Tibet & Buddhismus: Heft 32 1/1995 Schwerpunkt-Thema: Leben im Dharma

Editorial von Geshe Thubten Ngawang

Liebe Mitglieder und Freunde,

auch in den letzten Monaten konnte das Zentrum vielfältige Veranstaltungen zum Buddhismus und zur tibetischen Kultur anbieten. Das ist eine Folge Ihrer Arbeit und materiellen Unterstützung, über die ich mich sehr gefreut habe und für die ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen möchte.

Die Anwesenheit unseres zweiten Lehrers Geshe Tenchoe wirkt sich bereits sehr segensreich für unsere Gemeinschaft aus. Er hat vielfältige Verpflichtungen übernommen, und sein profundes Wissen und seine Erfahrung im Umgang mit Schülern aufgrund seines reifen Alters kommen uns sehr zugute. Es ist auch sicher kein Zufall, daß S.H. der Dalai Lama nach der Befragung eines Orakels ein gutes Gelingen prophezeite. Ein Hindernis ist sicher noch die Sprache, aber da Geshe-la große Anstrengungen macht, Deutsch zu lernen, wird sich das Problem sicher bald lösen lassen.

Überhaupt freue ich mich über alle, die mit großer Hingabe Tibetisch unterrichten und lernen. Wir haben im Moment zu wenig Übersetzer, so daß diese kaum dazu kommen, neben den mündlichen Übersetzungen auch die Schriften aus dem Tibetischen zu übersetzen. Die Übersetzung der klassischen Werke des Buddhismus aus dem Tibetischen ist eine Aufgabe, die für viele Generationen und für ganze Kulturen von großer Bedeutung sein kann. Die Tibeter haben ab dem siebten Jahrhundert mit der Unterstützung indischer Gelehrter hervorragende und präzise Arbeit bei der Übertragung der Buddhaworte und der Kommentare indischer Meister aus dem Sanskrit geleistet. Sie schufen dafür extra eine neue Schriftsprache.

Viele Originalschriften sind in Indien bereits verlorengegangen und werden heute aus dem Tibetischen zurückübersetzt. Diese Arbeit wird unter der Obhut von Samdhong Rinpoche hauptsächlich an der Universität in Sarnath bei Varanasi geleistet. Die Tibeter sind den Indern zu großem Dank verpflichtet, denn aus Indien stammt ihre religiöse Kultur, und heute – nach der Flucht – haben die Inder uns Tibeter großzügig aufgenommen. In Tibet selber besteht durch die chinesische Besetzung die Gefahr, daß die gesamte Kultur verlorengeht. Umso wichtiger ist es, daß wir uns im Westen neben der Durchführung kurzfristiger Programme auch um die buddhistische Überlieferung kümmern. Wenn die Schüler sich die nötige Kenntnis der tibetischen Schriftsprache angeeignet haben, werden sich sicher Lamas finden, die gern bereit sind, Fragen zum Text zu beantworten.

Heutzutage, 2500 Jahre nach ihrem Entstehen, trifft die buddhistische Kultur auf immer mehr Interesse nicht nur im religiösen Bereich. Ihre Inhalte werden sogar für die praktischen Fragen unserer Zeit wie den Umweltschutz, das Verständnis zwischen Religionen und Völkern und die Friedenssicherung immer bedeutsamer. In diesem Prozeß bilden qualifizierte Übersetzungen die Grundlage für das Verständnis.

Der Besuch von Doboom Tulku, dem Direktor des Tibet House in New Delhi, ist zu unserer vollen Zufriedenheit verlaufen. Ich denke, daß die einführenden Erläuterungen von Rinpoche besonders für diejenigen, die in Barcelona an der Kalacakra- Initiation S.H. des Dalai Lama teilnehmen wollen, sehr hilfreich gewesen sind.

Unsere Bemühungen um den Erwerb eines Hauses auf dem Land, das für Meditationsklausuren geeignet ist, laufen zur Zeit auf Hochtouren. Wenn alles gewissenhaft geprüft ist, werden wir sicher zu einem Abschluß kommen. Langfristig denken wir daran, ein solches Haus vielfältig zu nutzen, etwa auch als Wohnsitz für Buddhisten und als Seminarhaus, das auch von anderen dem Buddhismus nahestehenden Gruppen genutzt werden kann, wie z.B. für Psychotherapie, Yoga usw.. Über den jeweils neuesten Stand werden wir Sie schnellstmöglich informieren.

Abschließend möchte ich Ihnen für Ihre Bemühungen danken, die sicher geeignet sind, auf lange Sicht vielen Menschen zu helfen. Auch wenn Sie nur für einen kurzen Zeitraum ihre Fähigkeiten zur Unterstützung des Tibetischen Zentrums zur Verfügung stellen können, ist Ihre Hilfe sehr willkommen. Sie finden in unserem Heft nähere Informationen dazu, welche Arbeiten in Frage kommen.

Heft 32 - 1/1995

Schwerpunkt-Thema: Ein Leben im Dharma - Geshe Ugyen Rinpoche

  • Editorial (PDF)
  • Geshe Ugyen Rinpoche erzählt sein Leben: Ein Leben im Dharma (PDF)

  • Daniel Perdue: Philosophische Debatte im tibetischen Buddhismus (PDF)
  • Interview mit S.H. Dalai Lama von Johanna Schickentanz: Buddhismus - eine Religion, eine Wissenschaft vom Geist, eine Lebenskunst (PDF)
  • Gelongma Jampa Tsedroen: Die Verantwortung der Frau im Buddhismus (PDF)
  • Ansprache S.H. Dalai Lama an die "Vereinigung Tibetischer Frauen": "Keine Hindernisse für die Gleichberechtigung" (PDF)
  • Interview mit Doboom Tulku von Birgit Stratmann: "Die tibetische Kultur muß sich öffnen, ohne ihr geistiges Fundament zu verlieren" (PDF)
  • Nyanaponika Mahathera: Die Meditation Liebender Güte (PDF)
  • Wangpo Tethong: Eine Reise in die Vergangenheit – Der Dalai Lama besucht die Mongolei (PDF)
  • Aktuelles (PDF)
  • Buchbesprechungen (PDF)
  • Interne Nachrichten (PDF)

Tibet & Buddhismus: Heft 32 Buddhanatur

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