Buchbesprechungen |
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Alexander Berzin hat ein wichtiges Buch zu einem heiklen Thema geschrieben: spirituelle Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern. Das Markante an dem Werk ist, dass der Autor sich sehr sachlich, fast wissenschaftlich akribisch mit dem Thema auseinandersetzt und einen mittleren Weg zwischen Verklärung und Abwehr beschreitet. Dabei räumt er viele falsche Vorstellungen auf behutsame Weise aus. Der Autor selbst steht in der Tradition des tibetischen Buddhismus. Er zieht nicht nur eine beeindruckende Fülle indischer und tibetischer Schriften heran, um seine Aussagen zu untermauern, sondern verfügt auch über einschlägige Erfahrungen, da er in Dharamsala lange Jahre persönlicher Assistent des tibetischen Meisters Tsenshap Serkong Rinpoche war. Das Buch ist eine Art "Einmaleins" der Lehrer-Schüler-Beziehungen. So klärt Berzin zu Beginn Begriffe wie Guru, Lama, Tulku, spirituelle Freunde usw. und kreiert neue Worte wie Buddhismus-Professor, Dharma-Ausbilder, spiritueller Mentor, um die Basis für die weitere Diskussion zu schaffen. Wichtige Kapitel widmen sich der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, wie sie im Sutra- und im Tantra-Fahrzeug jeweils gepflegt werden. Berzin unterstreicht, dass die Anforderung, den Meister als Buddha anzusehen, mit Blick auf das Höchste Yoga-Tantra zu sehen ist und erklärt, was mit dieser oft missverstandenen Anweisung überhaupt gemeint ist. Der Autor erläutert, was es heißt, Vertrauen in den Meister zu haben, ihm Respekt zu erweisen und weist auf die Fallstricke hin, die in Begriffen wie "Hingabe", "Verehrung" usw. liegen können. Ein bedeutender Teil des Buches ist Schwierigkeiten in der Lehrer-Schüler- Beziehung gewidmet. Berzin weiß Rat in allen Lebenslagen - sei es, dass der Schüler sich für die Beziehung gar nicht öffnen kann, dass er verwirrt darüber ist, den Meister als Buddha zu sehen oder gar existenzielle Probleme durchmacht wie ungesunde Abhängigkeit, Regression in kindliche Verhaltensweisen, Ängste und Ausbeutung. Berzin klammert keinen Aspekt aus, und sei er noch so heikel, und liefert Lösungsvorschläge gleich mit. Das Buch ist inhaltlich sehr wertvoll, allerdings etwas umständlich geschrieben und mühsam zu lesen. Auf Grund des wissenschaftlich-intellektuellen Stils, mit vielen Aufzählungen und teilweise gewöhnungsbedürftigen Begriffen, findet vielleicht nicht jeder auf Anhieb Zugang dazu. Trotzdem ist es eine Fundgrube für den, der sich mit dem Thema Lehrer-Schüler- Beziehung neu befasst oder der über einzelne Aspekte einer Lehrer- Schüler-Beziehung im Unklaren ist. Birgit Stratmann
Auch offenbarte Geheimnisse entfalten ihre verborgenen Kostbarkeiten. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts diente ein kleiner, hinter dem Potala-Palast in Lhasa gelegener Tempel, der so genannte "Lukhang", den früheren Dalai Lamas als Refugium für ihre meditativen Übungen. Besonders im obersten Stockwerk befinden sich äußerst wertvolle und künstlerisch anspruchsvolle Wandmalereien, die eine einmalige Zusammenschau tantrischer Visionen, Praktiken und erleuchteter Wesen bietet. Nicht nur der Impetus zum Bau dieses "Tempels der Schlangengeister", sondern vor allem die Inhalte der zum Großteil den Dsogtschen-Lehren verpflichteten Malereien gehen auf die mystischen Visionen des Fünften Dalai Lama zurück, der 1642 erstmals die weltliche und spirituelle Führung Tibets in seiner Person vereinte. Dieser pflegte vor allem die höchsten Lehren über die Große Vollendung (Dsogtschen), welche "den