „Women“ nachschlagen kann, sind in das Lexikon nur noch Fachausdrücke aus sechs Literatursprachen des Buddhismus aufgenommen, und zwar aus Sanskrit, Pāli, Tibetisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch; in viel geringerem Umfang werden auch Birmanisch, Lao, Mongolisch, Singhalesisch, Thai und Vietnamesisch berücksichtigt.
Um die Auswahl  mit drei Beispielen zu verdeutlichen: Das erste Stichwort ist „A“, nämlich der erste Buchstabe im Sanskrit-Alphabet, und dazu wird dessen mystische Bedeutung erläutert. Der zweite Eintrag ist „abhabbaṭṭhāna“, ein Pāli-Begriff, der „Unmöglichkeit“ bedeutet und die Liste der neun moralischen Verfehlungen bezeichnet, denen ein Arhat nicht mehr unterliegen kann. Der letzte Eintrag ist „Zuting shiyuan“, und das ist der chinesische Titel eines Werkes aus der Tradition des Chan-Buddhismus.
Auf den über tausend dazwischenliegenden Seiten findet man vor allem Terminologisches, also Fachausdrücke aus der buddhistischen Lehre und Praxis, sowie Verfassernamen und Werktitel. Wichtige Ortsnamen und die diversen Schulrichtungen des Buddhismus sind ebenfalls berücksichtigt. Eine Zeittafel, einige Karten und eine lange Liste der im Buddhismus so überaus populären Begriffsgruppen (vom einen Fahrzeug bis zu den einhundert Dharmas der Yogācāra-Schule) runden das Lexikon ab. Die Seiten 1103 bis 1265 enthalten schließlich Verweise von Begriffen in den sechs hauptsächlich berücksichtigten Sprachen Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Pāli, Sanskrit und Tibetisch auf Originalschreibungen und auf Sanskrit-Vorlagen.
All dies macht deutlich, dass bei der Leserschaft wohl eher an ein Fachpublikum als an den buddhistischen Laien gedacht ist, obschon der Klappentext das Werk als grundlegendes Hilfsmittel „for every student, scholar, or practitioner of Buddhism“ anpreist. Letzterer allerdings wird die Lektüre der einzelnen Einträge manchmal doch als beschwerlich empfinden, wenn er sieht, dass ein Stichwort gewöhnlich unter Verwendung weiterer Fachausdrücke erklärt wird – die allerdings ihrerseits dann auch wieder erklärt werden, das muss man fairerweise hinzufügen.
Ist die Auswahl der Stichwörter als glücklich anzusehen? Es ist unmöglich, diese Frage eindeutig zu beantworten. Vollständigkeit kann hier nicht gelingen, und daher wird es keine Auswahl geben, die alle Benutzer in gleicher Weise zufrieden stellt. Auf jeden Fall findet man viel mehr als in allen Vorgängerwerken. Die Begründung für den relativ hohen Anteil an koreanischen Begriffen liegt wahrscheinlich in einem der beiden Herausgeber: Robert Buswell ist der weltweit führende Experte für die Erforschung des koreanischen Buddhismus.
Wer vor allem an der buddhistischen Praxis interessiert ist und sich dabei hauptsächlich in der eigenen Tradition bewegt, wird auch ohne dieses Lexikon weiterhin bestens zurechtkommen. Wenn man aber Freude daran hat, sich übergreifend mit der Geschichte und der Literatur des Buddhismus zu beschäftigen, dann kann es eine exzellente Hilfe bei der Klärung von Fachausdrücken leisten. Die Einträge bieten knappe und präzise Erklärungen, die wissenschaftlich auf dem aktuellen Stand sind. Allein das ist schon viel mehr, als man von den meisten vergleichbaren Nachschlagewerken sagen kann.
Fazit: Es ist ein gutes, ein reichhaltiges und ein nützliches Buch. Inzwischen ist es auch als eBook u.a. für den Kindle erhältlich, und damit sollte es möglich sein, schnell und ohne mühsames Blättern den zahlreichen Querverweisen nachzugehen. Ideal wäre jetzt natürlich noch eine Fassung im Internet, auf die man online zugreifen könnte, denn gerade ein Lexikon bietet sich dafür an. Leider sperren sich aber selbst Universitätsverlage immer noch gegen den freien Zugang.

The Princeton Dictionary of Buddhism Herausgegeben von Robert E. Buswell und   Donald S. Lopez. Princeton University Press, Princeton 2014, 1265 S., ca. 45 €

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