Dritte Internationale Konferenz Buddhistischer Frauen |
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von Gabriele Küstermann Colombo, Sri Lanka, 25.-29.10.1993: Die Sakyadhïtā Konferenz wird im Beisein ihres Schirmherrens, S.E.,D.B. Wijetunge, dem Präsidenten Sri Lankas, feierlich eröffnet. Zahlreiche Ansprachen läuten den ersten Tag ein. Die Männer betonten in ihren Reden die bedeutende Rolle der Frauen bei der Aufrechterhaltung der Moral in Familie und Gesellschaft; sie seien wertvolle Mitstreiterinnen im Kampf gegen den »Missionierungseifer « anderer Religionen (das war speziell die Sorge des Präsidenten der Mahabodhi Society, einer indischen Gesellschaft zur Restaurierung der historischen Stätten in Bodhgaya). Der Präsident von Sri Lanka stellte heraus, daß die Frauen seines Landes sich auf dem Weg zur vollständigen Emanzipation vor der Welt nicht verstecken müßten. Sri Lanka war nach dem 2. Weltkrieg das erste Land der Welt, das eine Frau, Frau Bandaranaike, als Ministerpräsidentin ins Amt wählte. Die Frauen gingen in ihren Beiträgen auf die Hindernisse und Zielvorstellungen ein, aber auch auf die Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten auf weltlichem und geistigem Gebiet zu entfalten. Dabei wurde besonders das Bildungsdefizit im religiösen Bereich angeprangert. Die Frauen erinnerten in ihren Reden an die historische Bedeutung der Bhikshu nis Sanghamittā und Desvasara. Letztere hatte im 4. Jahrhundert nach Christus mit elf weiteren Bhikshunis die Dharmagupta-Übertragungslinie des Bhikshunï-Gelübdes von Sri Lanka nach Süd-China gebracht mit großem Erfolg: Diese Übertragungslinie ist als einzige in den Ländern Ostasiens, Taiwan, Hongkong, Korea und Vietnam bzw. im vietnamesischen Exil bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben. Die Kunde hierüber ist leider nur durch die chinesische Geschichtsschreibung erhalten geblieben; die Theravādins in Sri Lanka als einzige buddhistische Schule in diesem Land haben historische Zeugnisse über alle anderen Schulen, u.a. des Mahāyāna, nicht in die Annalen aufgenommen. Nur steinerne Zeugnisse könnten vermutlich noch bei der Erforschung der Dharmagupta-Übertragungslinie weiterhelfen. Die Diskussion um die Wiedereinführung des Bhikshunï-Ordens in Sri Lanka, im Land selbst ein kontrovers diskutiertes Thema, hat im Vorfeld der Konferenz eine betrübliche Rolle gespielt. Das Ministerium für buddhistische Angelegenheiten, das sich Buddha Sasana nennt, wollte zunächst seine Unterstützung für die Konferenz von der schriftlichen Zusicherung von Sakyadhïtā Sri Lanka abhängig machen, daß die Wiedereinführung des Bhikshunï-Ordens kein Thema auf der Konferenz sein dürfe. Dies war natürlich eine Provokation angesichts der Tatsache, daß die Wiedereinführung des Ordens in allen Ländern, wo es gewünscht wird, ein Ziel der Arbeit von Sakyadhïtā ist. In der Resolution zum Abschluß der Konferenz, die am Tag darauf wörtlich in der »Daily News« von Colombo abgedruckt wurde, vermied man aus diplomatischen Gründen das Wort »Bhikshunï-Ordination«, forderte aber für Frauen gleiche Chancen in allen Bereichen. Dieses Thema wurde ausgiebig debattiert nicht nur im Plenum, sondern auch auf einem Workshop. Die Teilnehmerinnen diskutierten die Voraussetzungen einer Wiedereinführung des Bhikshuni-Ordens und machten sich Gedanken, wie dieser Orden aussehen könnte. Bhikshunï Dschampa Tsedrön (Carola Roloff ) sprach am Nachmittag des Eröffnungstages zum Thema »Herausforderungen klösterlichen Lebens heute« ( s. Ausschnitt der Rede in diesem Heft). Der Dozent für Pāli und Buddhistische Studien an der Universität von Colombo, Senarat Wijayasundera, redete über »Der Orden buddhistischer Nonnen. Argumente für und gegen eine Wiedereinführung«. Ven. Bhikshunï Karma Lekshe Tsomo, »die Seele« von Sakyadhïtā International, verglich Erfahrungen christlicher und buddhistischer Frauen und machte deutlich, daß man viel voneinander lernen könne. Auch wies sie auf den Erfahrungsaustausch tibetischer Geshes mit katholischen Mönchs-und Nonnenorden in den USA hin. Dharmacharini Sanghadevi von den »Friends of the Western Buddhist Order« erläuterte die Basis für eine Ordination einer Dharmacharini oder eines Dharmacharis: Es handelt sich um ein Gelübde, das zwischen