Tibet & Buddhismus: Heft 47 4/1998 Schwerpunkt-Thema: Spirituelle Praxis

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

mit großer Freude können wir Seine Heiligkeit den XIV. Dalai Lama in unserem Meditationshaus Semkye Ling in der Lüneburger Heide begrüßen. Er wird Vorträge zum Stufenweg zur Erleuchtung (Lamrim) halten und eine Initiation in den Buddha des Mitgefühls geben.
Seit mehr als einem Jahr laufen die Vorbereitungen für dieses Großereignis mit vielen tausend Teilnehmern auf Hochtouren. Einige hauptamtlich Beschäftigte und mehr als hundert ehrenamtliche Mitarbeiter haben hart dafür gearbeitet, manchmal bis zur Erschöpfung. Erleichtert wurden unsere Bemühungen durch die große Unterstützung der Behörden und Kirchen der Stadt Schneverdingen und des Landes Niedersachsen. Mein tiefempfundener Dank gilt allen Beteiligten.

Wir haben die Anstrengungen der letzten Monate in der Gewißheit unternommen, daß dieses Ereignis äußerst segensreiche Wirkungen haben wird. Im Buddhismus spricht man von einer ausgezeichneten religiösen Veranstaltung, wenn drei Kriterien erfüllt sind: Der Ort ist gut gewählt, die Lehren sind wahr, und der Lehrer verfügt über alle Kennzeichen eines qualifizierten geistlichen Führers. In unserem Fall ist der ruhige Ort in der Lüneburger Heide optimal. Die Lehre, die vermittelt wird, ist der „Lamrim“ und bildet die Essenz des Dharma, der wie eine Medizin ist, die alle Krankheiten heilen kann. Der Lehrer, S.H. der Dalai Lama, setzt sich angesichts der Besetzung Tibets durch China unermüdlich für die Bewahrung der kostbaren tibetischen Kultur ein. Seit er im Exil lebt, wirkt er in der ganzen Welt für Harmonie und Frieden, und selbst nicht religiös eingestellte Menschen zollen ihm Respekt für seine Vermittlung von moralischen Werten und sein vorbildliches Verhalten.

Alle Besucher dieses besonderen Ereignisses grüße ich von Herzen. Ich weiß, daß viele von weit her gekommen sind und sich extra Urlaub genommen haben. Ich bin sicher, daß Sie nicht enttäuscht sein werden, denn die Unterweisungen des Dalai Lama zeichnen sich dadurch aus, daß sie auf der Grundlage des traditionellen Buddhismus Menschen verschiedenster Neigungen und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund anzusprechen vermögen. Dadurch erhält jeder eine Inspiration, die seiner geistigen Entwicklungsstufe entspricht. Wir können uns also auf diese Tage freuen und unser gutes Geschick genießen.

Die Verantwortlichen im Tibetischen Zentrum sind glücklich, daß mittlerweile trotz aller finanziellen Schwierigkeiten eine vollständige Praxis des Dharma unter dem Dach unseres Vereins möglich ist. In Hamburg werden Studienlehrgänge zum Buddhismus mit großem Eifer durchgeführt, und im Meditationshaus, das nun von Seiner Heiligkeit gesegnet wird, besteht die Möglichkeit, das Wissen in der Meditation zu vertiefen. In beiden Häusern leben Nonnen und Mönche, und ein buddhistischer Orden entsteht. Darüber hinaus bieten in wir in neu angemieteten Räumen in der Innenstadt von Hamburg einmal im Monat Meditationen an. Mit diesen Aktivitäten tragen wir unseren Teil für eine kontinuierliche und solide Entwicklung des Buddhismus im Westen bei. Dabei geht es uns nicht darum, viele Menschen zu Buddhisten zu machen, sondern von buddhistischer Seite etwas für die positive gesellschaftliche Entwicklung zu tun.

Alle Wesen wollen Glück an Körper und Geist. Um körperliches Wohl zu erreichen, bietet die westliche Gesellschaft viele günstige Umstände. Das allein reicht aber nicht aus, um insgesamt glücklich zu sein. Die großen Religionen wenden deshalb tiefgründige Mittel an, um einen Frieden des Geistes herbeizuführen. Der Buddhismus stößt im Westen auf wachsendes Interesse, und an die Vertreter der Lehre des Buddha werden viele Hoffnungen herangetragen. Therapeuten, Pädagogen und Mediziner suchen den Dialog, um die speziellen Probleme unserer Zeit anzugehen. Dazu wollen wir gerne unseren Beitrag leisten und im Dialog mit anderen positiv auf die Entwicklung einwirken. Wenn einige Menschen sich in diesem Prozeß direkt für die buddhistischen Inhalte, wie sie im Lamrim dargelegt sind, interessieren, bin ich davon überzeugt, daß jeder Aspekt dieser Lehre äußerst hilfreich sein wird.

Heft 47 - 4/1998

Schwerpunkt-Thema: Spirituelle Praxis

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Wer ist Avalokiteshvara? (PDF)
  • Kensur Geshe Ugyen Rinpoche: Lamrim – die Landkarte zur Erleuchtung (PDF)
  • Interview mit Kensur Geshe Ugyen von Birgit Stratmann: „Keine Verwirklichungen ohne intensive Meditationspraxis“ (PDF)
  • S. H. der Dalai Lama: Ratschläge für die spirituelle Praxis (PDF)
  • Oliver Petersen: Achtsamkeit auf den Geist (PDF)
  • Dr. Martin Baumann: Buddhismus in Deutschland – Geschichte und Gegenwart (PDF)
  • Michael von Brück: Die Haltung des Dalai Lama zum Dialog der Weltreligionen (PDF)
  • Helmut Clemens: Das Tibetproblem – selten eine Schlagzeile wert (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Buchbesprechungen (PDF)

Tibet & Buddhismus: Heft 47 Spirituelle Praxis

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