konkreten Weg weisen, auf dem Körper und Geist transformiert werden und der Zustand des Allbewusstseins erreicht werden kann". Das Buch bietet eine sachkundige Beschreibung des Tempels. Ein Kapitel gibt eine knappe Einführung in die tibetisch-religiöse Kunst und ihre Ursprünge und Stilarten. Die Beschreibungen der Wandmalereien erfolgt in drei Abschnitten: Die Bilder der Nordwand geben u.a. Yoga-Körperhaltungen, den Verlauf feinstofflicher Energiebahnen, die Götter des Zwischenzustandes, verschiedene Seinszustände, innere Visionen und Meditationspraktiken wieder. Diese in Stil und Ausdruckskraft einmaligen Bildnisse scheinen zum Teil nüchterne "Gebrauchsanweisungen" für tantrische Übungen zu sein, veranschaulichen gleichzeitig aber einen geheimen Pfad, der sich mit Worten niemals adäquat ausdrücken lässt. Auf der Westwand, von den Autoren als "Pfad zur Befreiung" betitelt, sind vorbereitende Übungen des Dsogtschen gemalt sowie Körperstellungen und Techniken, die zu bestimmten Visionen führen. Zudem sind u.a. drei Arten der Befreiung abgebildet. Im letzten Abschnitt werden die besonders ausdrucksvollen Bildnisse der tantrischen Meister, der Mahasiddhas und Rishis, dargestellt. Wie sorgfältig das Buch erarbeitet wurde, lässt sich nicht nur an der umfangreichen Bibliographie und dem guten Glossar, sondern auch an der Wiedergabe der tibetischen Originalbeschriftungen der Wandmalereien und ihrer Übersetzungen ablesen. Behutsam haben die Autoren in Zusammenarbeit mit kompetenten Meistern einen eindrucksvollen Bildband geschaffen, der nicht nur von dem großen Einfühlungsvermögen und Kenntnisreichtum der Autoren zeugt, sondern den Geist der dargestellten geheimen Lehren weiter trägt. Besonders ansprechend ist, dass ein Großteil des Textes aus gut ausgewählten Zitaten früherer oder zeitgenössischer buddhistischer Meister, meist der Dalai Lamas, besteht. Besonders wertvoll wird das Buch auch dadurch, dass viele der Zitate von S.H. dem 14. Dalai Lama eine direkte Kommentierung der Wandmalereien darstellen. S.H. hatte, wie er in seinem Geleitwort schreibt, den Lukhang vor seiner Flucht aus Tibet nur durch ein Fernrohr betrachten können. So hat der Dalai Lama erstmals den 'geheimen Tempel' durch das Mittel der photographischen Abbildungen 'betreten' können. Ein wunderbares und die Inspiration vieler Jahrhunderte weitergebenes Buch. Jürgen Manshardt
Das Buch ist die Niederschrift eines Dialoges zwischen einem Astrophysiker vietnamesischer Herkunft, der als Buddhist aufgewachsen ist und heute in den USA lehrt, und einem buddhistischen Mönch aus Frankreich, der ein enger Schüler von Dilgo Khyentse Rinpoche war und seit Jahrzehnten in Nepal lebt. Der Physiker gibt eine hochinteressante und verständliche Darstellung der neuesten Theorien im stellaren und subatomaren Bereich, der Mönch setzt die Lehren des tibetischen Buddhismus dagegen. Die Positionen der beiden Kontrahenten sind nicht kompatibel, denn der Wissenschaftler ist es gewöhnt, dass seine Hypothesen überprüft und infrage gestellt werden, während der buddhistische Philosoph dogmatisch argumentiert. Er tut dies in einer Weise, die manchmal Unmut hervorruft, denn mit der ständigen Wiederholung von Begriffen wie "Leerheit" und "abhängige Existenz" wird jeder kontroverse Dialog ad absurdum geführt, da er sich auf eine ganz andere Ebene begibt. Am Ende könnte der Leser den Eindruck bekommen, der Buddha habe in seinen Lehren die Quantenmechanik und die moderne Kosmologie bereits vorweggenommen. Der Weg des praktizierenden Buddhisten ist aber eine Reise nach innen, die zu einer Grenze