Tibet & Buddhismus: Heft 51 4/1999 Schwerpunkt-Thema: Praktizieren - die Essenz des Buddhismus

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

in den letzten drei Monaten, seit Erscheinen der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift, haben all die Verantwortlichen im Verein viele heilsame Bemühungen zur Aufrechterhaltung unserer Studien- und Meditationsangebote unternommen. Ich freue mich darüber sehr und grüße alle, die mitgewirkt haben, ebenso wie unsere Mitglieder und Abonnenten.

Als einen Höhepunkt unserer Arbeit in dieser Zeit konnten wir kostbare Unterweisungen zum Stufenweg zur Erleuchtung, zur Geistesschulung und einige Initiationen von unserem Lehrer Kensur Geshe Ugyen Rinpoche erhalten.
Im Geist der Teilnehmer sind dadurch sicherlich sehr gute Anlagen hinterlassen worden. Insbesondere hatten unsere Studenten die Möglichkeit zu erkennen, wie die Inhalte des Studiums praktisch umgesetzt werden. Nun kommt es darauf an, daß wir diese guten Ratschläge im täglichen Leben anwenden und die Leidenschaften wie Haß, Gier und Unwissenheit tatsächlich schrittweise verringern.

Das Tibetische Zentrum wird zusehends größer. Anstatt weiter zu expandieren kommt es jetzt darauf an, das Erreichte zu stabilisieren. Wichtig dabei ist, daß diejenigen, die sich um Kontinuität bemühen, häufiger zusammenkommen und sich über Veränderungen und mögliche Risiken enger abstimmen. Insbesondere halte ich es für günstig, wenn die Mitglieder des Vorstands, des Beirats und der Geschäftsführer sich dazu häufiger treffen. Ich selber werde gerne dabei mitwirken. Die Struktur des Beirats gilt es meines Erachtens zu überdenken.

Leider zeigt sich, daß nur wenige dazu fähig sind, dem Orden über lange Zeit anzugehören, so daß einige schon nach kurzer Zugehörigkeit wieder ausscheiden. Ich versuche deshalb gar nicht erst, Schülerinnen oder Schüler dazu zu bringen, in den Orden einzutreten, sondern bitte diejenigen, die einen solchen Schritt beabsichtigen, sich damit Zeit zu lassen. Es steht deshalb auch für mich nicht die Entwicklung eines Klosters, sondern die des Klausurhauses im Vordergrund. Aufgrund der wenigen Mönche und Nonnen erscheint es mir nicht sinnvoll, den Beirat unbedingt weiter gleichgewichtig mit Ordinierten und Laien zu besetzen. Vielmehr können auch andere erfahrene Mitglieder diese Arbeit übernehmen – vielleicht in Abstimmung mit dem Geschäftsführer.

Für Semkye Ling würde ich mir wünschen, daß Möglichkeiten für Einzelklausuren geschaffen werden, und ich setze auch auf die Hilfe unserer Mitglieder für dieses Vorhaben. Unser Ziel ist es, das Studium und die Meditation vollständig zu verbinden; auch unsere Mitarbeiter sollten die Möglichkeit zu Klausuren wahrnehmen können. Damit könnten wir die vielfältigen Aufgaben, die uns unsere Satzung aufgibt – Möglichkeiten zum Studium und zur Praxis des Dharma zu schaffen und die Flüchtlinge zu unterstützen – noch besser erfüllen. An dieser Stelle möchte ich mich auch besonders für die intensive Hilfe für meine tibetischen Landsleute durch die Flüchtlingshilfe bedanken.

Wir können durch unser Wirken auch für die Gesellschaft als Ganzes einen echten Nutzen erzielen. Vielfältige Hoffnungen werden auf uns gesetzt. Wir sollten die kontinuierlich angelegten Dialogprojekte fortsetzen und froh sein über den Nutzen, den wir bereits erzielen konnten. Trotzdem ist uns bewußt, daß wir nicht genügend Kraft haben, um alle Einladungen anzunehmen; wir sollten uns auf unsere Hauptaufgabe, die Vermittlung des Buddha- Dharma, konzentrieren.

In Hamburg hat gerade der fünfte Lehrgang des Systematischen Studiums des Buddhismus begonnen. Aufgrund der Krankheit von Christof Spitz gibt es derzeit Engpässe bei der Leitung der Arbeitskreise, Übersetzung der Kurse und der schriftlichen Unterlagen. Wir werden uns entschlossen bemühen, die angefangenen Aufgaben auch zu Ende zu bringen. Die Schüler bitte ich, in ihrem Enthusiasmus nicht nachzulassen. Sie sollten bedenken, daß sich so eine Gelegenheit zum ausgedehnten Dharma-Studium wohl nur einmal im Leben ergibt und daß sich dafür alle Anstrengungen lohnen; dies ist viel wertvoller als unsere üblichen Aktivitäten. Diejenigen meiner Schüler, die als Übersetzer, Arbeitskreis- oder Kursleiter wirken, tun dies entsprechend den Absichten des Buddha, daß seine Anhänger zunächst den eigenen Geist läutern und entwickeln, um dann, wenn sie dazu fähig sind, auch andere in dieser Aufgabe zu unterstützen. Ich möchte Sie deshalb bitten, weiterhin eine gute Motivation und Geduld beim Erklären, Zuhören und Lernen aufrechtzuerhalten. Wir können uns darüber freuen, wieviele günstige Umstände uns zur Verfügung stehen und wie wenige ernsthafte Hindernisse es für unsere Arbeit gibt.

Heft 51 - 4/1999

Schwerpunkt-Thema: Praktizieren - die Essenz des Buddhismus

  • Editorial (PDF)
  • Dalai Lama: „Praktizieren Sie die Essenz des Buddhismus“ - S.H. der Dalai Lama antwortet auf Fragen (HTML) (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Die Vergegenwärtigung des Atems, Teil 2 (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Aufbau einer analytischen Meditation (PDF)
  • Das Vitakkasanthana-Sutta: Fünf Mittel gegen störende Gedanken (PDF)
  • David Jackson: Tibetische Thangkas: Übertragungslinien und Anordnung (PDF)
  • Klaus Glashoff: Buddhismus und Naturwissenschaft (PDF)
  • Eva Herzer: Mehr internationale Unterstützung für Tibet ist nötig (PDF)
  • Christine Rackuff: Wettlauf mit dem Mond: Berliner Zentrum im Wachstum (PDF)
  • Carola Roloff: Versammlungshalle in Sera (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Rezensionen (PDF)

Tibet & Buddhismus: Heft 51 Praktizieren - die Essenz des Buddhismus

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