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Buchbesprechungen

Dalai Lama: Der Friede beginnt in Dir

Helmut Uhlig: Buddha

Überwindung der geistig-moralischen Krise in der heutigen Gesellschaft

Dalai Lama: Der Friede beginnt in Dir. O.W. Barth Verlag, 1994. 200 Seiten.

Wenn man den Allerweltstitel dieses Buches liest, möchte man es gleich wieder ins Regal stellen, am liebsten in die Spate »Esoterik«. Das wäre jedoch ein großer Fehler. »Der Friede beginnt in Dir« ist ein Kommentar S.H. des Dalai Lama zum bedeutendsten Werk des Mahāyāna- Buddhismus, nämlich Shāntidevas »Eintritt in das Leben zur Erleutung«.

Der Dalai Lama hatte dieses Meisterwerk von Shāntideva 1991 in der Dordogne in Frankreich eine Woche lang kommentiert; seine Unterweisungen, die dem Grundtext chronologisch folgen, sind (zusammen mit einigen Versen) für dieses Buch aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt worden.

Shāntideva beschreibt in seinem kraftvollen, poetischen und bildreichen Text den Werdegang des Bodhisattvas von der Erzeugung des Erleuchtungsgeistes über die Schulung der Sechs Vollkommenheiten bis zur Erkenntnis der Leerheit. Der Dalai Lama lehnt sich eng an diesen Text an. Seine Unterweisungen sind messerscharf, wunderbar klar und – bei aller Strenge – durchdrungen von Güte und Mitgefühl für den Praktizierenden. Er läßt keinen Zweifel aufkommen, wohin die spirituelle Reise gehen soll: nicht ins persönliche Nirwana, sondern mitten in die Welt, um den Lebewesen in größtem Ausmaß zu nutzen. Gleich zu Beginn weist Seine Heiligkeit darauf hin, daß die Belehrungen dazu dienen, »den Kampf mit den unkontrollierten Geistesgiften « aufzunehmen und einen Wandel im eigenen Geist herbeizuführen: »Die Waffen für diesen Kampf richtet er auf sich selbst statt gegen andere.«

Immer wieder fordert der Text in drastischer Klarheit zu diesem Kampf heraus, ob es um die Schulung des Erleuchtungsgeistes, der Achtsamkeit, Geduld, Tatkraft, Konzentration oder Weisheit geht. Der Leser wird gedrängt, sich selbst im Licht dieser Belehrungen zu betrachten. »Das Haften am Körper ist die größte aller Verirrungen, die es abzulegen gilt.« Der Dalai Lama fordert seine Schüler auf, alles, was sie für selbstverständlich erachten, zu hinterfragen und – das meiste davon – aufzugeben: »Wir vergängliche Wesen – wie können wir uns nur an andere ebenso vergängliche Wesen klammern?«

Mit geschickten Mitteln lotst der Meister seine Schüler auf den rechten Weg: Einerseits fordert er die Praktizierenden auf, die »Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden des Samsāra« mit Tatkraft und Entschlossenheit zu überwinden. Andererseits stärkt er ihr Selbstvertrauen, indem er sie an die Buddha-Natur erinnert, die jedem Lebewesen innewohnt: »Eines Tages werden wir Bodhisattvas sein. Das steht fest. Was immer für Hindernisse auftauchen und wie lange es auch dauern mag, lassen wir uns niemals entmutigen!«

Einige Hürden hat der Leser allerdings zu nehmen, denn auf den ersten Seiten des 1. Kapitels haben die Übersetzer einige obskure Begriffe eingebaut, wie »unumkehrbare Erkenntnis«, »integrale Beseitigung«. Das Glossar, das sonst alle wichtigen Termini kurz erklärt, schweigt darüber. Auch der Begriff »letzte Nacktheit « ist etwas gewöhnungsbedürftig. Er ruft nicht nur profane Assoziationen hervor, sondern vielleicht auch falsche, z.B. die Ansicht, es gebe doch einen inhärenten Wesenskern, der zum Vorschein kommt, wenn man erst einmal alle begrifflichen Hüllen abgestreift hat. Shāntideva legt jedoch dar, daß das Objekt letztlich nicht auffindbar ist. Glücklicherweise wird das Wort »Nacktheit« im Kapitel über die Weisheit ganz vermieden.

Den Fußnoten mangelt es an einigen Stellen ebenfalls an Klarheit. Bei der Erläuterung der 16 Aspekte der Vier Wahrheiten beispielsweise ist der vierte Aspekt, den der Übende erkennen muß, gerade nicht »der Glaube an die wahre Existenz der Dinge«, sondern die Selbstlosigkeit der Person!

