Das buddhistische Tantra

Weisheit und Methode sind die Säulen aller buddhistischen Traditionen. Das buddhistische Tantra lehrt besonders ausgefeilte Techniken und Yoga-Übungen, um Weisheit und Methode zu vereinigen. In der tantrischen Meditation wird mit tiefen Schichten des Bewusstseins gearbeitet. Da diese für einen gewöhnlichen Menschen schwer zugänglich sind, gilt das Tantra als besonders schwierige und fortgeschrittene Praxis.

Geshe Thubten Ngawang (1932-003), ehemaliger Leiter des Tibetischen Zentrums in Hamburg, sagte dazu „Die vollständige Überwindung aller Hindernisse im äußerst subtilen, angeborenen Geist ist wohl nur durch das buddhistische Tantra möglich, denn dazu muss man die endgültige Natur dieses subtilen Geistes verstehen und darüber meditieren. Mir ist nicht bekannt, dass so etwas in anderen, nicht-buddhistischen Tantras erklärt wird.“

Reine Wahrnehmungen

Das Tantra macht es sich zunutze, dass die Wirklichkeit sehr stark von der Wahrnehmung geprägt ist. Was Menschen normalerweise als „real“ empfinden, hängt von ihrer gewöhnlichen, meist unreinen Sichtweise ab. Wer sich an reine, glückselige Wahrnehmungen gewöhnt, wie sie ein Buddha hat, kann seinen Geist läutern; er wird die Welt dadurch anders erleben und sich in seinem Handeln stärker von Mitgefühl und Weisheit leiten lassen. Darum geht es im buddhistischen Tantra.

Indem man sich in der Meditation nicht wie gewöhnlich mit den negativen Aspekten seiner Persönlichkeit identifiziert, sondern mit den Tugenden eines Buddha, nähert man sich diesem Zustand schneller an, sofern man die Voraussetzungen für diese fortgeschrittene Praxis mitbringt.

Voraussetzung für die Übung des Tantra ist Erfahrung in den grundlegenden buddhistischen Inhalten wie Tod und Vergänglichkeit, Karma und Wiedergeburt, die Vier Wahrheiten, Mitgefühl und Weisheit. Die Anleitung durch einen qualifizierten Meister ist unerlässlich. Im Tantra, zu dem man nur durch eine Initiation durch einen Meister überhaupt Zugang erhält, wird das gute Verhältnis zum Lehrer besonders hervorgehoben. Bei den schwierigen Meditationen, besonders auch mit den tieferen Schichten des Geistes, braucht man fachkundige Führer, um nicht vom Weg abzukommen.

Im Tantra gibt es eine reiche, tiefgründige Symbolik. Die Vereinigung männlicher und weiblicher Gottheit, wie man sie in tibetischen Tempeln auf Rollbildern und in Form von Statuen findet, steht für die Einheit von Methode und Weisheit. Alle Attribute der Meditationsgottheit, zum Beispiel Handattribute, symbolisieren buddhistische Tugenden, mit denen sich der Übenden in der Meditation identifiziert

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