Bericht vom Kinder- und Jugendkongress der DBU

von Anke Plagge, Mutter von drei Kindern und Absolventin des Systematischen Studiums des Buddhismus im Tibetischen Zentrum

Am Freitag, den 24.Oktober steigen wir zu fünft in den Zug, um nach Augsburg zum DBU-Kongress mit dem Thema „Wege in die Zukunft. Ein Event für Kinder, Jugendliche und Erwachsene“ zu fahren. Die Reise ist lang, die Kinder klein, das Programm viel versprechend und umfangreich.

Busse fahren als Sonderfahrten von der Unterkunft zum Veranstaltungsort, dem Kulturzentrum der Alevitischen Gemeinde Augsburg. Die Räumlichkeiten sind schön und großzügig. Es gibt einen Saal mit Bühne, einen Gebetsraum und diverse Gruppenräume. Die Gemeindemitglieder sorgen auch für das Mittag- und Abendessen. Im Saal sind Mönchsbilder von Piet Essens ausgestellt.

Eingeleitet wird der Kongress von Dorin Genpo Zenji, der den Kongress initiiert und nach Augsburg geholt hat. Er leitet seit 18 Jahren einen Zen-Tempel in Dinkelscherben. Die Stadt Augsburg ist vertreten, die Aleviten und der DBU begrüßen die Gäste und wünschen ein gutes Gelingen.

Am Samstag geht es los mit den Vorträgen und Workshops, bis zu sieben Angebote finden parallel statt: für Kinder ab vier Jahren mit Eltern, ab sechs Jahren, ab Neun, für Jugendliche, für Alle oder nur für Erwachsene.

Ich gehe mit meiner vierjährigen Jana zu Sister Cittapala, einer deutsche Theravada-Nonne die im Kloster Amaravati in England lebt. Das Thema lautet: „Was würde ich den Buddha fragen, eine spielerische Wahrheitssuche“. Sie hat das Thema sehr nett und kindgerecht eingefädelt und noch zwei Helfer mitgebracht, ein Lamm und ein Teufelchen aus Stoff. Nachdem uns klar ist, dass in uns die Kraft der Weisheit schlummert, überlegt sich jeder seine Frage. Jana hat sogar zwei wichtige Fragen und so sitzen wir in Kleingruppen, gehen in uns, um Antworten auf die vielen Fragen zu finden. Ältere Kinder fragen z.B. Warum gibt es gut und böse? Warum gibt es Kriege? Meine Vierjährige beschäftigen dagegen Fragen wie „Warum wohnt der liebe Gott im Himmel?“ und „Warum leben Engel nicht in Deutschland?“

Währenddessen macht unsere sechsjährige Johanna verschiedene Achtsamkeitsübungen beim Malen, Singen, sich Bewegen, beim Atmen und schließlich bei der Meditation. Angeleitet wurde dieses Angebot von Steffi Höltje und Margret de Badkere, Schülerinnen von Thich Nhat Hanh.

In den Pausen stehen Kisten mit Bio Äpfeln und Bio Bananen zum Verzehr bereit. Anschließend gehe ich mit unserer Vierjährigen zur Kalligraphie. Familie Beule aus Köln, Schüler von Sogyal Rinpoche, leiten es an. Die beiden bieten in Köln buddhistische Kindergruppen an und organisieren dort Familientage. Die Sechsjährige hört währenddessen ein buddhistisches Märchen (Christine Schwegler) und spielt dieses mit den anderen Kindern nach. Thema ist der Igel Micha, der das Glück sucht und dabei viele andere Tiere trifft. Gelungen! Beide haben ihren Spaß, und ich kann nun etwas mehr mit Kalligraphie anfangen. Erstaunlich was für Bilder entstehen!

Draußen gibt es zum Toben Hüpfburgen und einen großen Rasenplatz. Für die Erwachsenen gibt es ein großes Zelt mit Info-Ständen.

Am Nachmittag geht Jens mit Tochter Johanna in den Workshop von Anna Matzenauer (Coaching für Kinder, Jugendliche und Erwachsene) mit dem Thema „Cool bleiben bei Stress - Spielend lernen zu entspannen“. Dort malt sie ein Stressmännchen, Dinge, die ihr Stress machen und Dinge die sie sehr gerne tut.

Ich habe mich währenddessen bei Britta Hahn darüber informiert, wie „Achtsamkeit für unsere Kinder entstehen kann, wenn wir wütend sind“. Dazu stellte sie ihre Erfahrungen mit Meridian-Klopfübungen dar. Sie hat ein Buch mit dem Titel „Ich will anders, als du willst, Mama, Kinder dürfen ihren Willen haben - Eltern auch. Erfahrungen mit der Anwendung von Gewaltfreier Kommunikation in der Familie“ geschrieben.

