Der Dalai Lama zum Tee bei Irmtraut Wäger |
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Sagen Sie, ist das sein Double oder ist er das wirklich?“ flüstert mir die Stewardess auf dem Lufthansa- Flug von Berlin nach München zu. „Nein, das ist der Dalai Lama, entgegne ich,“ wohl wissend, dass Verwechslungen nicht selten sind und manchmal andere tibetische Lamas für den Dalai Lama gehalten werden, wenn sie im Westen unterwegs sind. Die Crew wusste offenbar nicht, welchen besonderen Gast sie am 31. Mai an Bord hatte. Der Dalai Lama macht kein großes Aufheben von sich. Er fliegt in der Regel nicht erster Klasse, höchstens Business class, wenn es sie gibt. Spätestens am Flughafen in München hatte sich herumgesprochen, dass der Dalai Lama im Flugzeug ist. Direkt an dem kleinen „City Hopper“ werden er und seine Entourage vom Personenschutz des Landeskriminalamts, der örtlichen Polizei, den Gastgebern und einem Limousinenpark des Freistaates Bayern erwartet. Ähnlich erstaunt ist die Reaktion der Anlieger in einem Hochhausviertel in München, als am Samstag Nachmittag der große Konvoi, bestehend aus Polizeifahrzeugen, weißen Mäusen, einer schwarzen Panzerlimousine und silbergrauen BMW-Limousinen zügig durch die schmalen Straßen fährt. Neugierig schauen die Menschen von ihrer Arbeit in den Vorgärten und Gesprächen mit den Nachbarn auf: „Wer kommt denn da?“ Auch für die Fahrer ein ungewohntes Ziel. Vor dem Mietshochhaus in der Mauthäuslstraße waren schon seit Tagen die Parkplätze abgeriegelt gewesen, aber kaum jemand wusste warum. „Privatbesuch“ steht auf dem Besuchsprogramm des Dalai Lama. An der Straße wartet mit strahlend weißem Khatag und vor Aufregung rot leuchtenden Wangen Ama- la (tibetische, höfliche Anrede für „Mutter“), wie der Dalai Lama sie bei ihrer ersten Begegnung liebevoll nannte: Irmtraut Wäger. Geboren 1919 in Ostpreußen, hat sie 1983 den Vorsitz der 1962 gegründeten Deutschen Tibethilfe übernommen. Sie arbeitet seit 25 Jahren für die Verbesserung der Lage der Tibeter im Exil und hat im Laufe dieser Zeit viele Patenschaften für tibetische Flüchtlinge im Exil vermittelt. Derzeit sind es 5000 Patenschaften für alte und junge Tibeterinnen und Tibeter, für Schüler und Studenten, Mönche und Nonnen. Seit Jahren bereist sie regelmäßig die Siedlungen in Indien, die sie fördert. S.H. der Dalai Lama begrüßt Irmtraut Wäger herzlich. Gemeinsam fahren sie in dem kleinen, etwas klapprigen Fahrstuhl hinauf in den dritten Stock. Helferinnen und Helfer der Deutschen Tibethilfe erwarten den hohen Gast mit ihren Khatags. Zielstrebig steuert Seine Heiligkeit über den kleinen Flur neugierig in die kleine Küche der 58qm-Wohnung und schaut sich interessiert um. In dem schönen bunten Korbsessel, der extra für ihn vorbeitet war, will er gar nicht sitzen. Lieber klettert er in die Ecke des gemütlichen alten Sofas, auf dem wie immer ein schöner tibetischer Sitzteppich liegt und von dessen Rückenlehne den Dalai Lama eine bunte Reihe Teddybären anlacht. Da sitzen sie nun, der Dalai Lama und Irmtraut Wäger. Wie oft hatten die 84-Jährige und ihre fleißigen Helfer sich spaßeshalber vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn der Dalai Lama einfach so durch die Tür käme, und was er wohl zu ihrem „Riesenbüro“ sagen würde, das sich viele Tibeter in Indien vorstellen. Die Idee des Besuchs war erst kürzlich geboren worden. Eine Anfrage des Repräsentanten S. H. des Dalai Lama, Chhime