Der Leser sollte sich dadurch nicht entmutigen lassen und einfach weiterlesen, denn schon nach wenigen Seiten sind die Stoplersteine überwunden, und die wahrscheinlich in aller Eile gefertigte Übersetzung liest sich flüssig. Zudem hält er den ersten Kommentar zu Shāntidevas spirituellem Meisterwerk in seinen Händen, noch dazu von seinem bedeutendsten Nachfolger in der heutigen Zeit, dem Dalai Lama. Wenn der Buddhismus schon boomt, dann auf der Grundlage einer einwandfreien Tradition und verwirklichter Meister.

Birgit Stratmann


Buddha - die Wege des Erleuchteten

Helmut Uhlig. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1994, 320 Seiten.

Es scheint kein Zufall zu sein, daß gerade zu dieser Zeit, in der der Buddhismus im Westen an Popularität gewinnt, einige Buddha-Biographien auf dem Markt erscheinen. Unter ihnen auch die des wohlbekannten Asien-Autors Helmut Uhlig. Sein Buch »Buddha - die Wege des Erleuchteten «, im modernen Buch Design gestaltet, enthält thematisch so ziemlich alles, was das Herz eines Buddhisten höher schlagen läßt.

Der Autor beginnt mit der Lebensgeschichte des Buddha und beschreibt im Rahmen dieser verschiedene wichtige Themen des Buddhismus, unter anderem »Leben im Kreislauf der Wiedergeburten «, »Vom mittleren achtfachen Pfad«, »Buddha und die Frauen« usw. Im Anschluß daran behandelt der Autor Themen wie »Tantrische Dimensionen«, »Mandala«, »Tibet«, »Kālacakra« und nicht zu vergessen »Der 16. Karmapa und seine umstrittene Wiedergeburt«.

Gleich zu Anfang, stellt sich der Autor selbst die Frage »Wozu noch ein Buch über Buddha?« und beantwortet diese wie folgt: »...ich bin mir nicht sicher, ob die vielen, die sich zu Buddha bekennen, ihn auch wirklich verstehen ... und es scheint, daß seine Lehre leider verfälscht immer mehr Verbreiterung findet. Deshalb dieses Buch.«

Leider erfüllt dieses Buch, so edel auch die Motivation sein mag, die Erwartungen nicht. Immer wieder tauchen Fehler auf, die wohl aus anderen Werken übernommene sind, wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß der Autor hier und dort einfach abgeschrieben hat, ohne die Aussagen genauer zu überprüfen. Dabei greift Helmut Uhlig hauptsächlich auf Julius Dutoit zurück, der 1906 eine der ersten eine Buddha- Biographie herausbrachte.

Um zwei Beispiele zu zeigen: Uhlig übernimmt die in der westlichen Literatur herrschende Auffassung über den Unterschied zwischen dem Buddhismus des Hïnayāna und des Mahāyāna: Ersterer, als »Urbuddhismus« bezeichnet, sei dadurch gekennzeichnet, daß der Buddha ins Nirvāna eingeht, während im Mahāyāna, »Nördlichen Buddhismus«, die Praktizierenden auf die Buddhaschaft verzichteten, um als Bodhisattvas weiter zu wirken. Das ist jedoch nicht korrekt: Die Mahāyānisten streben die Buddhaschaft an, um den Wesen helfen zu können.

An anderer Stelle heißt es: »Die Frauen sind weniger moralisch gefestigt, ... sie gehören deshalb ins Haus, zu Kindern und Alten ... und können erst nach einer weiteren Existenz als Mann in den Weg der Hauslosigkeit gehen... Sie (die Frau) ist dem Leben weniger vom Geist her als vielmehr von Natur aus verbunden, ... so sah es wohl auch der Buddha.« Ob der Buddha es tatsächlich so sah oder sich nicht vielmehr kulturelle Eigenarten in die Religion mischten, ist eine andere Frage.

Der Leser findet in diesem Buch sicherlich einen guten Überblick über viele Themen des Buddhismus. Für jemanden mit ernsthafter Absicht, in diesen Themen authentisch unterrichtet zu werden, wird dieses Buch keine Bereicherung sein. Es bleibt zu hoffen, daß die buddhistische Literatur in deutscher Sprache auch unter den Wissenschaftlern eine immer bessere Qualität bekommt.

Martin Schwarzwälder