Tibet & Buddhismus: Heft 62 - 3/2002 Schwerpunkt-Thema: Arbeit

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

Liebe Leserinnen und Leser,

ich nehme diese Gelegenheit zum Anlass, Sie alle zu bitten, weiterhin die Bedingungen bereitzustellen, um das langfristige Weiterbestehen des Tibetischen Zentrums zu sichern, damit es seine heilsamen Aufgaben für den Einzelnen und für die Gesellschaft fortsetzen kann. Dieses ist in erster Linie abhängig von den buddhistischen Studien und der Praxis sowie von der Arbeit für den Verein. Dabei möchte ich Sie bitten, sich um eine positive, freundliche Geisteshaltung zu bemühen.

Da in diesem Heft das Thema „Arbeit“ zur Sprache kommt, möchte ich dazu etwas sagen. Das Tibetische Zentrum ist inzwischen zu einer großen Gemeinschaft mit vielen Helfern angewachsen, und alle erledigen verantwortungsvoll ihre Aufgaben. In einer solchen Gemeinschaft kommt es mitunter vor, dass jemand den Vorgaben der jeweils Verantwortlichen nicht folgen oder seine Arbeit bei uns nicht fortsetzen möchte. Enttäuschungen und Traurigkeit können die Folge sein. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass es hier um die Arbeit für einen religiösen Verein geht und uns deshalb alle um die Übung der Geduld bemühen. Wir legen uns sozusagen eine Rüstung der Geduld an und setzen damit die Arbeit fort, von deren langfristigem Nutzen wir überzeugt sind.

Für eine gute Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft ist es wichtig, dass jeder von seinen eigenen Ansichten etwas loslässt. Natürlich ist dies manchmal schwierig, und nicht immer ist man mit allen Entscheidungen einverstanden. Auch fallen mitunter unangenehme Worte. Das ist möglich. Und mit dieser Einstellung „das kommt vor, das ist möglich“ sollte man an die Arbeit herangehen. Es ist möglich, dass es zu Schwierigkeiten kommt und dass man nicht immer mit allen Entscheidungen einverstanden ist.

Gut ist es, schon im Vorwege den Entschluss zu fassen, dass man bereit sein wird, auch einmal von den eigenen Vorstellungen abzulassen und nicht gleich ärgerlich zu werden. Im Vordergrund sollte die gemeinsame Sache stehen und der Entschluss, das Zentrum nicht aufzugeben. Darum möchte ich Sie bitten. Das ist mein Rat an Sie!

Wie viele von Ihnen wissen, war S.H. der Dalai Lama Anfang des Jahres krank. Obwohl es ihm mittlerweile wieder gut geht, ist das Büro Seiner Heiligkeit in Dharamsala mit der Bitte an einige buddhistische Zentren herangetreten, für das lange Leben des Dalai Lama zu beten und zu seinem Wohl Tiere zu retten. Tiere vor dem Tod zu retten ist eine buddhistische Praxis, die darauf abzielt, das Leben zu verlängern, was sich karmisch positiv auswirkt. So ist es in diesem Zusammenhang eine Möglichkeit, Tiere, die geschlachtet werden sollen, freizukaufen. Da es hierzulande schwierig ist, Kühe oder Schafe unterzubringen, haben wir uns dafür entschieden, ein Projekt der Umweltorganisation BUND mit einer Zweck gebundenen Spende zu unterstützen.

Wir haben uns in der Redaktion über das Projekt „Das Grüne Band“ des BUND informiert und es für gut befunden. Das Grüne Band (1393 Kilometer lang) verläuft entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Hier leben Hunderte von Tier- und Pflanzenarten, darunter seltene Vögel. Der BUND erwirbt Teile dieses einmaligen Naturlandes, um es zu erhalten, ohne es als Acker- oder Bauland zu nutzen. Dadurch wird der Lebensraum vieler Tiere gerettet. Ich halte dies für eine gute Möglichkeit, hierzulande die buddhistische Praxis, Tiere zu retten, zu üben. Wir widmen die Verdienste daraus dem langen Leben des Dalai Lama. Übrigens ist die nächste Möglichkeit, dem Dalai Lama in Europa zu begegnen, die Kalacakra-Initiation in Graz im Oktober. Das Tibetische Zentrum wird für diese Zeit geschlossen, da wir alle dorthin fahren.

Ich würde mich freuen, wenn auch Sie die Möglichkeit hätten, dem Wunsch des Büros des Dalai Lama nachzukommen und Tiere zu retten. Der Dalai Lama ist Schirmherr des Tibetischen Zentrums, und wir haben seiner über die Jahre währenden Unterstützung sehr viel zu verdanken. Wenn Sie noch andere Ideen haben, wie wir hierzulande Tiere retten können, schreiben Sie einen Brief an die Redaktion!

Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen die anstehenden Unterweisungen von Kensur Geshe Ugyen Rinpoche. Wir sind glücklich, dass unser verehrter Lehrer, der jetzt schon 88 Jahre ist, zugesagt hat, am 10. und 11. August im Meditationshaus Semkye Ling segensreiche Erklärungen zum „Guru-Yoga der Götterscharen von Tushita“ zu geben.

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