Nach dem Abendessen erheitert der Clown und Kabarettist Uwe Spille jung und alt mit seiner Ferdinant-Show. Nach diesem lustigen Abend geht Jens mit den Mädchen am Sonntagvormittag zu Spille`s Angebot „Wie bringen eure Eltern euch eigentlich den Dharma bei?“ Auch hier versteht er mit Witz und Kreativität, den Kindern Geschichten und Fragen nahe zu bringen.

Ich höre mir den Vortrag von Lienhard Valentin im Saal an. Sein Thema lautet „Mit Kindern wachsen- Die Praxis der Achtsamkeit in der Familie“. Er ist auch der Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift. Wie gut, dass hier Platz ist und das es ein Kongress für Kinder ist, denn unser fast zweijähriger Sohn rennt fortlaufend auf die Bühne. An der einen Seite steigt er die Treppen hienauf, läuft einmal über die gesamte Bühne und am anderen Ende wieder hinab, am Referenten vorbei und das ganze wieder von vorne, mindestens zehn mal. Wie angenehm, dass es niemanden stört. Zum Thema findet in Semkye Ling vom 20.-22.02 09 ein Elternseminar mit Bettina Rollwagen und Sabine Heggemann mit dem Titel „Mit Kindern neue Wege gehen“ statt.

Als letzten Workshop entscheiden wir uns alle für Familie Beule „Familienmeditation- Das gemeinsame Darbringen eines Lichtopfers“. Es geht um die Kraft des Gebets. Kinder und Erwachsene können erzählen, ob sie daran glauben und ob sie Erfahrungen damit gemacht haben. Mechthild Beule-Kolb erzählt den Kindern die Geschichte von der armen Bettlerin, die dem Buddha so gerne ein Lichtopfer darbringen möchte. Danach überlegt sich jeder für wen er ein Licht anzünden möchte. Nacheinander werden so die Kerzen angezündet, wer mag, kann es laut aussprechen. Die Gruppe unterstützt mit dem Gedenken „Möge dein Wunsch in Erfüllung gehen“. Auch hier überrascht unsere Vierjährige. Im Mai waren wir auf einen Motorradunfall gestoßen. Jens, der auch Arzt ist, unterstützte als Ersthelfer, bis der Notarztwagen kam. Ich saß mit den Kindern im Auto und habe das Geschehen mit ihnen besprochen und Gebete gemacht. Leider ist der Fahrer noch am Unfallort gestorben. Für ihn entzündete sie ihr Licht.

Natürlich gab es noch viele weitere Veranstaltungen. Die Jugendlichen waren offensichtlich auch sehr zufrieden in ihren Gruppen (begleitet von Julian Gebken, Armin Torbecke und Anna Matzenauer). Dort ging es um Visionsklärung, Gewaltfreie Kommunikation, Entspannung und Meditation.

Besondere Erwähnung soll der Zenmeister Hozumi Gensho Roshi aus Japan finden, der Lehrer von Dorin Genpo Zenji, der in seinem Vortrag auf die Rolle des Buddhismus im Zen-Buddhismus einging. Des weiteren berichtete Oswald Rabas über die Aktive Schule Allgäu.

Die Hebamme Dorothea Heidorn sprach über Geburtsvorbereitung und das Leben mit einem Säugling, Sabine Ott gab einen Workshop über Gewalt an Kindern und Waldemar Schneider zauberte.

Abschließend gibt es eine Widmungszeremonie fast aller Referenten und Lehrer gemäß ihrer Tradition. Nach einem weiteren türkischen Mittagessen der gastfreundlichen Alevitischen Gemeindemitglieder fährt uns der Shuttle-Bus zum Bahnhof.Wir fühlen uns bereichert durch dieses Wochenende! Die lange Anreise hat sich gelohnt. Die Organisation war super!

Zu wünschen bleibt uns, dass es möglichst bald zur Selbstverständlichkeit wird, als Familie bei buddhistischen Unterweisungen, Camps, Seminaren und Vorträgen teilnehmen zu können, ohne das Gefühl zu haben Kinder seien ein Hindernis bei der Dharmapraxis und stören nur die Bemühungen auf dem Weg zur Buddhaschaft.

Kinder fordern uns heraus. Denken wir auf dem Kissen vielleicht, dass wir es schon recht weit gebracht haben mit unserer inneren Ruhe, Gelassenheit, Geduld und Weisheit, so stellen uns unsere Kinder doch Tag und Nacht auf die Probe und beweisen uns das Gegenteil.


Für interessierte Eltern hier interessante Links:

DBU: www.buddhismus-kongress.de

Dorin Genpo Zenji: www.shoboji.de

Sister Cittapala: www.family.amaravati.org

Mechthild Beule-Kolb: www.rigpeyeshe.org

Britta Hahn: www.echtstattnett.de

Dorothea Heidorn: www.hebamme-heidorn.de

Anna Matzenauer. www.lotus-consult.de

 

Oswald Rabas: www.aktiveschule.de

Christine Schwegler: www.jeux.de

Uwe Spille: www.spille-vs.de

Armin Torbecke: www.konflikttransformation.de, www.av-ev.

Lienhard Valentin: www.mit-kindern-wachsen.de

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