Wie sollte man den Buddhismus anwenden, wenn das Wissen fehlt?

Geshe Lobsang Palden (1935-2016)

"In den tibetischen Klosteruniversitäten legen wir großen Wert auf das Studium, denn dieses dient der Bewahrung des Wissens und letztlich dem Bestand der buddhistischen Lehre insgesamt, auch für zukünftige Generationen. 

Würde nicht so ausführlich studiert, ginge viel von dem Wissen verloren. Die Folge wäre, dass der Buddhismus nicht in dieser Tiefgründigkeit und Vollständigkeit weiterbestehen könnte. Und das würde sich unweigerlich auf Praxis und Meditation auswirken. Irgendwann gäbe es keine Menschen mehr, die das umfangreiche Wissen, das in den Schriften enthalten ist, kennen. Niemand würde die Inhalte noch verstehen, so dass der Dharma degeneriert. Wie sollte man den Dharma anwenden, wenn kein vollständiges Wissen vorhanden wäre?

Studium und Lernen der Schriften dienen natürlich der  Praxis. So hat es Tsongkhapa, der Begründer der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus, in seinem Leben vorgemacht: Er hat anfangs viel gelernt und intensiv über den Dharma nachgedacht. Dann hat er, wie er selbst sagte, alles als persönliche Anleitung betrachtet und intensiv meditiert.

Wer nur studiert und nicht praktiziert, kann keine Erfahrungen machen und auch keine Verwirklichungen erlangen. Wir haben in Sera-Jhe ein geregeltes Studium mit Klassen, Debatten, Prüfungen usw. Wer das Studium abgeschlossen hat, hat die Aufgabe, den Dharma einzuüben und zu praktzieren – neben seiner Lehrtätigkeit. Man muss dann seine Zeit gut einteilen in Lehre und Praxis.

Das Studium soll die Praxis fördern. Wenn man das richtig versteht, ist das tiefe Verständnis des Dharma eine wichtige Grundlage für die Meditation, das Lernen macht die Praxis effektiver. Diese Anweisung ist in der tibetischen Tradition stark vertreten."

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