Tibet & Buddhismus: Heft 37 2/1996 Schwerpunkt-Thema: Powa - Bewusstes Sterben

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

die derzeitige Situation unseres Vereins erfüllt mich mit Freude. Ich bin berührt, mit welchem Verantwortungsbewußtsein die Arbeit im Tibetischen Zentrum erledigt wird. Die Seminare und die drei Lehrgänge des Systematischen Studiums laufen sehr intensiv. Der erste siebenjährige Lehrgang wird im Frühjahr abgeschlossen sein. Umfangreiches Studienmaterial als Grundlage für die Entwicklung des Buddhismus im Westen wird damit verfügbar sein. Auch finden Debattier- und Tibetischklassen statt, die langfristig eine noch intensivere Beschäftigung mit buddhistischen Inhalten ermöglichen. Überdies haben das einjährige Studium des Lamrim und die Meditation am Dienstag abend großen Anklang gefunden. Im Herbst wird ein neuer Studienlehrgang beginnen, denn die Zahl der Interessenten wächst. In Planung sind zusätzlich Kurse zu neuen Themen z. B. zu den Werken des indischen Meisters Shantideva.

Mit dem Erwerb des neuen Klausurzentrums Semkye Ling werden sich in diesem Jahr nun endlich Möglichkeiten bieten, die ich mir seit langem sehr gewünscht habe. Für eine vollständige spirituelle Entwicklung halte ich es für notwendig, das Heilsame, das sich aus dem Studium ergibt, in Klausuren zu stabilisieren und zu vertiefen. Auf diese Notwendigkeit hat der Buddha immer hingewiesen. Es ist sicher leichter, in einer ruhigen, friedvollen Atmosphäre auf dem Land zu meditieren als in der Großstadt, und das neue Haus ist dafür ideal geeignet. Vor Ort werden zumeist Gelongma Dschampa Khandro (Gerti Erhard) und Gelong Dschampa Tendsin (Oliver Petersen) wohnen.

Langfristig hoffe ich, daß in Semkye Ling auch eine klösterlichen Gemeinschaft ihren Platz haben kann. Das Zentrum in Hamburg wird als Stammsitz im bisherigen Rahmen mit Studium und Seminaren seine Arbeiten fortsetzen. Was mich selbst betrifft, so werde ich in der Woche häufiger auf dem Lande sein und am Wochenende nach Hamburg kommen. Auch habe ich zur Zeit nicht vor, mich in eine langjährige Klausur zurückzuziehen – außer zu einigen Vorbereitenden Übungen. Geshe Tenpa Choephel wird im Hamburger Zentrum die ganze Zeit über anwesend sein, die morgendlichen und abendlichen Gebete und Meditationen leiten und für Fragen zur Verfügung stehen. Ich möchte allen, die diese Entwicklung möglich gemacht haben, nochmals für Ihre Hilfe danken, und Sie bitten, diese gute Sache auch weiterhin zu unterstützen. Die finanziellen Belastungen sind sehr schwer zu tragen, und nicht alle Entwicklungen waren im Vorwege kalkulierbar. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, daß der Nutzen nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft sehr groß sein kann. Immer mehr Menschen aus den Bereichen der Kultur, Pädagogik, Psychologie und Naturwissenschaft setzen großen Hoffnungen auf den Buddhismus, denn viele Probleme unserer Zeit lassen sich mit herkömmlichen Mitteln nicht lösen. Wir wollen in Semkye Ling auch den Austausch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen weiter pflegen. Mit Abschluß des ersten Studienlehrgangs haben wir nun weitere fachkundige Buddhisten, die in der Lage sind, ihre Erfahrungen und Kenntnisse in einen solchen Austausch einzubringen und eigene Kurse zu leiten.

Im Februar bin ich in Indien, da ich im Auftrag des Dalai Lama in Bodhgaya Erklärungen zur Ordensdisziplin der Nonnen geben muß. In der zweiten Märzhälfte besuche ich mein Kloster in Südindien. Mitte April werde ich nach Hamburg zurückkehren und einige Unterweisungen erteilen. Auch möchte ich nach Berlin fahren, um unser Schwesterzentrum – das Tibetisch- Buddhistische Zentrum Berlin – sowie die Buddhistische Gesellschaft Berlin zu unterstützen.

Da Tibet nach wie vor unter schweren Repressionen durch die Volksrepublik China leidet, bin ich besonders dankbar für die politische Arbeit der Tibet-Initiativen und für alle Spenden an die Flüchtlingshilfe. Es würde mich freuen, wenn Sie während meiner Abwesenheit trotz Ihrer eng bemessenen Freizeit zu den Abendgebeten kommen würden.

Heft 37 - 2/1996

Schwerpunkt-Thema: Powa - Bewusstes Sterben

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Powa - vom bewußten Sterben zur guten Wiedergeburt (HTML) (PDF)
  • Interview mit Jeffrey Hopkins von Robina Courtin: Jeffrey Hopkins rekonstruiert seinen Geist (HTML) (PDF)
  • Geshe Thubten Ngawang: Meditation - Die Bereinigung unheilsamer Handlungen mit Hilfe der Vier Kräfte (HTML) (PDF)
  • Karin Heinemann: DA-SEIN – buddhistisch orientierte Hospizgruppe begleitet Sterbende (PDF)
  • Wolfram Klose: Potala - ein neuer "Platz des Himmlischen Friedens"? (HTML) (PDF)
  • Rettungsversuch in letzter Minute: Denkmalspflege im bedrohten Lhasa
    Bericht des „Lhasa Archive Project“ (PDF)
  • Wei Jingsheng: Ansichten über Tibets Zukunft - Ein ofener Brief an Deng Xiaoping (HTML) (PDF)
  • Dalai Lama: Botschaft zum 36. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes am 10. März 1959 (PDF)
  • Birgit Stratmann: „Yasny Svet“ - Dharmaverlag in St. Petersburg (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Rezensionen (PDF)
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Tibet & Buddhismus: Heft 37 Powa - Bewusstes Sterben

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