Tibet & Buddhismus: Heft 56 1/2001 Schwerpunkt-Thema: Karma

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER

zu Weihnachten und zum Neuen Jahr wünsche ich Ihnen allen eine gute Gesundheit und geistiges Glück. Dies ist eine besonders geeignete Zeit, um uns selbst und anderen etwas Gutes tun.
Das Gute hängt zum großen Teil von der inneren Einstellung ab. Indem wir jetzt kleine Unannehmlichkeiten ertragen, überstehen und uns nicht von kurzfristigen Annehmlichkeiten blenden lassen, werden wir langfristig profitieren. Es ist wichtig, auf die Zukunft zu schauen und langfristige Ziele zu verfolgen. Das tun wir, indem wir die Rüstung der Geduld anlegen. Im äußeren Bereich trägt diese Haltung zur Schonung unserer Umwelt bei, die wiederum die Voraussetzung dafür bildet, daß wir uns selbst und der Tierwelt größere Probleme ersparen und eine gute Gesundheit genießen können. Für die innere und äußere Entwicklung ist die Geduld entscheidend. Sowohl Buddha als auch Jesus wiesen immer wieder darauf hin.

Ich möchte an dieser Stelle die Teilnehmer der ersten beiden siebenjährigen Lehrgänge des Systematischen Studiums ermutigen, an dem im Mai beginnenden zweijährigen Studium über Candrakïrtis Schrift „Eintritt in den Mittleren Weg“ teilzunehmen. Sie werden die Inhalte gut verstehen, Ihr Wissen vertiefen können und somit einen besonderen Nutzen erfahren. Auch diejenigen, die OEåntidevas „Eintritt in die Lebensweise eines Bodhisattva“ absolviert haben, werden einen Gewinn aus diesem Studium ziehen. Von den zehn Kapiteln des „Eintritts in den Mittleren Weg“ handelt das berühmte sechste Kapitel von der Sicht der Leerheit nach der Pråsa‡gika-Mådhyamika-Lehrmeinung, die präzise, klar und mit wenigen Worten erklärt wird. Die übrigen neun Kapitel handeln von der Geistesschulung auf dem Bodhisattva-Pfad und von den Ergebnissen dieser Schulung. Es ist sehr wichtig, die Tugenden eines Buddha wie die Zehn Kräfte zu verstehen, damit man die Zuflucht praktizieren und das Vertrauen in den Buddha, seine Lehre und die geistige Gemeinschaft setzten kann. Der „Eintritt in den Mittleren Weg“ ist ein sehr wichtiger Mahåyåna-Text.

Sakya Pa¶ðita Kunga Gyaltsen, ein großer tibetischer Gelehrter aus dem 13. Jahrhundert, schrieb über die Eigenschaften der Heiligen: „Werden sie gelobt, so freuen sie sich nicht; werden sie getadelt, so sind sie nicht niedergedrückt; sind ihre Tugenden so weit entwickelt, daß sie nicht wieder degenerieren (durch Stolz oder Ärger), haben sie die Merkmale der Heiligen.“ Heilige sind also Menschen, die nicht von Lob und Tadel abhängig sind. Der Geist ist ausgeglichen.

Verstehen wir die Tugenden der Heiligen, können wir sie selbst bei uns entwickeln. Deshalb ist es wichtig, ihre Tugenden erst einmal kennenzulernen und sich damit zu beschäftigen.

Ich habe oft über die Bedeutung unseres Meditationshauses, Semkye Ling, gesprochen, und die meisten von Ihnen werden seinen Wert kennen und vielleicht schon selbst erlebt haben.
Wir sind im Moment in einer sehr schwierigen Lage. Wir können das Meditationshaus nur halten, wenn viele Menschen uns helfen. Falls wir jetzt nicht handeln, werden wir diesen gesegneten Ort verlieren. Wir haben in einem vierseitigen Informationsblatt, das Sie vielleicht schon bekommen haben, die Situation offengelegt und Wege zur Rettung von Semkye Ling angedacht. Falls Sie die Information nicht bekommen haben, schicken wir sie Ihnen auf Wunsch gerne zu. Ich bin überzeugt, daß wir zusammen das angestrebte Ziel, das Meditationshaus zu bewahren, erreichen können.

Mein Dank gilt allen Mitgliedern und Freunden des Tibetischen Zentrums, die über so viele Jahre hinweg im Rahmen unserer Flüchtlingshilfe tibetische Mönche und Nonnen in Indien unterstützen, so daß sie ihre Studien unbesorgt durchführen können. Auch Projekte zur Gesundheitsvorsorge und Ausbilung im Kloster werden von den Spendern unterstützt. Ich erinnere mich auch immer wieder an die Hilfsbereitschaft vieler Mitarbeiter und ehrenamtlicher Helfer, die sich in den verschiedenen Organen des Zentrums, wie dem Vorstand und Beirat, einbringen, oder einfach kommen und helfen, wenn etwas anliegt. Ich danke Ihnen! Danke auch an alle, die nicht aktiv mithelfen können, aber dem Zentrum finanzielle Hilfe zukommen lassen. Alle, die mit mir und dem Tibetischen Zentrum verbunden sind, schließe ich weiterhin in meine Gebete ein.

Tibet & Buddhismus: Heft 56 Karma

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