Konferenz buddhistischer Frauen in der Mongolei

Buddhism im Wandel. Tradition, Veränderungen und Herausforderungen.

Bericht von der 10. Internationalen Sakyadhita-Konferenz über buddhistische Frauen in Ulaan Baatar, Mongolei

Vom 1. bis 5. Juli fand in Ulaan Baatar, der Hauptstadt der Mongolei, die 10. Internationale Konferenz über buddhistische Frauen des Netzwerkes Sakyadhita statt. Seit der Gründung von Sakyadhita 1987 werden alle zwei Jahre in den asiatischen Ländern diese Konferenzen organisiert. Ziele sind die Wiederherstellung des buddhistischen Nonnenordens in den Ländern, in denen die Übertragungslinie unterbrochen wurde, Bildungsprojekte für Nonnen und Laienfrauen zu initiieren und sich gleichzeitig weltweit über die verschiedenen Traditionen zu vernetzen.

150 Teilnehmerinnen aus 25 Ländern und einige wenige Männer sowie rund 200 Mongolinnen trafen sich in der Mongolei zur inzwischen 10. Konferenz. Das Programm bestand aus Vorträgen, Workshops und einem mongolischen Kulturprogramm. Dazu gab es wie immer am Ende der Konferenz, die Möglichkeit, an verschiedenen Reisen durchs Land teilzunehmen und Nonnen- und Mönchsklöster zu besuchen.

Im Hotel Mongolia, ungefähr eine halbe Stunde mit dem Bus von Ulaan Baatar entfernt, fand die Konferenz statt. Die Eröffnung fand im Central Palace of Culture auf dem Such Baatar Square in Ulaan Baatar statt. Auf diesem Platz befinden sich auch Parlamentsgebäude und Konsulate.

Erschütternd war, dass es zwei Tage nach Beginn der Konferenz im Zuge der Wahlen und damit zusammenhängender Unstimmigkeiten auf demselben Platz zu Ausschreitungen kam, die von der Polizei mit Schusswaffengebrauch niedergeschlagen wurden. Drei Menschen starben, es gab viele Verletzte und hunderte Menschen kamen ins Gefängnis kamen. Für einige Tage verhängten die Behörden den Ausnahmezustand mit Ausgangssperre.

Vorträge, Workshops, Meditationen

Nonnen aus den verschiedenen buddhistischen Traditionen aus Burma, Nepal, Sri Lanka, Taiwan, Korea, Vietnam, China, Japan, Mongolia, und Tibet eröffneten die 10. Konferenz. Karma Lekshe Tsomo, Präsidentin von Sakyadhita International, hieß die Teilnehmerinnen willkommen. Sie dankte für die Unterstützung von Seiten der Mongolei.

Das Programm war angefüllt mit Vorträgen, Workshops, Morgenmeditationen in den verschiedenen Traditionen, Tai Chi, Kreistanz und sogar Rap.

Konferenzsprache war wie üblich Englisch. Die Vorträge wurden simultan ins Japanische, Mongolische, Tibetische und Koreanische übersetzt.

Paula Arai sprach über “Domestic Zen” und zeigte, wie die täglichen Rituale speziell das Leben der älteren Menschen, gerade von Frauen, erfüllen und Sinn stiftend wirken. „The most important thing to these women is that the effects of a practice are immediate and direct. From calming down in a moment of crisis, to being compassionately embraced despite an avalanche of tragedy, to being cured after a terminal diagnosis, these women have found empowerment for themselves and their families in their domestic Zen practices.”

Dies ist interessant für einen buddhistisch-christlichen Dialog, da das Ritual und der Glaube daran, dass das Ritual Wirkung zeitigt, für bei beide Religionen wichtig ist.

Die Nonne Tenzin Palmo, die letztes Jahr auch in Hamburg an dem „International Congress on Buddhist Women´s Role in the Sangha“ teilgenommen hatte, sprach über die Aufgabe und die Notwendigkeit des monastischen Sangha gerade in einer Gesellschaft, die immer oberflächlicher, materialistisch und übersexualisiert ist.

Christie Yuling Chang befasste sich in ihrem Vortrag mit der Generation M3 in Taiwan, die Generation „Me“, „M-Shape“, und „Martian Language“. Das steht für eine Generation, die ichbezogen ist und zur Mittelklasse gehören möchte in einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen reich und arm immer weiter auseinandergeht. Diese Generation benutzt eine „Jugendsprache“, die schon von Vierzigjährigen nur noch mit Wörterbuch verstanden wird. Der Buddha, würde er heute sprechen, so Chang, würde sicher in der Sprache dieser Generation reden.

Sandy Boucher sprach über buddhistische Laienfrauen in Amerika. Sie gab einen Überblick über buddhistische Frauen in den letzten dreißig Jahren. Vieles, so Boucher, habe sich verändert. Auch Frauen leiten inzwischen Tempel, das Buddhist Peace Fellowship wird von einer Afro-Amerikanerinnen geleitet und lesbische Frauen hinterfragen den Buddhismus aus ihrer Perspektive.

Rotraut Wurst sprach über die Unterstützung für die jüngere Generation: Nachhilfe, Motivationstraining, gemeinsames Lernen auf Augenhöhe ist u.a. ihr Aufgabengebiet. Ungewöhnlich war ihr Einstieg ins Thema: ein Rap über “Engagement”, der die Teilnehmerinnen begeisterte. Der Rap wurde von Babeth VanLoo von der Buddhist Broadcast Foundation, Niederlande, aufgenommen und soll demnächst unter www.drwurst.de und auf www.youtube.de zu sehen sein.

Auch die Workshops boten eine riesige Bandbreite: Von der Frage: „Wie würde sich Ihr Land verändern, wenn es eine Präsidentin bekäme“ über die Thai Chi-Vorführung samt Tai Chi-Workshop bis zur Frage, wie das Management eines Tempels aussehen könne, es war für jede etwas dabei.

Kurzfristig initiierte Karma Lekshe Tsomo einen Workshop zu “Buddhismus und Pop“ unter der Leitung von Rotraut Wurst. Daran nahmen auch drei Ordinierte aus der Theravada-Tradition teil. Diese hatten die Idee, einen Text zur Zufluchtnahme und dem Überwinden des Leidens in Newari zu rezitieren, der auch ins Englische übersetzt wurde. So entstand ein buddhistischer Rap, der seine Basis in der Tradition der buddhistischen Rezitation hatte.

Es war ein Erlebnis, so viele interessante Frauen aus verschiedenen Kulturen und buddhistischen Traditionen kennen zu lernen, mit ihnen zu diskutieren, den Vorträgen zu lauschen und Ideen austauschen. Die nächste Konferenz wird in zwei Jahren in Vietnam stattfinden

Rotraut Wurst

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