führt, wo die dualen Gegensätze verschwinden: Was jenseits liegt, lässt sich mit unserer Sprache nicht beschreiben, hier hat jede Begrifflichkeit ein Ende. Diese spirituelle Erfahrung nennt man Erleuchtung. Es führt aber kein direkter Weg vom Urknall zur Erleuchtung, wie der Untertitel des Buches nahelegt. Der tibetische Buddhismus lehnt einen zeitlich fixierbaren Beginn des Kosmos ab. Materie und Bewusstsein existieren anfangs- und endlos und tragen das Potenzial zur zyklischen Entstehung immer neuer Welten in sich. Diese Auffassung entspricht nicht den modernen Theorien der Physik, die aber letzten Endes im Fluss sind und Raum auch für gegenteilige Spekulationen lassen. So gibt der Physiker irgendwie der Philosophie des Mönches meistens nach und lässt sich lediglich seine Überzeugung, dass es ein erstes schöpferisches Prinzip geben müsse, nicht nehmen. Die Dialogpartner können sich aber im Bereich der subatomaren Physik verständigen, einfach, weil die Physik hier keine exakte Beschreibung der Wirklichkeit mehr zulässt, denn alle beobachtbaren Phänomene sind flüchtig, wandelbar und voneinander abhängig - sie sind "leer" in buddhistischer Begrifflichkeit. Trotzdem: "Quantum und Lotus" ist ein ungemein spannendes Buch auf hohem intellektuellem Niveau, von dessen Lektüre nicht nur Buddhisten und Naturwissenschaftler profitieren werden. Egbert Asshauer
Vier Reportagen des neuen Heftes von GEO special (Ausgabe August 2002) über den Himalaya haben einen Bezug zum Buddhismus. Die Bildstrecke "Hoch und heilig" zeigt Landschaftsaufnahmen mit Heiligtümern im Himalaya, und in einem sehr persönlichen Text berichtet Bruno Baumann über seine Umrundung des Kailash. "Das neue Gesicht des Buddhismus" stellt fünf Buddhisten des Himalaya vor, zum Beispiel den Mönch Tashi Norbu der "Buddhist School of Dialectics" in Dharamsala und Ngawang Lhamo, die im indischen Exil ein Heim für behinderte Kinder gegründet hat. In einer beeindruckenden Reportage mit faszinierenden Bildern können die Leser hinter die Kulissen der Klosterburg Tongsa Dzong blicken. Es war das erste Mal, dass ein Journalisten-Team sich über eine Woche lang frei in einem Dzong bewegen konnte. Weitere Geschichten des Heftes: 'Schlange stehen auf dem Mount Everest', den letztes Jahr an einem Tag 88 Menschen erklimmen wollten, und eine grandiose Bildstrecke über das Leben der Nomaden in Ladhak. Auch politische Themen fehlen nicht, u.a. über die Demokratisierung der tibetischen Exilregierung und den Kampf um Alt-Lhasa. Birgit Stratmann
Dieses Buch sollte jeder lesen, der sich für Kalachakra interessiert. Der Autor, Alexander Berzin, ist einer der großen Kenner des Buddhismus und ein Spezialist auf dem Gebiet von Kalachakra. Er hat in höchst kompetenter Weise eine Vielzahl von Texten übersetzt, mehrere Bücher verfasst und als Dolmetscher für viele Lamas, einschließlich des Dalai Lama, gewirkt. Das Buch stellt eine erweiterte und überarbeitete Fassung von Vorträgen dar, die der Autor u.a. auf Bitten des Dalai Lama bei verschiedenen Anlässen gehalten hat. Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Aspekte von Kalachakra und beantwortet alle relevanten Fragen, die sich einem westlichen Teilnehmer stellen. Der besondere Vorzug dieses Buches liegt darin, dass ein westlicher Fachmann in moderner, aber ebenso präziser wie einfacher Sprache die ansonsten höchst komplizierten Inhalte einer westlichen Leserschaft erläutert. In den 12 Kapiteln des Buches werden nicht nur Kalachakra-immanente Themen behandelt, sondern auch der Gesamtkontext mitsamt Grundlagen und Konsequenzen dargestellt.
