Klimaneutralität

Nachfolgend befindet sich eine Zusammenfassung und Übersicht zum Thema Klimawandel sowie die ersten vom Tibetischen Zentrum geplanten Schritte. Vielen Dank, lieber Flo für die Erarbeitung der Inhalte (Hier stellt sich Florian Lehmkuhl, unser ehrenamtlicher Helfer beim Thema Klimaneutralität, vor.)

Der Klimawandel - das sind die klimatischen Veränderungen, speziell die Erwärmung der Erdatmosphäre als Folge menschlichen Handelns. Greta Thunberg hat viele Millionen Menschen inspiriert, endlich zu handeln. Gleichzeitig musste sie uns bitter vor Augen führen, wie wir es wagen können, weiter vom Wachstum und vom großen Geld zu reden, während sich ein Massenaussterben ankündigt und zahllose fühlende Wesen leiden. Es ist wichtig, mit Eindringlichkeit und ohne Beschönigungen darüber zu reden. Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) benennt als wichtige Folgen des Klimawandels, das Schmelzen der Eismassen, einen Anstieg des Meeresspiegels weltweit und eine Zunahme extremer Wetterereignisse. Das bedeutet ganz konkret ausbleibende Ernten, Wassermangel, Zunahme von Waldbränden und zunehmende Wüstenbildung. Ganze Lebensräume werden absterben. Das bedeutet Leid und Tod für unzählige Lebewesen, nicht nur Menschen, sondern auch im gewaltigen Umfang Tiere. Wir wissen schlichtweg nicht, ob unser einziges Zuhause – dieser Planet noch für kommende Generationen bewohnbar sein wird.

Universelle Verantwortung

Im Buddhismus wird ein großer Fokus auf die tägliche Praxis und Meditation gelegt. Das ist gut und wichtig für die Entwicklung hin zu einem heilsameren Leben. Gleichzeitig reicht das nicht aus: „Wir müssen aus unserem Gewissen heraus aktiv werden.“ (SH Dalai Lama, 2021) Diese Aktivität sollten wir in einem globalen Sinne begreifen, mit Blick auf die gesamte Menschheit und den gesamten Planeten mit seinen Bewohnern. Wir sind abhängig entstanden und sind so auch in unserem Leben und Handeln abhängig von all den fühlenden Wesen und diesem Planeten – unserem Lebensraum.
Ein Gefühl von universeller Verantwortung sollte uns deshalb leiten, um unsere Beziehungen zur Umwelt und den Menschen auf der Welt zu verbessern.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bezeichnet "eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu komproimittieren, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen" (WCED, 1987). Das klingt im ersten Moment ziemlich einleuchtend und klar. Wenn man ins Detail geht, ist das aber schon gar nicht mehr so einfach. Die Meisten kennen die Diskussionen um in Plastik eingeschweißte Gurken. Glücklicherweise geben die Vereinten Nationen aber einen Katalog von 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals – SDGs), die dabei helfen, der oben genannten Definition Leben einzuhauchen. (Diese 17 Ziele sind zu finden auf der Seite der Vereinten Nationen, die Sie hier finden.) Idealerweise sollte sich jeder Mensch aber vor allem jede Organisation dazu Gedanken machen wie zu jedem einzelnen Ziel beigetragen werden kann. Für das Tibetische Zentrum wird auf Basis dieser Ziele eine Nachhaltigkeitsagenda entwickelt.

Klimaneutralität

Der Klimawandel beruht auf dem Treibhauseffekt also der durch Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2) oder Methan (CH4) größeren „Dämmung“ des Planeten. Was bedeutet, dass der Planet sich durch die Sonneneinstrahlung immer weiter erwärmt.
Es ist also wichtig, nicht noch mehr Treibhausgase freizusetzen. Aber das tut jeder Mensch direkt oder indirekt jeden Tag – vor allem durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas oder Öl. Die größte Menge (73,2 %) der Treibhausgase wird für Energieerzeugung emittiert (World Resources Institute, 2020). Nach Greta Thunbergs mitreißenden und aufrüttelnden Reden handeln langsam immer mehr Organisationen, um den Klimawandel und seine gefährlichen Auswirkungen auf die Ökosysteme unseres Planeten zu begrenzen (Science Based Targets initiative, 2020). Oft bedeutet dies, dass sie ihre Handlungen ändern und deren Auswirkung auf den Klimawandel nachhaltig verändern möchten, indem die Treibhausgasemissionen reduziert werden. Doch das ist nicht so einfach, wie es sich anhört und muss sowohl von Wissenschaftlern als auch von der Gesellschaft unterstützt und bewertet werden.

