Tibet & Buddhismus: Heft 38 3/1996 Schwerpunkt-Thema: Leben als westliche Nonne

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

ich freue mich, daß ich mich über unsere Zeitschrift wieder an Sie wenden kann. Ich grüße alle Mitglieder, Studenten und Abonnenten herzlich.

Anfang des Jahres war ich zusammen mit drei Nonnen des Tibetischen Zentrums in Indien. Ich erachte es immer als ein gutes Los, als Buddhist nach Bodhgaya pilgern zu können, wo der Buddha die Erleuchtung erlangte. Im Rahmen einer dreiwöchigen Nonnenkonferenz erteilte ich Nonnen aus vielen Ländern Unterweisungen, und ich habe mich über ihre große Aufmerksamkeit sehr gefreut. Später hatte ich Gelegenheit, nach Dharamsala zu fahren und an den jährlich stattfindenden Belehrungen Seiner Heiligkeit des Dalai Lama teilzunehmen. Im Anschluß daran fuhr ich in mein Stammkloster Sera nach Südindien. Hier konnte ich mich überzeugen, daß die Spenden im Rahmen unserer Flüchtlingshilfe sehr großen Nutzen bewirken und gut verwendet werden. Ich möchte Sie bitten, in Ihrer Freigebigkeit für unsere Flüchtlingshilfe oder die Deutsche Tibethilfe unter Leitung der verehrten Irmtraut Wäger nicht nachzulassen. Wir alle sind nun gesund und frohen Mutes wieder zurückgekehrt.

Im Juli dieses Jahres wird ein weiterer tibetischer Mönch in unser Zentrum kommen. Er heißt Lobsang Trichok und ist in einem Tantrakolleg ausgebildet worden. Lobsang Trichok wird hauptsächlich in Semkye Ling, dem neuen Klausurzentrum, leben und bei der Vorbereitung und Durchführung der Klausurrituale mithelfen. Er ist jung, aber bereits sehr bewandert in den Ritualen und philosophischen Schriften.

Im Mittelpunkt unserer Pläne für dieses Jahr steht natürlich die Vorbereitung der Meditationsseminare in Semkye Ling. Das Haus, das im August dieses Jahres eröffnet werden soll, wird gerade umgebaut. Alle Freunde, die den Ort gesehen haben, sind beeindruckt von der ruhigen und friedlichen Atmosphäre. Die Möglichkeiten sind für Gruppen- und Einzelklausuren ideal. Es war immer mein großer Wunsch, Ihnen diese Möglichkeit anzubieten. So können wir nun die theoretischen Kenntnisse, die wir im Studium erworben haben, in der Meditation umsetzen. Die meisten Seminare stehen auch Anfängern offen. Darüber hinaus wird Semkye Ling ein Ort sein, an dem wir Treffen mit Vertretern anderer Religionen, Pädagogen, Wissenschaftlern und Psychologen durchführen können, um so den intensiver werdenden Dialog zwischen dem Buddhismus und der hiesigen Kultur zu vertiefen.

Es ist sehr erfreulich, daß nach siebeneinhalb Jahren nun der erste Lehrgang des Systematischen Studiums des Buddhismus beendet wurde. Die Teilnehmer dieses Lehrgangs sind für mich Garanten dafür, daß wir die Hoffnungen, die von seiten der Gesellschaft heute an den Buddhismus herangetragen werden, zunehmend erfüllen können. In den letzten fünfzehn Jahren hat sich das Wissen über den Buddhismus hierzulande, zum Teil auch durch unsere Bemühungen, spürbar erweitert und vertieft. Wenn meine Studenten und Studentinnen das theoretische Wissen auf der Ebene des Verstandes mit Hilfe der Meditation ins Herz wandern lassen, werden sie vielleicht etwas vermitteln können, was für das 21. Jahrhundert sehr wichtig sein kann. Vielleicht tragen sie dazu bei, daß auf der Grundlage der Geistesschulung ein liebevollerer und respektvollerer Umgang der Menschen miteinander möglich und religiöse Schulung auch im politischen Leben wirksam wird. Ich bin Foto: Christof Spitz beeindruckt von der großen Hingabe und den kontinuierlichen Bemühungen meiner Schülerinnen und Schüler. Sie können damit als Vorbild für die Teilnehmer zukünftiger Studiengänge dienen. Gerade in der Religion sind solche dauerhaften Bemühungen unverzichtbar.

Bei meinem Besuch in unserem Schwesterzentrum in Berlin habe ich mich von der stabilen und positiven Entwicklung dort überzeugen können. Sollten Sie in dieser Region leben, können Sie sich für Studium und Praxis dorthin wenden.

Abschließend möchte ich mich bei den Helfern unserer Flüchtlingshilfe, der Deutschen Tibethilfe und den Tibet- Initiativen für ihre unermüdlichen Bemühungen bedanken, die Lage meiner Landsleute unter der chinesischen Besetzung zu verbessern. Ich bitte Sie, entsprechend den Vorgaben des Dalai Lama und seiner Exilregierung vorzugehen, um so den größten Nutzen zu erzielen.

Heft 38 - 3/1996

Schwerpunkt-Thema: Das Leben als westliche Nonne

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Meditation - Tonglen: Das Geben und Nehmen mit Hilfe des Atems (HTML) (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Die Vier Arten des Gebens (HTML) (PDF)
  • Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche: Wege zum ineren Frieden - buddhistische Praxis im Alltag (HTML) (PDF)
  • Bhikshuni Thubten Choedroen: Leben als westliche buddhistische Nonne (PDF)
  • S.H. der Dalai Lama antwortet auf Fragen der Nonnen: Strenge Regeln und das Nirvana (PDF)
  • Jochen Bockemühl: Dolpo in Nepal - ein letztes Stück traditionelles Tibet (HTML) (PDF)
  • Egbert Asshauer: Medizinische Versorgung der tibetischen Flüchtlinge: Viele Probleme, wenig Geld (PDF)
  • Gelongma Jampa Tsedroen: Unterstützen Sie die tibetischen Flüchtlinge im Exil (PDF)
  • Buchbesprechungen (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Interne Nachrichten (PDF)

Tibet & Buddhismus: Heft 38 Leben als westliche Nonne

Tonglen: Das Geben und Nehmen mit Hilfe des Atems

Als günstigen Umstand für das Gelingen der eigentlichen Meditation sammeln wir zuerst verdienstvolle Energie an und reinigen den Geist von unheilsamen...

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