Würdigung von Tsewang Norbu | Mitbegründer der Tibet Initiative DE

Mit dem überraschenden Tod von Tsewang Norbu hat Deutschland ein dieses Land lange Jahre bereicherndes Original verloren. Alle, die ihn kannten, traf die Nachricht seines Todes als ein Schock. Tsewang Norbu hat in seiner Funktion als beherzte Stimme für die Anliegen der Tibeter auch immer wieder die TiBu mit Beiträgen versorgt. Wer irgendwie mit Tibet und Buddhismus in Kontakt kam, wurde rasch auf ihn aufmerksam, als rasender Reporter für diverse Medien, Stiftungen und Unterstützergruppen der Sache Tibets, ob bei Besuchen S.H. des Dalai Lama, dem Berlinale Film-Festival, Besuchen Samdhong Rinpoches und vieler namhafter hochkarätiger tibetischer Persönlichkeiten, deren Wirken er seine engagierte Unterstützung schenkte. Nicht zuletzt auch ihm ist es zu verdanken, dass S.H. Dalai Lama so enge Beziehungen zu Deutschland entwickelte, als er sich in den 80er Jahren im Hintergrund zusammen mit Petra Kelly für die Situation Tibets, für eine Ansprache und Einladung des Dalai Lama vor dem Bundestag einsetzte.

Der Mensch Tsewang Norbu war ein hochintelligenter Mann mit vielen Talenten. Wäre er in Deutschland geboren, hätte er gut als ein unbequemer Intellektueller mit wohl-dotiertem Posten ein politisches oder sozialwissenschaftliches Institut leiten können und seinen scharfsinnigen Ideen dadurch mehr Reichweite verschafft. Mir gegenüber äußerte er Bedauern darüber, dass er den Weg eines Studiums letztendlich nicht gegangen war.  Das schien ihn zu wurmen, denn natürlich wäre die offizielle Wahrnehmung seiner Person eine andere gewesen. Aber tatsächlich hat er durch sein vielfältiges öffentliches Wirken das weise Wort: “Kannst Du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe in deinem Haus!“ wahrlich erfüllt. Ich schätzte seine unterstützende Art, sein Geschick und seine unbeirrbare Determiniertheit. Er hatte einfach Charakter und Persönlichkeit und den Mut, seine liebenswerten Schrullen mit feiner Selbst-Ironie auszuleben: Eher von kleiner Statur, unterstrich er seine Männlichkeit mit vollem Bart und Lockenpracht, was ihm ein recht wildes Äußeres verlieh. Kontrastierend seine sanfte, eher zurückhaltende Stimme. Tibeter verbrämen ihre Kleidung gerne mit (heute Plüsch-) Raubtier-Fellen, er lebte diese Facette aus, indem er als passionierter Katzenliebhaber bekennende T-Shirts mit äußerst bezaubernden Katzenmotiven trug - man kennt ihn gar nicht ohne, sie waren sein Markenzeichen - gelegentlich durfte es auch ein lustiger Tiger sein, nichts passte besser zu ihm. Auch modisch ein Freigeist mit Charme. Allen, die ihn kannten, wird er schmerzlich fehlen. Möge sein weiterer Weg ein glücklicher sein!

 

Nicola Hernádi

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