Das Tibetische Zentrum möchte langfristig klimaneutral werden, also nicht mehr Treibhausgase durch die Handlungen und Abläufe des Zentrums freisetzen, als es kompensiert. In den kommenden Monaten bedeutet das vor allem, den aktuellen Status zu ermitteln, indem die Treibhausgasemissionen berechnet werden. Wenn das passiert ist, können die Abläufe des Zentrums nach und nach hin zu klimaneutralen Varianten verändert werden. Das kann vor Allem durch die Nutzung von Erneuerbaren Energien wie Windenergie und Solarenergie geschehen.

Handeln

Es ist ein dringendes Thema und zusätzlich ist es sehr motivierend, mit dem Handeln sofort anzufangen. William Moomaw beschrieb im Interview mit Seiner Heiligkeit den Schutz von Wäldern weltweit und die Anpflanzung neuer Wälder als wichtigste Handlungen, um unseren Planeten zu kühlen.

 

Fotos (alle Pixabay): Gletscher: Bild von LuisValiente; Header "Grüne Erde in der Hand": Bild von Gerd Altmann; Header "Baumsetzling in der Hand": Bild von Nico Wall.

Vorstellung Florian Lehmkuhl

Hier stellt sich Florian Lehmkuhl, unser ehrenamtlicher Unterstützer beim Thema Klimaneutralität vor und er zeigt erste Schritte auf, die das Tibetische Zentrum jetzt gehen kann und wird:

„Hej, meine Name ist Florian Lehmkuhl. Ich arbeite als Ingenieur und habe mich lange gefragt, wie ich meiner Verantwortung gerecht werden kann. Im bloßen Entwickeln von Baumaschinen, Autos oder Produktionsanlagen habe ich sie nicht gefunden. Mein eigener spiritueller Weg mit dem Grundstudium im Lehrgang XI hat mir geholfen, etwas zu finden, was viele Menschen als langanhaltend heilsam empfinden können. Ich habe mich mit Medizintechnik, Plastikrecycling und schließlich Treibhausgasemissionen von Unternehmen auseinandergesetzt. Der Live-Stream Seiner Heiligkeit mit Greta Thunberg im Januar 2021 zu Verstärkern des Klimawandels und die Erscheinung des Buches Der Klima-Appell des Dalai Lama an die Welt – Schützt unsere Natur im März 2021 haben meine Motivation nochmals gestärkt. Ich bin sehr froh, meine berufliche Arbeit nun auch mit meinem geistigen Weg verbinden zu können.

"Buddha wäre ein Grüner“, schreibt Seine Heiligkeit im Klima-Appell. Was er damit meint, macht er auf den folgenden Seiten deutlich. Buddha wurde geboren, erlangte die Erleuchtung und starb unter einem Baum. Genauso wie der Baum Buddhas Leben begleitet hat, begleitet dieser Planet mein Leben. Er bietet mir den einzigen Lebensraum, in dem ich exsistieren kann. Ich habe das Abhängige Entstehen als eine der Leitideen des Dharmas kennengelernt – ich existiere in direkter Abhängigkeit zu diesem Lebensraum. So wie ich meinen Körper pfleglich behandele, damit ich den Dharma ausüben kann, sollte ich auch unseren Planeten pfleglich behandeln, damit ich den Dharma praktizieren kann. Das bedeutet konkret, dass ich ihm nicht mehr Ressourcen entnehme, als sich neu bilden oder kompensiert werden können. Im Fall der Klimaneutralität bedeutet das ganz konkret, durch mein Handeln nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre einzubringen, als ich ihr entnehme. Der größte Anteil der Treibhausgase (etwa 73% in 2020) wird weltweit freigesetzt für die Erzeugung von Energie, z.B. beim Verbrennen von Kohle, Holz, Erdöl oder Erdgas. Für das Tibetische Zentrum bedeutet eine Handlung auf dem Weg zur Klimaneutralität zum Beispiel, nur noch Strom aus Erneuerbaren Energien einzukaufen.

