Tibet & Buddhismus: Heft 39 4/1996 Schwerpunkt-Thema: Avalokiteshvara

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

auf diesem Wege möchte ich herzlich unsere Mitglieder, Mitarbeiter, Studenten und Freunde grüßen. In den letzten Monaten sind gute innere und äußere Bedingungen für die Entwicklung unseres Zentrums herangereift. Besonders freue ich mich über die Eröffnung unseres Meditationshauses Semkye Ling in der Lüneburger Heide. Daß dies möglich war, ist auf die überwältigende Hilfsbereitschaft vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter und auf Ihre Spenden, besonders auch die Zuwendungen von Gabriele Küstermann, zurückzuführen. Am 10. August konnten wir das neue Meditationshaus bei strahlendem Sonnenschein eröffnen. Ich hatte den Eindruck, daß die rund 300 Gäste das Haus und seine Umgebung in ihr Herz geschlossen haben. Auch von den Menschen in der Region sind wir sehr offen und freundlich aufgenommen worden. Mit dem neuen Projekt werden die Schülerinnen und Schüler die Tugenden ihres Geistes anwachsen lassen können; auf diese Weise werden wir mehr zum Wohle der Gesellschaft wirken können.

Ich hege große Hoffnungen und bete für das gute Gelingen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich unermüdlich für das Zentrum ein, und Geshe Tenpa Choephel und ich werden als Lehrer weiterhin zur Verfügung stehen. Es liegt vor allem in der Verantwortung der Ordinierten, die Lehre zu praktizieren und weiterzugeben. Meine langjährigen Schülerinnen und Schüler sind bereits gut ausgebildet, und es werden sicherlich weitere hinzukommen. Dabei habe ich einen langfristigen und kontinuierlichen Prozeß im Auge. So wird auch die Unterstützung, die das Zentrum und der Orden erhalten, einen großen Nutzen bewirken.

Die Arbeiten an dem neuen Haus sind noch nicht abgeschlossen; auch werden sich immer wieder neue Aufgaben stellen. Wir müssen zunächst Erfahrungen sammeln, und ich möchte Sie sehr herzlich bitten, das Meditationshaus, dessen Erwerb mit enormen finanziellen Belastungen verbunden ist, mit Ihrer Spende oder mit Ihrer Arbeit zu unterstützen. Hier geht es nicht um persönliche Bereicherung, sondern um das Wohl der Gemeinschaft.

Seit nunmehr 17 Jahren weile ich fast ohne Unterbrechung in Deutschland. Von Mitte Oktober bis Dezember werden Geshe Tenchoe und ich in Indien sein, um seltene und kostbare Unterweisungen von unserem Lehrer Geshe Ugyen Rinpoche zu erhalten. In den Wochen unserer Abwesenheit läuft das Programm in Hamburg und Schneverdingen mit Hilfe meiner langjährigen Schüler und Schülerinnen weiter. Sie haben über die Jahre genug Erfahrung gesammelt, um die vielfältigen Aufgaben in eigener Verantwortung zu erfüllen.

Entsprechend den Ankündigungen ist nun ein dritter tibetischer Mönch, Gen Lobsang Tritschok, zu uns gekommen. Er hat seine Ausbildung im Tantrakloster absolviert und ist sehr erfahren in der Durchführung von großen Ritualen wie Feuerpujas, Opferzeremonien und Mandala- Erstellung und wird uns hauptsächlich in Semkye Ling unterstützen.

Ab April nächsten Jahres ist ein zweijähriger Kurs mit Unterricht und Arbeitskreisen zu der Schrift „Der Lebensweg eines Bodhisattvas“ von dem indischen Meister Shantideva geplant. Ich habe dieses bedeutsame Werk ausgewählt, weil es als Grundlage für die gesamte Philosophie und Meditation des Buddhismus fungiert und in allen Schulen des Tibetischen Buddhismus gelehrt wird. So basiert etwa die Lamrim- Tradition in der Gelug-Schule ebenso darauf wie ähnliche Traditionen in den anderen Schulen. Diese Traditionen sind gesegnet von den Gebeten des großen Meisters und Gelehrten Shantideva, dessen Schrift leicht zu praktizieren und äußerst effektiv in der Geistesschulung ist. Ich kann Ihnen die Teilnahme sehr empfehlen.

Abschließend möchte ich nochmals betonen, daß ich mit unserer Arbeit zur Zeit sehr zufrieden bin. Ich bitte Sie, unsere Aktivitäten, auch im interreligiösen Dialog und in der Hilfe für das leidende tibetische Volk, weiter zu unterstützen. Ich selbst möchte mich auch weiter direkt an diesen Entwicklungen beteiligen und stelle deshalb eine geplante langjährige Klausur, die mir eigentlich sehr am Herzen liegt, zunächst zurück.

Heft 39 - 4/1996

Schwerpunkt-Thema: Avalokiteshvara

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: „Derjenige, der niemals die Augen schließt“ Aus den Vorleben des Avalokiteshvara (PDF)
  • Geshe Rabten: Meditation: Kurzer Meditationstext über Avalokitshvara (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Die Hoffnungen aller Wesen erfüllen - Erklärungen zum Meditationstext über Avalokiteshvara (PDF)
  • Antonia Strub: Das Maitreya-Projekt
    Bau der größten Statue der Welt beginnt (PDF)
  • Seine Heiligkeit der Dalai Lama: Semkye – den Geist ausweiten (PDF)
  • Alice Grünfelder: Was bedeutet es, in China ein Tibeter zu sein?
    Tibetische Identität im Brennpunkt der modernen tibetischen Literatur (PDF)
  • Gelongma Jampa Tsedroen: Nächstes Jahr in Lhasa! Bericht über die Tibet-Konferenz im Bonner Wasserwerk (PDF)
  • Studenten für ein freies Tibet (PDF)
  • Gelongma Jampa Tsedroen Interview mit Kalon Tashi Wangdi: Tibet hat ein Recht auf Unabhängigkeit (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Internes (PDF)
  • Buchbesprechungen (PDF)

Tibet & Buddhismus: Heft 39 Avalokiteshvara

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