Wer das Einweihungsritual gut vorbereitet verfolgen und miterleben möchte, sollte sich durch die Lektüre dieses Buches von den einzelnen Schritten und den entsprechenden Imaginationen mitsamt ihrer symbolischen oder konkreten Bedeutung ein genaues Bild machen. Prof. Hopkins hat auf Bitten des Dalai Lama den eigentlichen Ritualtext des berühmten Gelug- Meisters Kä-drup Dsche mit einigen Zusätzen übersetzt. Seine Heiligkeit selbst hat einen Kommentar dazu gegeben, der das Buch zu einer Kostbarkeit werden lässt. Prof. Hopkins, der selbst als Dolmetscher während einer Kalachakra- Initiation und bei vielen anderen Veranstaltungen für S.H. gewirkt hat, bringt auf den ersten 140 Seiten durch seine solide und ausführliche Einführung dem Leser die Grundlagen des Ritus näher. Dabei geht er u.a. auf Gottheiten-Yoga, die Geschichte des Kalachakra-Tantras und auf die grundlegende Motivation ein - die altruistische Geisteshaltung des Erleuchtungsgeistes - und fügt eine Übersetzung der "37 Praktiken der Bodhisattvas" hinzu, einen Text, den S.H. vorbereitend erklären wird. Im zweiten Teil wird nun der Ritualtext zu den ersten sieben der insgesamt 11 bzw. 15 Initiationen im Wortlaut mit Erläuterungen vorgestellt. Hier kann der Leser vorab oder begleitend zum Ritual die einzelnen Schritte genauestens "in Erfahrung bringen". Hiermit bietet sich die seltene, wenn nicht einmalige Möglichkeit, anhand eines Originaltextes eine Einweihung vorzubereiten bzw. zu verfolgen. Wer dabei visuelle Unterstützung benötigt, der sollte den anspruchsvollen englischsprachigen Bildband Kalachakra, [Cultural Association Tibet Domani for Namgyal Monastery, Rome 1999] erwerben, in dem die Wandmalereien des Kalachakra-Tempel in Dharamsala im Überblick und Ausschnitten mit guten Erläuterungen versehen präsentiert werden. Speziell werden die einzelnen Gottheiten und die umfangreiche Symbolik des Kalackra-Mandalas in Wort und Bild dargestellt. (Es ist geplant, diesen Band auf Deutsch herauszugeben. Der Autor dieses Artikels arbeitet an der Übersetzung.) Das "Kalachakra-Tantra" schließt mit der Übersetzung des Kalachakra-Guru-Yoga und dem Yoga in sechs Sitzungen, welche nach der Einweihung die tägliche Praxis der Teilnehmer bestimmen sollten. Und genau dort schließt das im Folgenden vorgestellte Buch an:
In diesem umfangreichen Buch erläutert der kürzlich verstorbene große Gelehrte und Meditationsmeister Gen Lamrimpa die grundlegenden und fortgeschrittenen Praktiken des Kalachakra. Das Buch gliedert sich in drei Hauptabschnitte: 1. Die Vorbereitungen für die Praxis; 2. Das Kalachakra Guru-Yoga mit vielen speziellen aber allgemein relevanten Erläuterungen (u.a. Die Läuterung des Todes; Sich selbst als Kalachakra hervorbringen; Bindu-Yoga und Subtiles Yoga etc.); 3. Die Übungen der Vollendungsstufe mit Erläuterungen zu der Natur der Phänomene und dem Sechs- Phasen-Yoga. Besonders der letzte Teil präsentiert Erläuterungen, die noch niemals so detailliert in einer westlichen Sprache gegeben wurden. Wer also eine regelmäßige Übung aufnehmen möchte, der sollte unbedingt mit diesem Buch arbeiten und es als Leitfaden wiederholt lesen. |