Natürlich ist mir bewusst, dass es mit Klimaneutralität alleine nicht getan ist aber man muss irgendwo anfangen. Basierend auf den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen möchte ich das Tibetische Zentrum dabei unterstützen, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln. Das Thema Klimaneutralität darf also als Beginn dieser Reise verstanden werden.

Ich freue mich, wenn ich heilsame Handlungen ausführen kann und hoffe immer, dass sie wirklich heilsam sind. William Moomaw, ein erfahrener Wissenschaftler in Klimafragen, hat im Interview mit dem Dalai Lama gesagt, dass wir Wälder schützen und zusätzliche neue Bäume pflanzen müssen.
Das Tibetische Zentrum fängt nun an, in Berne, der Güntherstraße und in Semkye Ling Bäume zu pflanzen. Wer sich ebenfalls z. B. durch die Unterstützung von Organisationen engagieren möchte, findet viele Organistaionen, um dort zu unterstützen.

Florian Lehmkuhl

Ein paar Fragen an Florian

Fragen zur Klimaneutralität

Interview im Juli 2021:

Bei deiner Vorstellung hast du geschrieben, „dass es mit Klimaneutralität“ nicht getan ist. Was ist sonst noch zu tun?

Florian: Das ist eine gute Frage. Klimaneutralität besagt ja, dass wir die Erderwärmung durch den Treibhauseffekt nicht weiter verstärken. Das ist erstmal ein gutes Ansinnen und schon schwierig zu erreichen. Allerdings müssen wir eigentlich auch all die Treibhausgase, die wir vor allem durch die Verbrennung von Kohle und Erdöl in die Atmosphäre entlassen haben, auch wieder zurückholen. Zudem hat das aktuelle Leben des Menschen auf der Erde noch viele andere Auswirkungen, die unserem Zuhause schaden. Beispiele dafür sind das Aussterben ganzer Arten, die Verschmutzung von Landstrichen oder die Verseuchung von Wasser. Wir müssen ganzheitlich an diese Problemfelder herangehen, um langfristig und nachhaltig auf diesem Planeten leben zu können. Aus diesen Gründen ist es mit Klimaneutralität allein leider nicht getan. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bieten hier aber eine wichtige Orientierungshilfe, was zu tun ist.

Hast du schon Erfahrungen damit, wie viel sich in den Unternehmen wirklich verändert? Bäume pflanzen ist gut, aber auch ein bisschen so etwas wie ein Ablass-Handel, wenngleich ein sinnvoller. Aber reduzieren sich hier und da auch die Klima-Sünden in dem Umfeld, in dem du tätig bist?

Florian: Im Studium habe ich schon begonnen, mich mit Kreislaufwirtschaft und CO2-Reduktion auseinander zu setzen. Unternehmen versuchen vor allem seit dem Pariser Klimaabkommen 2015, gegen ihre Klima-Sünden zu arbeiten. Einerseits gibt es da den Druck der Verbraucher, wie die Fridays for Future Bewegung zeigt. Andererseits werden auch die regulatorischen Vorgaben, wie die europäischen Klimaziele, immer härter. Der Druck ist also da. Ich sehe, dass sich unter diesen Gesichtspunkten etwas bewegt. Der CO2-Ausstoß wird reduziert, vor allem durch den Einsatz erneuerbarer Energien und die Reduzierung des Energieverbrauchs. Dazu kommt der immer größere Einsatz von recycleten Materialien und die Reduzierung des Wasserverbauchs. Aber wir haben noch einen schwierigen und weiten Weg vor uns.

