Die Natur des Bewusstseins verstehen

Geshe Thubten Ngawang

Als wir 1987 den Plan gefasst haben, ein Systematisches Studium des Buddhismus anzubieten, habe ich nicht damit gerechnet, dass das Inter­es­se so groß sein würde. Im Laufe der Zeit sind immer mehr Menschen hinzugekommen. 

Die buddhistischen Studien sind nicht wie gewöhnliche weltliche Studi­en. Die Studienge­biete sind die des Inneren, des Geistes. Wir lernen hier Dinge, die uns selbst und anderen auf lange Sicht helfen werden. Daher möchte ich Sie bitten, beim Studieren auf Ihre Motivation zu ach­ten. Wir studieren mit der Motivation, uns selbst, den eigenen Geist zu verändern. 

Wir werden noch lernen, dass Nirvāṇa der echte Frieden ist. Es hängt vom Einzelnen selbst ab, den Frieden des Nirvāṇa im eigenen Geist zu verwirklichen. Der Buddha hat in einem Sutra — einer Lehrrede — gesagt:

Die Erwachten waschen die schlechten Taten nicht mit Wasser hinweg,
sie beseitigen das Leiden der Lebewesen nicht mit ihren Händen,
sie übertragen ihre eigenen Erkenntnisse nicht auf die anderen;[sondern] indem sie die Realität, die Wahrheit, zeigen, bewirken sie die Befreiung.

Wie aber entwickeln wir unseren Geist in Richtung Nirvāṇa? Dies geschieht durch Lernen, Nachdenken und Meditieren. Wir lernen und studieren in dem Bewusstsein, dass das hier vermittelte Wissen dazu dient, den eigenen Geist korrekt zu erkennen. Letztlich dient all dies dazu, dass wir uns weiterentwickeln, ausgeglichener und friedvoller werden und uns von Täuschung befreien. Das eigentliche Ziel ist, die Mittel zu erhalten, um den Geist von allen störenden, leidver­ursachenden Faktoren zu befreien und in einen friedlichen Zustand zu versetzen.

Die Sphäre des Geistigen ist weit und tief, entsprechend muss auch dessen Studium um­fangreich sein. In Tibet dauerten die intensiven Geshe-Studien zwischen 15 und 25 Jahren. Unter den gegebenen Verhält­nissen in Deutschland, neben der täglichen Arbeit, ist uns ein so intensives Studium nicht möglich. Deshalb habe ich die wesentli­chen Punkte der buddhi­sti­schen Philoso­phie und Geistes­schulung so zusammengefasst, dass wir sie gut in insgesamt sieben Jahren neben dem Beruf erlernen können.

Sie erhalten schriftliches Studienmaterial. Doch die Texte allein sind nicht das Wichtigste. Viel­mehr kommt es haupt­sächlich auf das Verständnis an, das wir durch die Beschäftigung im Unterricht und in Diskussionen mit anderen Studenten erwerben. 

Ich möchte Sie als Teil­nehmer ermuti­gen, sich zum einen möglichst intensiv mit dem schriftli­chen Materi­al zu beschäfti­gen, zum anderen aber auch persönlich an den Studiens­kreisen teilzu­neh­men, soweit Ihnen das möglich ist. Für Fernstudenten ist es hilfreich, sich mit anderen Studienkollegen zu treffen oder sich im Forum und in Internetseminaren über die Inhalte auszutauschen. 

Wenn man die gegebenen Möglich­keiten wahr­nimmt und versucht, die Zeit des Studiums möglichst intensiv zu nutzen, kann man die begründete Hoffnung haben, dass man ein genaues und fundier­tes Ver­ständnis der buddhisti­schen Lehre, der Natur des Bewusstseins, erlangt. Ich erachte es für wichtig, Europäer auszubilden, die dann ihrerseits die Lehre des Buddha fundiert und korrekt kennen und anderen vermitteln können. 

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