Śūnyatā – Die Weisheit der Leerheit (ab Oktober 2016)

Im 2. Jahr des Vertiefungsstudiums konzentrieren wir uns innerhalb des Philosophie-Stranges auf die tiefgründige Sichtweise der Prāsaṅgika-Mādhyamikas, die im indisch-tibetischen Buddhismus gemeinhin als höchste Sichtweise und damit als präziseste Beschreibung der letztlichen Realität gilt.

Als Quellentext nutzen wir das berühmte 9. Kapitel über die Weisheit aus dem Klassiker „Anleitung auf dem Weg zum Erwachen“ (Bodhicaryāvatara) des indischen Meisters Śānti­deva, dessen Werk wir größtenteils bereits in den ersten beiden Jahren des Vertiefungsstudiums studiert haben. Zur Erläuterung des teilweise schwer zu erschließenden 9. Weisheitskapitels wollen wir einen sehr verständlichen Kommentar des 14. Dalai Lama aus dem Buch „Weisheit erkennen, mehren und Tag für Tag üben“ heranziehen. Zusätzliche Materialien bilden u.a. die Abschriften der Erläuterungen von Geshe Thubten Ngawang.

Zentrales Thema von Śānti­devas Weisheitskapitel ist die rechte Erkenntnis der Leerheit (Śūnyatā) entsprechend der Prāsaṅgika-Mādhyamika-Philosophie. Die Leerheit besagt das Fehlen einer vermeintlich autonomen Existenz der Phänomene. Um die Subtilität dieser Wirklichkeitsbeschreibung nachvollziehen zu können, kritisiert und widerlegt Śānti­deva nicht nur die Lehrmeinungen der Nicht-Buddhisten, sondern auch der anderen buddhistischen Philosophien. So wird der Realismus der Vaibhāṣika und Sautrāntika logisch widerlegt, und ebenso das Wirklichkeitsverständnis der idealistischen Nur-Geist-Schule der Cittamāt­ra bzw. Yogācāra-Lehrmeinung. Anschließend wird explizit die Leerheit der Personen und der Phänomene dargestellt  und mögliche Einwände gegen diese Sichtweise der Mādhyamikas abgewehrt.  Der letzte Part beschreibt in aller Prägnanz die Unmöglichkeit einer inhärenten Existenzweise der Dinge.

Begleitend werden wir wieder einige Lektionen und Kategorien aus der buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie einstreuen, um die Analyse der buddhistischen Meister besser nachvollziehen zu können.

Als Zusatzthema behandeln wir die Widerlegung des Konzeptes eines Schöpfergottes bzw. eines unverursachten Schöpferprinzips, da dies im Kern sehr der Kritik an einem autonomen Selbst bzw. Ich ähnelt.

Mādhyamakavatara – Die Philosophie des Mittleren Weges (Der Schlüssel zum Mittleren Weg) (ab Oktober 2017)

ab Oktober 2017
Der herausragende indische Meister Candrakīrti verfasste ca. im 7. Jahrhundert unserer Zeitrech­nung, der goldenen Epoche des Buddhismus, seinen berühmten Kommentar zu Nāgārjunas Grundversen zum Mittleren Weg (Skt. Mūlama­dhya makakārikā). Wie der Titel „Ergänzung zum Mittleren Weg“ (Skt. Madhyamakāvatāra) andeu­tet, versteht Candrakīrti seine Schrift als Ein­führung beziehungsweise als Ergänzung zu [Nā­gārjunas Abhandlung über den] Mittleren Weg. Seine klare Darstellung wirkt wie ein Schlüssel, mit dem man sich die tiefgründige Philosophie des Mittleren Weges und speziell der Prāsaṅgika­Mādhyamikas erschließen kann.

Ost/West – Grundlegende philosophische Fragen in der Moderne (ab Oktober 2018)

 ab Oktober 2018

In diesem Jahresstudienkurs wollen wir den Schwer­punkt auf zentrale und komplexe philosophische Fragen legen. Auf neuartige und spannende Weise werden wir einen Vergleich zwischen der buddhistischen Lehre und westlicher Philosophie ziehen. Im Spiegel westlicher Philosophen und bahnbrechen­der wissenschaftlicher Erkenntnisse gilt es, unser bisher erworbenes Wissen über den Buddhismus anzuwenden und in Hinblick auf neue Denkungs­arten zu präzisieren. So sollen konkrete Themen wie Konstruktivismus, Sprachphilosophie, die säkulare Ethik von Epikur und den Stoikern als auch wissenschaftliche Theorien wie Quanten­physik behandelt werden.