einem Novizen- und einem Laiengelübde anzusiedeln ist und von dem Ordensgründer Sangharakshita, der in England lebt, geschaffen wurde. Die Präsidentin von Sakyadhïtā International, Dr. Chatsumarn Kabilsingh, beschäftigte sich mit der »Aufrechterhaltung menschlicher Werte in einer Zeit schneller Veränderungen«. Sie hob hervor, wie sehr das Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten, den Grundaussagen des Buddha, dazu beitragen könne, die Menschlichkeit in dieser Welt zu bewahren. Dr. Kusuma Devendra, die Präsidentin von Sakyadhïtā Sri Lanka, äußerte sich zu »Frieden und Konfliktbeherrschung in einer bedrohten Welt«, ein Thema mit sehr ernstem Hintergund in Sri Lanka selbst. Zur Zeit sind 600.000 Menschen aus dem Norden der Insel auf der Flucht vor den brutalen Auseinandersetzungen zwischen Tamilen und Singhalesen. Auch wurde an das Schicksal der Friedensnobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi in Burma erinnert, die in ständiger Lebensgefahr in Hausarrest in Rangoon verharren muß und die Aufmerksamkeit der Welt auf die zutiefst deprimierende politische Situation in Burma wachhält. Die Menschen in aller Welt mögen sie in ihre Gebete beschützend einschließen. Die Konferenz und die lebhafte Berichterstattung von Presse und Fernsehen darüber hat die Frauen von Sri Lanka ihrem Ziel, den Bildungsstandard anzuheben, einen großen Schritt näher gebracht. Die Appelle an Staat und Öffentlichkeit, mit Spenden in Form von Grundstücken und Häusern Sakyadhïtā Sri Lanka bei ihren Bemühungen zu unterstützen, haben sofort zwei Angebote zur Folge gehabt. Auch der Begründer und Präsident der weltbekannten Sarvodaya-Bewegung (für die ländliche Entwicklung) in Sri Lanka, A.T. Ariyaratne, bot seine Kooperation an; er will die Infrastruktur seiner Organisation zur Verfügung stellen. Noch immer sind die Worte des Ehrw. Nyanaponika eine Inspiration: »In der gegenwärtigen Welt können wir es uns nicht mehr leisten, die große Kraft, die in den buddhistischen Frauen und mehr noch in der Entsagung buddhistischer Nonnen steckt, außer Acht zu lassen. Dieses Potential ist allzu oft vernachlässigt oder gar nicht beachtet worden aufgrund von Desinteresse und Vorurteilen. Das große und löbliche Ziel der Frauen ist es, sich über Wege und Mittel auszutauschen, die Situation buddhistischer Nonnen überall auf der Welt, ihre Ausbildung und ihre Möglichkeiten zu spirituellen Fortschritten zu verbessern. Als Theravāda-Mönch möchte ich meine volle Unterstützung für die Erreichung dieser Ziele geben. Ich hoffe, daß sich die Frauen nicht damit zufrieden geben werden, den Vorträgen zuzuhören und Abschlußerklärungen zu formulieren, sondern daß sie sich klar für Aktion entscheiden. Wir leben nicht in gemütlichen Zeiten und können es uns nicht leisten, weitere Verzögerungen hinzunehmen, sondern müssen mit Entschlossenheit handeln.« Nach der Konferenz waren die vielen Teilnehmerinnen aus 25 Ländern, nebst einigen Teilnehmern, zu einer Besichtigungstour der heiligsten Stätten Sri Lankas eingeladen. Die erste Station war Kandy, wo die Reisenden in großer Prozession mit geschmückten Elefanten und Flöten- und Trommelmusik zum Allerheiligsten geleitet wurden. Nur wenigen Gästen wird die Ehre zuteil, in das Innere des Tempels vorgelassen zu werden, wo ein »Zahn des Buddha« verehrt wird. Dann ging es bis nach Anuradhapura in den Norden, dem historischen Ausgangspunkt der Verbreitung des Buddhismus in Sri Lanka. Im 3. Jahrhundert v. Chr. kam Mahinda, Sohn des großen indischen Kaisers Asoka, an diesen Ort mit der Kunde von der Lehre des Buddha, die rasch Verbreitung fand. Wenig später folgte seine Schwester, Bhikshunï Sanghamittā, und begründete den Bhikshunï-Orden. Sie war es auch, die einen Ableger des Bodhi-Baumes, unter dem der Buddha Erleuchtung erlangte, mit nach Sri Lanka trug, der bis heute erhalten ist und in weiteren Ablegern im ganzen Land verehrt wird. Die nächste Sakyadhïtā-Konferenz wird voraussichtlich im Sommer 1995 in Ladakh stattfinden. Angemerkt sei noch, daß 1994 das »Internationale Jahr tibetischer Frauen« stattfinden soll; Auftakt ist für den 12. März (Jahrestag des Aufstands tibetischer Frauen gegen die chinesische Besatzung 1959) geplant mit vielen Veranstaltungen auch in Deutschland. |