ZEN Meditation hinter Gittern

Erfahrungsbericht von Wolfgang Schäfer, Nieukerk, Juli 2016

Wenn ich in der Dämmerung oder nachts auf der B9 Richtung Geldern fahre, dann taucht sie plötzlich links von mir, in orangem Licht angestrahlt, auf. Die JVA Pont, auf deren Außenmauer mit riesigen Buchstaben das Wort ‚Sehnsucht‘ steht. Einiges, was ein Gefängnis ausmacht, findet man auch in einem Kloster. Wenn die Strahler dort in Orange leuchten, dann allerdings nicht, weil Orange im Buddhismus eine häufig anzutreffende Farbe ist, sondern weil man bei diesem Licht nachts besser jede Bewegung wahrnehmen kann. Dennoch habe ich öfter gedacht, dort ist `mein Kloster´, in dem ich jetzt genau 10 Jahre lang Meditation für Menschen hinter Gefängnismauern angeboten habe. Nachdem ich vor zwei Wochen meine „Arbeit“ dort beendet habe, kam unabhängig davon vor ein paar Tagen der Wunsch der Zeitschrift „Tibet und Buddhismus“, ich möge bitte meine Erfahrungen anderen mitteilen. Dem möchte ich hier nachkommen.

Es war im Sommer 2006 als ich von einem Sangha-Mitglied mehr so nebenbei erfuhr, dass es in der JVA Pont eine Peacemaker Gruppe gibt, die sich auf den Zen-Meister Bernie Glassman beruft. Davon war ich sofort begeistert. Ich nahm zu dieser Gruppe, die aus 5 älteren Männern und Frauen bestand, Kontakt auf und konnte an ihren 14-tägigen Abenden in der JVA teilnehmen. Die jeweils zwei Stunden liefen nach einem bestimmten Schema ab und waren für alle offen. Die Ausrichtung, gemessen an den Texten, war eher christlich, die Rituale -Gesprächskreis mit einem Gesprächsstein, zwei Sitzrunden mit Gehmeditation, Teetrinken und freies Unterhalten waren neutral gewählt.

Nach einigen Monaten hatte mich Christoph, einer der teilnehmenden Häftlinge, angesprochen, ob ich Interesse hätte, ein spezielles buddhistisches Sitzen (Zazen) anzubieten. Er hatte Erfahrungen aus einer anderen JVA, in der dies schon regelmäßig praktiziert wurde. Ich sollte die Gruppe leiten, er wolle sich darum kümmern, dass interessierte Gefangene von unserem Angebot erfahren. Bald schon hatten wir eine Liste von 11 Personen.

Uns war es wichtig, dass unsere Gruppe keine Gegenveranstaltung zu der Peacemaker-Gruppe sein sollte. Wir wollten das Angebot erweitern und im gleichen Rhythmus, also immer am freien Donnerstag, Sitzen. Dies immer mit dem Hinweis, dass man auch in beiden Gruppen meditieren kann, was auch etliche später taten.

Aber auf einmal gab es für uns keinen freien Raum, und wir mussten 16 Monate warten, bis sich dies endlich änderte. Unsere Vorschläge, wie man das Raumproblem lösen könne, wurden mit Hinweise auf die organisatorische Undurchführbarkeit abgeschmettert. Der evangelische Pfarrer, der für diese Freizeitgruppen zuständig war, sagte einmal, er wolle für die Öffnung der JVA zum Buddhismus nicht verantwortlich sein. Wir vermuteten, dass uns dies die Tür versperrte. Um dennoch einen Fuß in der Tür zu behalten, praktizierten wir weiterhin mit der Peacemaker-Gruppe, bis wir dann  Anfang 2008 einen Raum zugewiesen bekamen.

Wir starteten mit sieben Personen. Um eine freie Fläche zu erhalten, wurde der Raum jedes Mal umgeräumt. Sitzbänkchen und Sitzmatten erhielt ich als Spende von meinem Lehrer Kurt KyuSei Österle. Zu unserer Ausstattung gehörten ferner eine Buddhafigur, zwei Klangschalen, eine Kerze, Räucherstäbchen und eine kleine Sammlung geschenkter Bücher zum Thema Zen/Buddhismus.

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