R. Chhoekyapa, und des Münchner Dieter Reichart, in Dharamsala folgte, die Entscheidung überließ man ganz und gar S. H. dem Dalai Lama persönlich. Ehe man sich versah, kam spontan die Zusage: Sehr gern käme er auf eine Tasse Tee vorbei. „Tee oder lieber heißes Wasser“, fragt eine Freundin der Gastgeberin den Dalai Lama: „Heißes Wasser“, kam die Antwort. Man kennt ja inzwischen die kleinen Vorlieben Seiner Heiligkeit. Während er genüsslich sein heißes Wasser trinkt, sieht er sich erstaunt um. Aus dieser kleinen Wohnung heraus, die halb Büro und halb Privatwohnung ist, hat Irmtraut Wäger so viel für die Tibeter im Exil bewirkt? Ein bisschen Tibet hat hier Einzug gehalten: Ringsherum Fotos, Thangkas, tibetische Teppiche und Bücher, Statuen und Butterlampen auf dem Wohnzimmerschrank, handgemachte Yaks und silberne tibetische Teetassen in der Glasvitrine. Dazwischen Telefon, Computer, fünf riesengroße Karteikästen. Nach einer Begrüßung durch die engsten Mitarbeiter, die der Dalai Lama alle fröhlich lachend mit auf sein Sofa bittet, folgt ein längeres persönliches Gespräch, nicht etwa über die Arbeit, sondern über Indienreisen, gemeinsame Begegnungen, dies und das. Die Atmosphäre ist heiter und gelöst wie immer in der Gegenwart des Dalai Lama. Dann folgen noch ein gemeinsames Gruppenfoto und ein „Rundgang“ durch die kleine Wohnung: „Hier auf meinem Bett liegen sonst tagsüber viele Papierberge. Abends werden sie abgeräumt, und dann kann ich hier schlafen“, erklärt Irmtraut Wäger ganz selbstverständlich. Das Bügelbrett, das manchmal als zusätzlicher Schreibtisch dient, steht zusammengeklappt in der Ecke. Seine Heiligkeit schüttelt ungläubig den Kopf. Er zelebriert ein kurzes Segensritual, und auf dem Weg nach draußen gibt er noch ein kurzes Fernseh-Interview. Vor der Tür, wo sich inzwischen der Besuch herumgesprochen hat, warten viele Nachbarn. Der Repräsentant des Dalai Lama schaut leicht besorgt auf die Uhr. Hier ein Khatag, da noch schnell die Frage eines Journalisten. Seine Heiligkeit hat die vorgeschriebene Zeit leicht überzogen. Am nächsten Tag in der Olympiahalle erklärt er vor 10.000 Menschen, welch effektive Arbeit in diesem scheinbaren Durcheinander geleistet wird: „Das ist Irmtraut Wäger, die Mutter vieler Tibeter. Gestern war ich bei ihr zu Hause. Das heißt, ich weiß gar nicht, ob ich nun in einer Privatwohnung mit Büro oder in einem Büro mit Privatwohnung war, aber die Arbeit ist sehr effizient und überaus nützlich!“
Deutsche Tibethilfe Die Deutsche Tibethilfe e.V. unterstützt tibetische Flüchtlinge im indischen Exil mit dem Ziel, die einzigartige Kultur Tibets zu erhalten. Sie hat mittlerweile rund 5000 Patenschaften für Kinder, Studenten, Mönche, Nonnen und alte Tibeter. Alte Menschen werden durch eine Patenschaft davor bewahrt, betteln gehen zu müssen. Kinder erhalten eine Schulausbildung sowie ausreichend Nahrung und Kleidung und damit eine Lebensperspektive. In den Klöstern sind genügende Ernährung und eine gute Gesundheitsvorsorge die vordringlichsten Bedürfnisse. Um all das kümmert sich die Deutsche Tibethilfe e.V. seit 1962. Der Sitz des Vereins ist Hamburg; die Geschäftsstelle befindet sich seit 1982 in München. Maßgeblich gestaltet hat die karitative Arbeit der Tibethilfe Irmtraut Wäger, die seit 1983 erste Vorsitzende ist. Sie wird von weiteren ehrenamtlichen Helfern tatkräftig unterstützt. Spendenkonto:
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