GEBURTLOSIGKEIT

von Geshe Pema Samten

In seinem ‚Lobpreis der Zwölf Taten des Buddha’ verneigt sich Nāgārjuna vor der Tat des „Nirvāṇa-Eintritts“ mit den Worten: „...um die Trägen zur Praxis des Dharma anzuhalten, hast du am reinen Ort Kushinagar deinen vajragleichen Körper der Todlosigkeit (Unsterblichkeit) aufgegeben ...“ In diesem Zusammenhang wird die Mahāyāna-Auffassung deutlich, wonach der Buddha zwar den Zustand der Todlosigkeit erlangt hatte, seinen Eintritt in das Nirvāṇa jedoch zeigte, um dem Greifen nach Beständigkeit im Geist seiner Schüler entgegenzuwirken.

Die sogenannte ‚Todlosigkeit’ haben nicht nur Buddhas sondern beispielsweise auch die hohen Bodhisattvas auf den reinen Bhūmis erlangt. Dennoch sprechen wir davon, dass der Buddha im Kampf gegen die Maras den vollständigen Sieg über alle „Vier Maras“ davongetragen hat. Neben den Maras in Form der (1) sog. Göttersöhne, (2) Aggregate und (3) Kleshas wird vom Mara in Form des „Herrn des Todes“ gesprochen. Dies bedeutet nichts anderes, als fremdbestimmt aufgrund von Karma und Kleshas sterben zu müssen.

Für die meisten Menschen stellt der Tod ein unliebsames Ereignis dar. Als Buddhisten sollten wir uns jedoch fragen, was hinter dem Tod steckt. In seiner Lehre über die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens hat der Buddha verdeutlicht, dass der Tod eine Wirkung von Karma und Kleshas ist. Solange wir unter der Macht unserer Verblendungen und dem daraus resultierenden Karma stehen, werden wir immer wieder unfreiwillig geboren und sterben. Dies stellt das eigentliche Problem dar. Nur weil die meisten gewöhnlichen Wesen Angst vor dem Tod haben, gibt es den ‚Herrn des Todes’, aber nicht den ‚Herrn der Geburt’. Aus der Perspektive echter Dharma-Praktizierender ist aber auch der Zustand der „Geburtlosigkeit“ erstrebenswert. Geburt und Tod bedingen sich und sind dahingehend gleich, dass wir diese Zustände im Moment aufgrund von Karma und Kleshas auf fremdbestimmte Weise erfahren. Wenn wir den unfreiwilligen Tod überwinden, werden wir auch eine unfreiwillige Geburt überwinden. Auf dem Weg dahin müssen wir uns von Karma und Kleshas befreien. Dies stellt kein leichtes Unterfangen dar. Schließlich haben wir seit anfangsloser Zeit destruktive Gewohnheiten entwickelt. Um diese Gewohnheiten zu verändern, bedarf es Mut und Ausdauer.

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