Ein bekannter Fotograf, Sebastiao Salgado, hat vor einigen Jahren ein Projekt  zur Wiederherstellung des Regenwaldes in seiner Heimat umgesetzt, nachdem er über Jahrzehnte hinweg fotografisch festgehalten hat, was der Mensch durch Kriege, Hungersnot und so weiter anrichtet. Seine Botschaft war nach diesem heilsamen Projekt, dass wir Schaden auch wieder beheben können. Kennst du „Klima-Erfolgsgeschichten“, die Mut machen?

Florian: Oh ja, das macht wirklich Mut. Für mich persönlich ist die Zeit mit Corona eine Motivation. Im letzten Jahr hörten auf einmal soviele Menschen auf, geschäftlich zu Reisen und der CO2 Ausstoß durch den Flugverkehr innerhalb deutschlands ist um die Hälfte zurückgegangen. Zudem haben wir gelernt, dass wir auch online viel umsetzen können, ohne zu Reisen. Zudem sind die USA als einer der großen Klimasünder unter Joe Biden dem Pariser Klimaabkommen wieder beigetreten, auch das macht mir viel Mut.

Klima/Umwelt und Buddhismus. Auch S. H. der Dalai Lama räumt dem Thema ja eine sehr hohe Priorität ein. Anlässlich seines 86. Geburtstages hatte er zwei Botschaften: „Seid friedlich im Geist und miteinander UND kümmert euch um diese Erde.“ Denkst du, dass das Thema durch deine Beschäftigung mit dem Buddhismus, dem abhängigen Entstehen, der Ethik und so weiter, eine andere Relevanz für dich bekommen hat?

Florian: Da gibt es wohl nur eine Antwort: JA! Ich bemerke es besonders in der Auseinandersetzung mit einer pflanzlichen Ernährung. Ich habe mich Ende 2017 nach einem Aufenthalt im Kloster Kopan in Nepal für eine vegetarische Ernährung aus ethischen Gründen entschieden. Ich möchte nicht töten und auch nicht, dass für mich getötet wird. Seitdem habe ich aber gelernt, dass eine fleischliche Ernährung auch sehr schädlich für das Klima, die Biodiversität und den Wasserverbrauch ist.
Ich befinde mich aber noch am Anfang dieses Weges. Im Moment beschäftigt mich besonders die Frage, wie genau die universale Ethik dabei helfen kann langfristig auf dieser Erde leben zu können.

Manchmal wundert man sich, welche Handlungen sich positiv auf das Klima auswirken. Hast du ein paar alltagstaugliche Tipps, womit wir etwas ändern, ohne dass wir das gedacht hätten? Ich denke dabei an so was wie: „Wenn man die Yoghurtbecher nicht selbst mit heißem Wasser auswäscht, damit der Mülleimer nicht stinkt, erspart das eine Menge Energieerzeugung für heißes Wasser. Und der Recycling-Unternehmer muss es ja so oder so waschen…“

Florian: Das ist schon ein guter Punkt. Positiv wirkt sich definitiv aus, darüber zu sprechen, Botschafter im Kleinen zu werden. Dazu bringt es viel, bei Strom- und Gasversorgung auf erneuerbare Energien zu wechseln. Mann kann auch eine wieder befüllbare Wasserflasche verwenden. Eine weitere Möglichkeit ist auch sicherlich der Kauf von gebrauchten Dingen und die Reparatur von kaputten Dingen.

Und umgekehrt. Wann denken wir deiner Meinung nach nicht an das Klima, obwohl es global vielleicht massive Auswirkungen hat? Bekannter sind ungewöhnliche CO2-Produzenten wie die „Darmwinde“ von Rindern…  Fleisch essen belastet also massiv das Klima. Gibt es noch mehr solcher zunächst nicht augenscheinlichen und bekannten Auswirkungen?

Florian: Gerade bei indirekten Emissionen ist häufig schwer zu fassen, was unser Handeln für Auswirkungen hat. Ein Beispiel dafür ist das Schweröl, das auf Containerschiffen verbrannt wird, damit wir all die nützlichen Dinge unseres Alltags aus China hier in Europa nutzen können. Oder auch der Energieverbrauch von Rechenzentren, wenn wir mal wieder etwas bei Google suchen.

Vielen Dank, lieber Florian!

Das Interview haben wir im Juli 2021 schriftlich geführt.

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